Lothar Wieler | REUTERS

Coronavirus Wieler befürchtet fünfte Welle

Stand: 20.11.2021 09:38 Uhr

Täglich steigende Infektionszahlen, tägliche Warnungen: Wenn sich nicht genügend Menschen impfen ließen, komme es zu einer fünften Welle, so RKI-Chef Wieler. Das befeuert die Debatte über die allgemeine Impfpflicht.

Mitten in der vierten Welle der Corona-Ausbreitung warnt der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, vor weiteren derartigen Zyklen: "Wenn das Verringern der Kontakte und das Impfen nicht intensiv gelingt, werden wir nach den jetzigen Modellierungen auch noch eine fünfte Welle bekommen", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Es sei bitter, dass sich bisher nicht mehr Menschen für diesen eigentlich leichten Schritt entschieden hätten.

"Der weitere Verlauf des Winters hängt stark davon ab, was jetzt geschieht", sagte Wieler. Es gelte, an zwei Stellschrauben zu drehen, machte der Mikrobiologe und Tiermediziner deutlich. "Es muss jetzt rasch dafür gesorgt werden, dass flächendeckend in Deutschland die Kontakte der Menschen eingeschränkt werden."

Er betont schon seit Tagen, dass große Feiern, Großveranstaltungen und große Menschenansammlungen in Innenräumen vermieden werden sollten. "Die Auswirkungen davon würde man nach zwei Wochen an den Infektionszahlen sehen."

"Sehr spät, wenn nicht zu spät"

Wieler sprach sich für vorbeugendes Handeln aus, auch in vergleichsweise bisher nicht ganz so stark betroffenen Bundesländern: "In den Bundesländern, in denen die Zahlen jetzt noch niedrig sind, haben wir mit Kontaktbeschränkungen die Chance, die Zahlen auch niedrig zu halten. Dort, wo die Zahlen hoch sind, ist es eigentlich sehr spät, wenn nicht zu spät", sagte er. Den "fulminanten Verlauf" zu brechen, sei bei niedrigen Zahlen einfacher.

"Das Zweite, was wir jetzt machen müssen, ist: die Impfaktivitäten massiv steigern", sagte Wieler. Dies wirke sich jedoch nicht so schnell auf die Fallzahlen aus wie das Verringern von Kontakten: "Die Auswirkungen davon würde man in drei bis fünf Wochen sehen, das Impfen wirkt mittelfristig."

Auch die Ständige Impfkommission (STIKO) hatte deutlich gemacht, dass für Effekte auf die Ausbreitungsdynamik hohe Booster-Impfquoten erreicht sein müssten.

Impfung - Schutz vor schwerer Erkrankung

"Der Impfstoff ist der Weg aus der Pandemie", sagte Wieler. "Aber es ist deshalb nicht so, dass andere Maßnahmen völlig vernachlässigt werden können." Das sei nicht einfach zu kommunizieren. Die Impfung vermittele einen sehr, sehr hohen Schutz. "Was von manchen Menschen vielleicht nicht so ganz verstanden wird, ist, dass es keinen hundertprozentigen Schutz gibt und dass der Schutz vor Infektion nicht so hoch ist wie der vor schwerer Erkrankung."

Auch der STIKO-Vorsitzende Thomas Mertens hält eine fünfte Welle für möglich. "Es ist damit zu rechnen, dass es auch im Winter 2022 eine fünfte Welle geben wird", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Wie stark diese ausfällt, hängt maßgeblich davon ab, wie viele Menschen sich impfen und boostern lassen."

Das RKI strebt seit Berechnungen vom Sommer hohe Impfziele an: mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 Jahren sollten demnach vollständig geimpft sein.

Söder: Zur Not mit Impfpflicht aus "Endlosschleife"

Unterdessen geht die Debatte um eine Impfpflicht weiter. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte in den tagesthemen, die entscheidende Frage sei, wie man aus der "Endlosschleife" in Sachen Corona herauskomme: "Und deswegen müssen wir ähnlich wie in Österreich ab Februar darüber reden, ob wir nicht auch für die zweite Jahreshälfte nächsten Jahres dann eine allgemeine Impfpflicht haben", so der CSU-Chef.

Wenn sämtliche Impfanreize nicht funktionierten, dann müsse am Ende "zu anderen und nachhaltigeren Möglichkeiten" gegriffen werden.

SPD und FDP gegen Impfpflicht

Widerspruch für diese Position kommt von den möglichen Ampel-Koalitionären: "Die allgemeine Impfpflicht als Drohkulisse in den Raum zu stellen, hilft niemandem. Gerade die Länder mit dramatischen Corona-Zahlen sollten sich darauf konzentrieren, wie vereinbart die Impfangebote auszuweiten und die neuen Corona-Maßnahmen umzusetzen", sagte die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus der "Bild".

Der geschäftsführende Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte im TV-Sender Bild Live zur Impfpflicht: "Die wird's nicht geben. Weil wir es nicht für notwendig halten, weil wir es auch aus verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten für schwierig halten."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. November 2021 um 09:00 Uhr.

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