Braun Wirecard  | Bildquelle: AP

Millionen-Kaution hinterlegt Ex-Wirecard-Geschäftsführer Braun frei

Stand: 24.06.2020 10:38 Uhr

Der ehemalige Wirecard-Chef steht im Zentrum des Skandals des DAX-Unternehmens. Dank einer Millionen-Kaution ist er nun vorerst frei. Unterdessen wenden sich die ersten Kunden von Wirecard ab.

Der im Milliardenskandal beim DAX-Konzern Wirecard unter Verdacht stehende frühere Vorstandschef Markus Braun hat die fünf Millionen Euro Kaution für seine Freilassung aus der Untersuchungshaft bezahlt. Das sagte ein Sprecher des Münchner Amtsgerichts. Das Geld sei noch am Dienstagnachmittag hinterlegt worden, Braun wurde anschließend auf freien Fuß gesetzt.

Abgesehen von der hohen Kaution muss sich Braun für die Dauer der Ermittlungen wöchentlich bei der Polizei melden. Die Staatsanwaltschaft wirft Braun in der Affäre um mutmaßliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro unrichtige Darstellung der Wirecard-Bilanzen und Marktmanipulation vor.

Mitfahrdienst Grab legt Partnerschaft auf Eis

Unterdessen wenden sich große Kunden von dem Zahlungsdienstleister ab. Der asiatische Mitfahrdienst Grab erklärte, die Partnerschaft mit Wirecard bis auf weiteres auf Eis zu legen. Der Konzern aus Aschheim bei München hatte im März vereinbart, künftig Zahlungen für den Uber-Konkurrenten abzuwickeln. "Wir haben noch nicht mit den Integrationsarbeiten für die Wirecard-Partnerschaft begonnen und pausieren die Partnerschaft bis auf weiteres", sagte ein Grab-Sprecher in Singapur.

Verhandlungen mit Banken zur Rettung des Zahlungsdienstleisters laufen nach wie vor auf Hochtouren. Der Konzern aus dem Münchener Vorort Aschheim steuert nicht nur das bargeldlose Bezahlen via Smartphone oder Kreditkarte an der Ladenkasse und in Online-Shops, sondern übernimmt auch für Händler das Ausfallrisiko von Zahlungen. Experten fürchten schon seit längerem, dass Wirecard wegen des Skandals nicht nur die Anleger sondern auch Kunden davonlaufen.

Die in den vergangenen Jahren stark gewachsene Wirecard hatte Anfang der Woche eingeräumt, dass ein bilanziertes Vermögen von 1,9 Milliarden Euro auf Konten in Asien aller Wahrscheinlichkeit nach gar nicht existiert.

Aktieninstitut warnt vor Überregulierung

Trotz des Bilanzskandals warnte das Deutsche Aktieninstitut (DAI), das die Interessen der kapitalmarktorientierten Unternehmen vertritt, vor mehr Regulierung. "Meines Erachtens ist der Werkzeugkasten an Regulierungsinstrumenten gut gefüllt", sagte DAI-Chefin Christine Bortenlänger dem Bayerischen Rundfunk. Sie warnte davor, "jetzt die Bazooka der Regulierung" zu zücken. Kein Rechtssystem der Welt könne Betrug und Manipulation ganz verhindern. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Juni 2020 um 20:00 Uhr.

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