Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts | dpa

Daten des RKI Keine exakten Angaben zur Impfquote

Stand: 15.10.2021 06:49 Uhr

Wie hoch ist die aktuelle Impfquote in Deutschland? Diese Frage könne das RKI bis heute nicht genau beantworten, gab Institutschef Wieler zu. Schuld sei jedoch nicht das RKI selbst, sondern das Meldesystem.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat eingeräumt, dass exakte Angaben zur aktuellen Impfquote bis heute nicht möglich seien. "Wir können nicht sagen, wie hoch die tatsächliche Quote jetzt, Mitte Oktober, ist", sagt Wieler den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die letzte RKI-Schätzung sei mittlerweile zwei Wochen alt. "Wir können nur sagen, dass bis Ende September bis zu 84 Prozent der Erwachsenen mindestens einmal geimpft wurden und bis zu 80 Prozent vollständig."

Ein RKI-Bericht, wonach unter Erwachsenen vermutlich mehr Menschen geimpft seien, als offizielle Daten nahelegen, hatte vergangene Woche für Wirbel gesorgt. Wieler verteidigte das RKI gegen Kritik. Er teile den Ärger über die Meldeprobleme, doch sei dafür nicht sein Institut verantwortlich. Man sei bei der Ermittlung der Impfquote auf das sogenannte Digitale Impfquotenmonitoring (DIM) angewiesen. Die Anwendung und Zuverlässigkeit dieses Meldesystems liege "ausschließlich in der Hand der impfenden Stellen (Impfzentren, Impfteams, Krankenhäuser, Arztpraxen, Betriebsärzte)".

Wieler kritisiert in diesem Zusammenhang das schleppende Tempo bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens. "Es liegt an Ressourcen, an den vielen unterschiedlichen Abrechnungssystemen, den unterschiedlichen Interessen von Ärzten, Kassen und Kliniken, aber auch am Datenschutz."

Die offiziell gemeldeten Daten seien die Mindestimpfquote, sagte der RKI-Chef. Mit dem Einstieg der niedergelassenen Ärzte beim Impfen könne man die Impfquote nicht mehr so genau erfassen wie in den Impfzentren.

Wieler bekommt Morddrohungen

Gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe eröffnete Wieler zudem, dass er sich massiven Bedrohungen ausgesetzt sieht. "Ich wünschte, die Lage wäre angenehmer, aber ich bekomme immer noch Drohungen", sagte der RKI-Chef. Wenn etwa öffentlich behauptet werde, er sei dafür verantwortlich, dass Schulen geschlossen würden, oder wenn irgendwo die Behauptung stehe, er wolle Lockdown statt Freiheit, "dann nehmen die Drohungen, auch die Morddrohungen, massiv zu".

Das hindere ihn aber nicht an seiner Arbeit. "Das Risiko hält mich aber nicht ab von meiner Pflicht. Solange ich Beamter dieses Staates bin, werde ich ihm verantwortungsvoll dienen", sagte Wieler.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 14. Oktober 2021 um 05:38 Uhr.