Zügen stehen in der Nähe des Dortmunder Hauptbahnhofes | AFP

Schnee und Eisregen Wintereinbruch sorgt für Verkehrschaos

Stand: 07.02.2021 16:43 Uhr

Heftiger Schneefall, Eisregen und starker Wind haben in Teilen Deutschlands zu Verkehrsbehinderungen geführt. Viele Züge fahren nicht, es gab Hunderte Unfälle. Verkehrsminister Scheuer rät, auch am Montag zu Hause zu bleiben.

Vor allem in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen hat der Wintereinbruch zu vielen Verkehrsunfällen und Ausfällen im Nah- und Fernverkehr geführt. Nach Polizeiangaben gab es allein in NRW seit Samstagnachmittag 222 Unfälle aufgrund des Wetters. Dabei seien zwei Menschen schwer und 26 leicht verletzt worden.

Viele Straßen gesperrt

In NRW sorgten heftige Schneeverwehungen für Probleme auf den Autobahnen. Einige Strecken waren gesperrt, anderswo ging es langsam voran. Weil starker Wind immer neuen Schnee auf die Fahrbahn wehte, kamen die Räumfahrzeuge nicht hinterher. Auf vielen Autobahnen, vor allem im Münsterland, in Ostwestfalen und im Ruhrgebiet, kam es nach Angaben der Verkehrszentrale NRW zu Staus und Verzögerungen. In Wuppertal blieb die Schwebebahn stehen. Die Feuerwehr befreite sechs Menschen aus einem Wagen.

Auch der Sport in NRW ist von dem Wintereinbruch betroffen: Die Bundesliga-Partie zwischen Bielefeld und Bremen wurde abgesagt. Der verschneite Platz in der Bielefelder Arena sei nicht bespielbar, teilte die Deutsche Fußball Liga mit.

In Niedersachsen gab es ebenfalls heftigen Schneefall. Die Autobahnpolizei teilte mit, dass die Nacht trotzdem relativ ruhig verlaufen sei. Die Räum- und Streufahrzeuge der Autobahnmeistereien seien im südlichen Niedersachsen verstärkt im Einsatz. In Sachsen-Anhalt kam es auf zahlreichen Straßen zu Sperrungen.

Zugausfälle bei der Bahn

Im Fernverkehr der Bahn kommt es wegen der heftigen Schneefälle zu größeren Einschränkungen. Züge verkehrten derzeit nicht zwischen Hamburg und Nordrhein-Westfalen sowie Hamburg und Hannover, teilte die Deutsche Bahn mit. Zwischen Hamburg und Berlin komme es zu Einschränkungen. Ebenfalls nicht vom Fernverkehr angefahren werde die Region Leipzig/Halle. Die verschärfte Wetterlage sorge außerdem im Bahnknoten Erfurt für Einschränkungen.

Wie die Deutsche Bahn mitteilte, ist zudem der Fernverkehr zwischen Berlin und Frankfurt am Main über Braunschweig/Kassel bis auf Weiteres eingestellt, gleiches gelte für die Abschnitte zwischen Berlin, Hannover und Dortmund/Köln. Auch zwischen Hamburg und Kiel, Hamburg und Lübeck sowie Hamburg und Westerland fahren derzeit keine Züge.

Auf der Verbindung Halle/Leipzig/Magdeburg komme es weiter zu Ausfällen der Fernverkehrslinien, so die Bahn. Auch der Fernverkehr zwischen Deutschland und den Niederlanden wurde bis auf Weiteres eingestellt.

Deutsche Bahn: Situation an den Bahnhöfen ruhig

Schon im Vorfeld hatte die Deutsche Bahn witterungsbedingt mehrere Fernverbindungen im Norden Deutschlands abgesagt, unter anderem auch die Intercitys von Bremen nach Norddeich Mole. Auf der Strecke zwischen Hamburg über Rostock bis nach Binz auf der Insel Rügen wird der Zugverkehr stark eingeschränkt. Intercity-Züge sollen nur vereinzelt fahren.

Nach Angaben der Deutschen Bahn ist die Situation an den Bahnhöfen aber ruhig. Die meisten Menschen hätten sich an die Empfehlung des Deutschen Wetterdienstes gehalten und seien zu Hause geblieben.

Einschränkungen im Regionalverkehr

In vielen Bundesländern kommt es zu Einschränkungen im Regionalverkehr. In Niedersachsen, NRW, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen sei der Zugverkehr durch starken Schneefall beeinträchtigt, teilte die Deutsche Bahn mit. In Niedersachsen fallen mehrere Regionalverbindungen aus, wie der regionale Bahnbetreiber "Metronom" bekannt gab.

In Sachsen-Anhalt hat das Bahnunternehmen "Abellio Rail Mitteldeutschland" den Zugverkehr vorübergehend gestoppt. Betroffen sind den Angaben zufolge die Strecken von Halle, Dessau und Magdeburg in Richtung Bernburg, Aschersleben und Halberstadt sowie die gesamte Harzregion. Schienenersatzverkehr könne wegen der Verwehungen nicht angeboten werden, teilte der Bahnbetreiber mit. In NRW stellten mehrere Städte und Kreise sogar den Busverkehr komplett ein - etwa Münster und Dortmund.

Übernachtungsmöglichkeiten für gestrandete Reisende

In mehreren Städten hat die Bahn Übernachtungsmöglichkeiten für gestrandete Reisende organisiert. Auf diese Weise sei man etwa in Hamburg, Hannover, Dortmund, Münster, Halle, Leipzig und Kassel vorbereitet, falls Kunden ihr Reiseziel mit dem Zug nicht mehr erreichen könnten, sagte eine Sprecherin. Auch das Servicepersonal an den Bahnhöfen sei verstärkt worden. Außerdem wolle man Reisenden mit Taxigutscheinen helfen, ihr Ziel womöglich doch noch zu erreichen.

Nach Einschätzung der Bahn wird der Nah- und Fernverkehr auch am Montag wegen der starken Schneefälle und des heftigen Windes deutlich eingeschränkt sein. Wer am Wochenende oder am Montag von Ausfällen betroffen ist oder die Fahrt verschieben muss, kann bereits gebuchte Tickets bis einschließlich sieben Tage nach Störungsende flexibel nutzen oder kostenfrei stornieren. Informationen zu Verbindungen und Zugausfällen erteilt die Bahn auf ihrer Internetseite, per App oder telefonisch unter 0180/6996633.

"Der Schneesturm ist noch nicht vorbei"

Bis zu 32 Zentimeter Neuschnee, Windböen von bis zu 80 Kilometern pro Stunde und meterhohe Verwehungen brachte der Wintereinbruch mit sich. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist der Schneesturm damit jedoch noch nicht ausgestanden. "Der Schneesturm ist noch nicht vorbei", sagte Meteorologe Simon Trippler. Mit fünf bis zehn Zentimetern Schnee, lokal auch bis zu 20 Zentimetern, müsse im Laufe des Tages noch gerechnet werden.

Der Wind halte auch weiterhin an mit Sturmböen von bis zu 70 Kilometern pro Stunde, so Trippler. Der Norden von NRW, das südliche Niedersachsen, das nördliche Thüringen und Sachsen-Anhalt seien in den nächsten Stunden besonders betroffen. In der Nacht werde es im Norden Bayerns, im Süden Thüringens und in Südwest-Sachsen schneien. Für das nördliche NRW rechnet der Wetterdienst jedoch mit einem Ende der Unwetterlage gegen 21 Uhr.

Scheuer: Auch am Montag lieber zu Hause bleiben

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer riet den vom Schneechaos betroffenen Menschen, am Wochenbeginn besser zu Hause zu bleiben. Man könne nicht garantieren, im Laufe des Montags den Bahnverkehr wieder zum Laufen zu bekommen, sagte der CSU-Politiker nach einer Lagebesprechung dem Internetangebot "Bild live".

Das Thema Glatteis werde weniger, aber der Schnee höre nicht auf. Der Wind mache "megamäßig" Probleme, vor allem mit Schneeverwehungen. Betroffen seien auch die Autobahnen und die Bahn. Das heiße, in Absprache mit dem Arbeitgeber "lieber zu Hause bleiben", so der Minister.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Februar 2021 um 09:00 Uhr.