Wibke Bruhns | Bildquelle: picture-alliance / dpa

ZDF-Nachrichtensprecherin Trauer um Wibke Bruhns

Stand: 21.06.2019 15:32 Uhr

Als erste Frau präsentierte Wibke Bruhns am 12. Mai 1971 Nachrichten im bundesdeutschen Fernsehen - in der ZDF-Sendung "heute". Nun starb die Journalistin im Alter von 80 Jahren.

Die erste Nachrichtenmoderatorin des ZDF, Wibke Bruhns, ist am Donnerstagabend im Alter von 80 Jahren gestorben. Dies habe die Familie dem ZDF bestätigt, erklärte der Sender. Die 1938 in Halberstadt geborene Journalistin war im Jahr 1971 die erste Frau, die eine Nachrichtensendung im westdeutschen Fernsehen präsentierte. In der DDR war dies seit 1963 der Fall. Der ZDF-Chefredakteur Peter Frey würdigte die Verstorbene als "eine Frau mit Haltung und dem Mut einer Pionierin".

Als Tochter einer Diplomatin wuchs Bruhns unter anderem in Stockholm, London und Kopenhagen auf. Nach dem Abbruch ihres Studiums der Geschichte und Politikwissenschaft begann sie im Jahr 1960 ein Volontariat bei der "Bild". Ihre Ausbildung dort brach sie nach dem DDR-Mauerbau 1961 jedoch wegen Vorbehalten gegen die Boulevardzeitung ab und arbeitete daraufhin als freie Mitarbeiterin für den NDR, das ZDF und die "Zeit".

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Wibke Bruhns war auch für NDR, WDR und SWF und als Buchautorin tätig.

Nahostkorrespondentin für den "Stern"

Am 12. Mai 1971 hatte Bruhns ihren ersten Auftritt in der Spätausgabe der ZDF-Sendung "heute", am 24. Mai in der Hauptnachrichtensendung - damals eine Sensation in dem von Männern dominierten bundesdeutschen Fernsehen. Zwei Jahre blieb die Journalistin beim ZDF und beendete damit ein "schwachsinniges" Männermonopol, wie sie es später nannte. Schlecht bezahlt gewesen sei die Arbeit als Nachrichtensprecherin, sagte sie später. Und es habe ihr auch nicht gelegen, Texte anderer Leute vorzulesen.

Als Journalistin und Autorin war Bruhns daraufhin für verschiedene Fernsehsender tätig, darunter WDR, NDR und SWF. Von 1974 an schrieb sie für den "Stern" und ging später als Korrespondentin der Zeitschrift nach Israel und in die USA. Eine "Geo"-Reportage über das Vietnam-Denkmal in der US-Hauptstadt brachte ihr den renommierten Egon-Erwin-Kisch-Preis ein. Nach einem Ausflug zum Privatsender Vox, wo sie wieder Nachrichten präsentierte, wurde Bruhns 1995 Leiterin der Kulturredaktion beim Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB). Im Februar 2000 wurde sie Sprecherin der Expo 2000 in Hannover und nach der Weltausstellung wieder freie Autorin.

Buch über den Vater

Anfang der 1970er-Jahre engagierte sich Bruhns im Wahlkampf für die SPD, was auch eine öffentliche Debatte über ihre politische Neutralität als Journalistin zu Folge hatte. So verärgert war die CDU, dass sie zeitweise ihre Verbannung vom Bildschirm forderte.

2004 legte Bruhns mit dem Titel "Meines Vaters Land" ein vielbeachtetes Buch über ihren Vater Hans-Georg Klamroth vor, ein Mitwisser des gescheiterten Hitler-Attentates vom 20. Juli. Er wurde 1944 hingerichtet, als Wibke Bruhns sechs Jahre alt war. Die beruflichen und privaten Erinnerungen an ihr Leben hielt sie 2012 in ihrem Buch "Nachrichtenzeit" fest.

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In ihrem Buch "Nachrichtenzeit" hielt Wibke Bruhns ihre Lebenserinnerungen fest.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Juni 2019 um 13:45 Uhr.

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