Durch eine Lupe ist auf der Internet-Seite von Wilileaks das Wort Secret zu sehen | Bildquelle: picture alliance / dpa

WikiLeaks-Veröffentlichung Bundespolizei vermutet Maulwurf im Bundestag

Stand: 18.12.2016 03:55 Uhr

Arbeitet im Bundestag ein Maulwurf, der geheime Dokumente an WikiLeaks weitergibt? Genau das vermutet die Bundespolizei nach einem Bericht des "Spiegel". Die Theorie, dass Hacker die Akten des NSA-Untersuchungsausschusses stahlen, halten die Ermittler für unwahrscheinlich.

Wie ist die Enthüllungsplattform WikiLleaks an die vertraulichen Akten aus dem NSA-Untersuchungsausschuss gelangt? Dieser Frage gehen seit Anfang des Monats auch die Ermittlungsbehörden nach - auch im Umfeld des Bundestages. Nun scheinen sich einem Bericht des "Spiegel" zufolge die Hinweise zu verdichten, dass die Unterlagen tatsächlich von einem Mitarbeiter des Bundestages weitergegeben wurden.

Bisher war spekuliert worden, dass Hacker die Unterlagen gestohlen haben könnten. Doch dem Bericht nach sind die Sicherheitsbehörden des Bundes überzeugt, dass hinter dem Datenklau keine Hacker stecken. Erst recht gebe es keinen Hinweis darauf, dass das Material 2015 bei einem Cyberangriff auf den Bundestag gestohlen wurde, heiße es in Sicherheitskreisen.

Lammert genehmigte Ermittlungen

Anfang Dezember hatte die Internetplattform WikiLeaks 2420 Dokumente aus den vertraulichen NSA-Akten veröffentlicht. Ermittelt wird "wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses und einer besonderen Geheimhaltungspflicht", bestätigte ein Bundestagssprecher dem Magazin. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hatte kurz nach der Veröffentlichung der Dokumente die Ermittlungen gegen Unbekannt genehmigt.

Untermauert wird die Annahme der Ermittler laut "Spiegel" noch durch Folgendes: Das WikiLeaks-Material umfasse 90 Gigabyte. Bei der Cyberattacke auf den Bundestag seien aber nur rund 16 Gigabyte an Daten gestohlen worden. Von dem Hackerangriff sei dem Anschein nach auch kein Bundestagsabgeordneter oder Mitarbeiter aus dem Umfeld des NSA-Untersuchungsausschusses betroffen gewesen.

Russische Hacker doch nicht Schuld?

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hatte vor einer Woche noch einen hohen Sicherheitsbeamten mit den Worten zitiert, es gebe eine "hohe Plausibilität" dafür, dass die von WikiLeaks veröffentlichten Geheimakten beim Cyberangriff auf den Bundestag erbeutet wurden. Für den Angriff machten Sicherheitskreise russische Hacker verantwortlich. Auch der Ausschuss-Vorsitzende Patrick Sensburg (CDU) hatte unmittelbar nach der Veröffentlichung der Unterlagen einen ausländischen Hackerangriff nicht ausgeschlossen.

Assange spricht per Videoschaltung zu einem WikiLeaks-Kongress in Berlin | Bildquelle: AP
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Wikileaks-Gründer Assange: Woher hat seine Plattform die vertraulichen NSA-Dokumente.

WikiLeaks spricht von mehreren Quellen

Laut WikiLeaks stammen die rund 2400 Dokumente aus verschiedenen Bundesbehörden wie dem Bundesnachrichtendienst und den Bundesämtern für Verfassungsschutz und Sicherheit in der Informationstechnik. Unter den Dokumenten soll es demnach Beweise geben, die die Zusammenarbeit zwischen der amerikanischen National Security Agency (NSA) und dem BND belegen.

Der NSA-Ausschuss befasst sich seit April 2014 mit der scheinbar allumfassenden Datenspionage der Geheimdienste, vor allem der NSA. Zahlreiche Unterlagen sind als vertraulich eingestuft. Oft tagt der Ausschuss unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Denn es geht auch um die Zusammenarbeit der Geheimdienste bei der Terrorabwehr oder um die dem zugrundeliegenden, ebenfalls vertraulichen Vereinbarungen zwischen Regierungen. Im Fokus steht auch die Arbeit des Bundesnachrichtendienstes.

Über dieses Thema berichtet die tagesschau am 17. Dezember 2016 um 20:00 Uhr.

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