Schnee am Großen Arber im Bayerischen Wald | Bildquelle: dpa

Winter-Wetterbilanz Rekorde - nicht nur beim Schnee

Stand: 27.02.2019 17:33 Uhr

Meterhoher Schnee, Lawinen, von der Außenwelt abgeschnittene Dörfer: Das waren die Wettermeldungen, die den Winter beherrschten. Dabei hatten die Wintermonate noch ganz andere Rekorde zu bieten - vor allem der Februar.

In Bayern türmten sich die Schneemassen, wochenlang beherrschten Lawinengefahr und Schneelast auf den Dächern die Schlagzeilen - und dennoch: Der zu Ende gehende Winter war in Deutschland überdurchschnittlich warm und sonnig. Für die Monate Dezember, Januar und Februar lag die bundesweite Durchschnittstemperatur bei 2,8 Grad, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mitteilte. Dies seien 2,6 Grad mehr als der Durchschnittswert des offiziellen Vergleichszeitraums von 1961 bis 1990.

Auch gegenüber dem Mittel der Referenzperiode von 1981 bis 2010 ist der diesjährige Durchschnittswert um 1,9 Grad wärmer. "Damit landete auch der Winter 2018/19 mit unter den wärmsten seit Beginn regelmäßiger Messungen im Jahr 1881", so die Meteorologen. Etwa im Schnitt 200 Stunden lang schien in diesem Winter nach Angaben der Experten die Sonne. Das seien rund 29 Prozent mehr Sonnenschein als sonst im langjährigen Schnitt.

Sonnigster Februar seit Beginn der Aufzeichnungen

Daran hatte auch der fast vergangene und außergewöhnlich sommerliche Februar seinen Anteil. Laut dem DWD war er der sonnenscheinreichste seit Beginn der Aufzeichnungen in Deutschland 1951. "Mit rund 130 Stunden kam der Februar 2019 auf beeindruckende 179 Prozent seines Solls von 73 Stunden." Damit überbot der Monat - hochgerechnet aufs Monatesende - wohl knapp den Februar 2003, der bisher mit 129 Stunden an der Spitze der Statistik gelegen hatte.

Alle drei Wintermonate lagen laut DWD über dem Temperaturdurchschnitt. Sehr milde Luft, meist vom Atlantik, ließ bereits im Dezember mit Werten von mehr als 10 Grand Frühlingsstimmung aufkommen. Nach einem eher nasskalten Januar folgten im Februar dann zahlreiche Hochdruckgebiete, aber auch heftige Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht: Während Autofahrer morgens nach Minuswerten in der Nacht ihre Scheiben freikratzen mussten, lagen die Werte tagsüber vor allem in der zweiten Monatshälfte deutlich über 15 Grad.

"In Kaiserslautern verzeichnete man am 26. (Februar) fast schon sommerliche 21,3 Grad", so der DWD. Viele Stationen in Deutschland meldeten neue Februar-Rekorde. Am meisten habe die Sonne in Baden-Württemberg mit örtlich über 175 Stunden geschienen - am wenigsten in Vorpommern mit gebietsweise unter 90 Stunden.

Rekordwerte auch beim Schnee

Und noch etwas ist mit Blick auf die vergangenen Monate auffällig: Der Februar ist laut DWD seit April 2018 der elfte Monat in Folge, in dem die Sonnenscheindauer deutlich über dem vieljährigen Schnitt lag. Dies alles seien weitere Fakten, die in das Bild des Klimawandels passten, so DWD-Meteorologe Gerhard Lux. "Die trocken-warmen Perioden scheinen in ihrer Länge zuzunehmen." Mit Blick auf die Winterbilanz könne man jedoch keinen Zusammenhang zum vergangenen Jahrhundertsommer herstellen. "Jeder Sommer und jeder Winter stehen für sich und haben nichts miteinander zu tun."

Etwa im Schnitt 200 Stunden lang schien in diesem Winter nach Angaben der Experten die Sonne. Das seien rund 29 Prozent mehr Sonnenschein als sonst im langjährigen Schnitt. Am sonnenverwöhntesten waren die Menschen vom Hochrhein bis ins Allgäu mit örtlich mehr als 280 Stunden.

Einsatzkräfte schaufeln in Balderschwang ein verschüttetes Hotel frei | Bildquelle: dpa
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In Bayern gab es wegen des massiven Schneefalls wochenlang Probleme. In Balderschwang mussten Einsatzkräfte ein verschüttetes Hotel freischaufeln.

Nach der historischen Dürre im Sommer brachte überdurchschnittlicher Niederschlag der Natur Erleichterung: Mit rund 210 Litern pro Quadratmeter überstieg die Niederschlagsmenge den Durchschnittswert von 181 Litern pro Quadratmeter um 17 Prozent. Betrachtet man die einzelnen Länder, war das Saarland das mit Abstand niederschlagsreichste, aber auch das sonnenscheinreichste Bundesland des Winters.

Und dann waren da eben noch trotz des milden Winters die Schneemassen in Sachsen und Bayern: "Stellenweise wurden Rekorde gebrochen, die bis 1948 zurückreichen", so die Wetterforscher. Auch die Zugspitze habe mit 974,8 Litern Schneefall pro Quadratmeter einen neuen Winterrekord gemeldet. Selbst abseits der Gipfel habe man zeitweise über zwei Meter Schnee messen können. Die DWD-Bilanz basiert auf einer ersten Auswertung von Ergebnissen der rund 2000 Messstationen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. Februar 2019 um 22:15 Uhr.

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