Die Sonne geht über den Feldern am Stadtrand von Frankfurt am Main (Hessen) auf. | Bildquelle: AP

Wetter in Deutschland 2020 war zweitwärmstes Jahr

Stand: 30.12.2020 11:55 Uhr

Durchschnittlich mehr als zwei Grad zu warm war es 2020 in Deutschland. "Alarmierend", findet das der Deutsche Wetterdienst. Am wärmsten war es in zwei Großstädten.

Von Sebastian Kisters, HR

Zu wenig Regen, überdurchschnittlich warm, überdurchschnittlich sonnig: Die Wetterbilanz des Deutschen Wetterdienstes für das Jahr 2020 klingt erst einmal gut. Mancher Tourismus-Region bescherte dieses Jahr ein Traumwetter. "Für uns hätte es nicht besser laufen können", sagt Winzer Lars Reifert. Gleich neben seinem Weinberg am Geiseltalsee in Sachsen-Anhalt betreibt er einen Weinausschank im Freien. Bis in den Herbst hinein kamen viele Besucher. Der Campingplatz am Seeufer gegenüber war bei bestem Wetter wochenlang ausgebucht. So weit, so schön.

Binnenschiffer auf den Flüssen hätten sich dagegen Regen gewünscht, vor allem zu Beginn des Jahres. Bereits im April konnten Schiffe auf dem Rhein nicht voll beladen werden. "In trockenen Jahren kam es eigentlich immer erst im Herbst zu Niedrigwasser. Diese Gesetzmäßigkeit ist seit etwa zehn Jahren ausgehebelt", beobachtet Martin Staats, Vorstand des Bundesverbandes der deutschen Binnenschifffahrt.

Wetter 2020: Deutschland das 10. Jahr in Folge zu warm
tagesschau 20:00 Uhr, 30.12.2020, Sebastian Kisters, HR

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Frühjahr und Sommer - deutlich zu trocken

Nur 30 Prozent des üblichen Niederschlags gab es im April. Auch viele Gartenbesitzer dürften das bemerkt haben. "Wir hatten extreme Niederschlags-Defizite vor allem im Frühjahr und Sommer. Und das sind die Phasen, wo die Vegetation besonders empfindlich ist für Trockenheit", sagt Tim Staeger, Meteorologe im ARD-Wetter-Kompetenzzentrum in Frankfurt am Main.

Vor allem die Wälder leiden vielerorts. Durch Wassermangel konnten Nadelbäume wenig Harz herstellen. Das brauchen sie, um Borkenkäfer abzuwehren. Denn die bohren Löcher in die Rinden. Die Folge der Trockenheit: sterbende Bäume, große Brachflächen, wo jahrzehntelang Baum an Baum stand. Fachleute gehen davon aus, dass deutschlandweit 285.000 Hektar Wald wieder aufgeforstet werden müssen. Das ist eine Fläche größer als das Saarland.

Platz 2 - hinter 2018

2020 war nicht nur zu trocken, sondern vor allem auch zu warm. Mit einer Durchschnittstemperatur von 10,4 Grad ist dieses Jahr das zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Nur 2018 war es mit 10,5 Grad wärmer in Deutschland.

8,2 Grad gilt als normal, ermittelt wurde dieser Wert - das sogenannte vieljährige Mittel - in den Jahren 1961 bis 1990. Zuletzt gab es immer wieder Durchschnittswerte über 10 Grad. "Deutschlandweit sind die fünf wärmsten Jahre alle nach 2013 aufgetreten. Das ist ein deutliches Anzeichen, dass sich der Klimawandel auch in Deutschland vollzieht", sagt Meteorologe Staeger.

Der Trend sei global. "Mit einer Abweichung von über fünf Grad hat sich vor allem die Arktis extrem erwärmt in diesem Jahr. Das globale Mittel wird 2020 vermutlich einen Rekord aufstellen."

Heißester Ort war ....

In Deutschland ist der Wandel vor allem in den Großstädten zu spüren. Mit einer Durchschnittstemperatur von 12,8 Grad ist Köln in diesem Jahr wärmster Ort Deutschlands, gefolgt von Frankfurt am Main mit 12,6 Grad. Belastend: In den Ballungsräumen speichern Beton und Asphalt im Sommer die Wärme auch nachts. Bewohner der Innenstädte spüren, dass es häufig kaum abkühlt.

Die Geschichte "Schlaflos in…" könnte im Sommer in zahlreichen Großstädten erzählt werden. Viele Städte reagieren. Frankfurt etwa zahlt bis zu 50 Prozent der Kosten, wenn Menschen ihre Dächer oder Fassaden begrünen, damit weniger Wärme gespeichert werden kann. Die Geographin Lara Mohr leitet das Projekt "Frankfurt frischt auf". Sie sagt: "Insbesondere in den letzten sehr, sehr heißen und trockenen Jahren hat es Klick gemacht. Wir müssen was tun und die Klimawandel-Anpassung ist ein wichtiges Thema in der Stadtplanung."

Bei strahlendem Sonnenschein spaziert eine Frau durch die herbstliche Landschaft bei Kaufbeuren (Schwaben). | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Die meisten Sonnenstunden gab es im Jahr 2020 in Kaufbeuren.

Baden-Württemberg, Stuttgart: Besucher des Kurparks genieߟen die Sonne und den Ausblick auf Bad Cannstatt. | Bildquelle: dpa
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Auch in Stuttgart konnten die Menschen die Sonne reichlich genießen.

Kampf dem Klimawandel

Tobias Fuchs, Klima-Vorstand des Deutschen Wetterdienstes, fordert jedoch, auch die Ursachen der Erwärmung zu stoppen: "Das sehr warme Jahr 2020 darf uns nicht kalt lassen. Die wissenschaftlichen Klimafakten des nationalen Wetterdienstes sind alarmierend. Klimaschutz ist das Gebot der Stunde. Wir müssen jetzt handeln."

Sonnigster Ort Deutschlands 2020 wird voraussichtlich Kaufbeuren. Die bayerische Stadt hat gemeinsam mit dem Landkreis Ostallgäu bereits ein "Klimaanpassungskonzept".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.

Korrespondent

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