Die Wettervorhersage der Tagesschau

60 Jahre tagesschau-Wetterkarte "Die beliebteste Minute im deutschen Fernsehen"

Stand: 26.02.2020 11:37 Uhr

Was wäre die tagesschau ohne das Wetter? Seit 60 Jahren wird die Wetterkarte vom Hessischen Rundfunk in Frankfurt erstellt. Die wichtigsten Meilensteine der Entwicklung:

Von Joscha Bartlitz, HR

Im Juni 2005, als es die berühmte "Wetterkarte" in der 20-Uhr-tagesschau bereits seit 45 Jahren gab, herrschte große Aufregung. Nach einer Designänderung war die oben links eingeblendete Zeituhr im sonst so verlässlichen Wolkenfilm verschwunden. Die Zuschauer konnten also nicht mehr sehen, zu welcher exakten Uhrzeit es bei ihnen regnete, stürmte oder vielleicht sogar schneite.

Ein Gewitter in der Hochburg

"Das war der größte Shitstorm, den ich je erlebt habe", sagt Silke Hansen, Leiterin der ARD-Wetterredaktion beim Hessischen Rundfunk (HR) in Frankfurt. Es war ein kleines Gewitter in der seit 60 Jahren sonst so verlässlichen Hochburg der deutschen Wettervorhersage. Um es zu beenden, kehrte die Uhr schnell wieder zurück. Das Wetter gegen Viertel nach acht in der ARD sei seit Jahrzehnten das "Sinnbild der Verlässlichkeit", wie Hansen stolz betont.

In den 1950er-Jahren zeichneten Meteorologen wie Heinrich Kruhl vom Deutschen Seewetteramt in Hamburg noch Messwerte und Wolkenverläufe mit dicken Kohlestiften auf klassische Wettertafeln aus Schiefer. Als die Zuständigkeit zum Deutschen Wetterdienst (DWD) nach Offenbach und die Ausstrahlung zum Hessischen Rundfunk nach Frankfurt wechselte, feierte die erste "Wetterkarte" ihre Premiere in der tagesschau.

Die Wettervorhersage der Tagesschau
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1960 wurden Pappvorlagen für das Wetter abfotografiert, daraus entstand dann der Wetterfilm.

Am 1. März 1960 lief sie erstmals unter dem Titel "Das Wetter morgen". "Das war richtiger Trickfilm", erzählt HR-Grafiker Matthias Peinelt noch heute mit großen Augen. Handgezeichnete Pappvorlagen wurden dafür mit einer 16-mm-Trickkamera nacheinander abfotografiert. Aus vielen einzelnen Wetter-Bildern entstand dann der Wetterfilm. Was dort gesagt wurde, sei für die Leute gesetzt gewesen, deswegen habe es Zuschauer-Zuschriften "ohne Ende" gegeben, so Peinelt.

Der Sprecher-Text sei lange sehr wissenschaftlich gewesen, erklärt Hansen. Das habe sich aber geändert. Früher war zum Beispiel von der "Vorderseite des über Ost-Frankreich liegenden Störungsausläufers" die Rede - "heute sagen wir einfach, dass es regnet", sagt Hansen. Der nüchterne, sachliche Stil des tagesschau-Wetterberichts aber ist geblieben.

Vorhersage stimmt zu 95 Prozent

Seit dem 1. Januar 2020 kommt das ARD-Wetter aus dem neuen, hochmodernen "Wetterkompetenzzentrum" des Hessischen Rundfunks. Von dort aus fließen die Informationen an alle Landesrundfunkanstalten noch schneller und besser.

Noch immer sei der Wetterbericht in der 20-Uhr-tagesschau "die beliebteste Minute im deutschen Fernsehen", strahlt Hansen. Das liege auch an einer Zuverlässigkeit der Wettervorhersage von rund 95 Prozent. Hansen fasst die Entwicklung von 60 Jahren Wetterkarte in ihrem Buch "… und jetzt das Wetter" zusammen. Und nicht nur Grafiker Matthias Peinelt findet: "Die Wetterkarte, das ist ein Stück Fernsehgeschichte."

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