Das "Wirecard"-Logo auf dem Gebäude des Firmensitzes in Aschheim bei München | LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX/S

Bilanzskandal Weiterer Wirecard-Manager stellt sich

Stand: 06.07.2020 20:05 Uhr

Im Bilanzskandal um den insolventen DAX-Konzern Wirecard hat die Staatsanwaltschaft München einen weiteren Spitzenmanager verhaftet. Wo Ex-Vorstand Marsalek steckt, bleibt aber weiterhin ein Rätsel.

Der Chef einer Wirecard-Tochter aus Dubai ist in München verhaftet worden, teilte die Staatsanwaltschaft in der bayerischen Landeshauptstadt mit.

Ihm würden besonders schwerer gemeinschaftlicher Betrug sowie Beihilfe zu anderen Straftaten vorgeworfen. Schwerer Betrug kann mit zehn Jahren Gefängnis bestraft werden.

Der Mann arbeitete nach Angaben der Staatsanwaltschaft bisher als Leiter der Wirecard-Tochter Cardsystems Middle East. Die Konzerntochter in den Vereinigten Arabischen Emiraten spielte eine wichtige Rolle im Asiengeschäft des pleite gegangenen Konzerns. Die Strafverfolger befürchteten, dass der Manager Beweismittel beiseite schaffen oder Zeugen beeinflussen könnte.

Er ist nicht der einzige Wirecard-Manager, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Marktmanipulation, Bilanzfälschung, Betrug und Untreue ermittelt.

Dubai-Manager bleibt in Untersuchungshaft

Bereits am 22. Juni hatte sich Markus Braun nach seinem Rücktritt als Vorstandsvorsitzender gestellt. Wegen Fluchtgefahr wollte die Staatsanwaltschaft den Österreicher eigentlich in Untersuchungshaft behalten. Doch er kam gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro frei. Braun muss sich jede Woche bei der Polizei melden.

Anders als bei ihm ordnete das Amtsgericht München bei dem nun festgenommenen Manager aus Dubai eine Fortdauer der Untersuchungshaft an.

Wohin allerdings Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek geflüchtet ist, bleibt weiterhin ein Rätsel. Am Wochenende war bekannt geworden, dass Einwanderungsbeamte auf den Philippinen offensichtlich Daten professionell gefälscht haben, um seine Einreise vorzutäuschen.

Dies hatten Aufnahmen von Überwachungskameras, Passagierlisten und anderem Material ergeben.

Scholz kündigt Änderungen bei Finanzaufsicht an

Als Konsequenz aus dem Bilanzskandal um den insolventen DAX-Konzern Wirecard hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz Änderungen bei der Finanzaufsicht angekündigt.

Es sei jetzt die Aufgabe des Gesetzgebers, "die Schutzmechanismen zu überprüfen und zu verbessern", sagte der SPD-Politiker. "Niemand sollte bloß die Luft anhalten und hoffen, dass nichts passiert. Wir müssen in allen Bereichen klären, was schief gelaufen ist."

Wirecard hat eingestanden, dass in der Jahresbilanz 1,9 Milliarden Euro fehlen und das Geld bei zwei philippinischen Banken vermutlich gar nicht existiert. Der Börsenkurs des DAX-Konzerns stürzte ab, das Unternehmen meldete Insolvenz an.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Juli 2020 um 20:00 Uhr in den Nachrichten.