Dunkle Wolken sind über einem Maisfeld zu sehen.

Situation in den Flutgebieten Der sorgenvolle Blick aufs Wetter

Stand: 24.07.2021 17:35 Uhr

In mehreren von der Flut betroffenen Gebieten hat wieder Regen eingesetzt - in der Hochwasserregion in Rheinland-Pfalz wurde eine Notunterkunft eingerichtet. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Unwettern.

Nach den verheerenden Überflutungen blicken die Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mit Sorge auf die Wetterprognosen. Örtlich hat bereits wieder Regen eingesetzt.

Meteorologen erwarten allerdings nicht so starken Regen wie in der vergangenen Woche. Aber durch die bestehenden Schäden in den betroffenen Gebieten könnten auch vergleichsweise geringe Regenmengen gefährlich werden.

"Ich habe im Augenblick keine Hinweise darauf, dass Wassermengen drohen wie das der Fall gewesen ist", sagte der Innenminister von Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz (SPD), in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dennoch trifft der Krisenstab Vorkehrungen. Rückzugsmöglichkeiten für die Bevölkerung sind laut Lewentz ebenso vorbereitet wie mögliche Lautsprecherdurchsagen für Warnungen. Man beobachte die Meldesituation "ganz, ganz aufmerksam", ergänzte er.

Warnung vor Unwettern und Sturmböen

Der Deutsche Wetterdienst hat für Samstagabend und die Nacht zum Sonntag vor weiteren Unwettern mit Hagel und Sturmböen gewarnt. Am Alpenrand sowie im Westen von Rheinland-Pfalz und im Saarland könnten "kräftige Gewitter aufziehen", teilte der Dienst mit. Zugleich seien dort schwere Sturmböen möglich.

In der Region Ostwestfalen könne es ebenfalls zu neuen Unwettern kommen. Eine akute Hochwassergefahr bestehe nicht.

Am Sonntag könne es dann in ganz Deutschland zu kräftigen Gewittern kommen, teilte der Wetterdienst weiter mit. Im Westen Deutschlands müsse gebietsweise mit "mehrstündigem Starkregen" gerechnet werden.

Eine Unwettergefahr gebe es auch erneut in Bayern, wo am Nachmittag bereits örtlich Gewitter und auftraten und Regenschauer niedergingen. Der Schwerpunkt soll demnach an den Alpen und dem südlichen Alpenvorland liegen.

Aufgrund starker Regenfälle könne es örtlich zu Überschwemmungen kommen, hieß es. An einigen Flüssen sei ein Erreichen der Meldestufen nicht auszuschließen, teilte der Hochwassernachrichtendienst Bayern mit. Dort seien auch extreme Sturzfluten möglich. In der Nacht zum Montag sollen die Unwetter nachlassen.

Notunterkunft eingerichtet

Die Leiterin des Katastrophenschutzstabs in Rheinland-Pfalz, Begona Hermann, sagte, den besonders betroffenen Kommunen sei wegen zu erwartenden Niederschlägen ein Evakuierungsangebot gemacht worden. In den gefährdeten Gebieten Schuld, Insul, Dümpelfeld und Bad Neuenahr sollen die Menschen demnach mit Shuttlebussen zu einer Notunterkunft in Leimersdorf gebracht werden können.

"Das entscheiden dann die Menschen selbst", so Hermann, denn die Wetterlage sei nicht so verschärft wie in der vergangenen Woche. "Aber wir haben eine nicht mehr funktionierende Kanalisation." Daher würden sich die Regenfälle anders auswirken als noch vor zehn Tagen.

Bewohner des Ahrgebiets wurden informiert

Auch Nordrhein-Westfalen rüstet sich für mögliche neue Starkregenfälle. Per Erlass des NRW-Innenministeriums würden die Leitstellen von Feuerwehr und Polizei nochmals besonders für die Wetterlage sensibilisiert, teilte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur dpa mit. "Die Arbeit in den Krisenstäben der Städte und Kreise wird auch am Wochenende fortgesetzt, um die Lage vor Ort zu koordinieren. Gleiches gilt für die Koordinierungsgruppe des Krisenstabs im Innenministerium."

Nach einer aktuellen Gefahrenabschätzung für das Ahrgebiet in Nordrhein-Westfalen durch den Katastrophenschutz besteht derzeit keine akute Hochwassergefahr für die Ahr. Dennoch sei bei Niederschlag mit verstärktem Oberflächenwasser insbesondere in den Orten zu rechnen, in denen Teile der Kanalisation zerstört oder verstopft sind. Dadurch könnten erneut Keller vollaufen.

Sollte sich die Lage verschärfen, hat der Katastrophenschutz vor Ort für Notunterkünfte für alle Einwohnerinnen und Einwohner gesorgt. "Die Bevölkerung wird in den Sozialen Medien noch einmal gewarnt und es werden Flugblätter verteilt", sagte ein Sprecher am Morgen.

"Vollkommen andere Wetterlage"

ARD-Wettexperte Stephan Laps riet den Menschen in den betroffenen Gebieten den Regenradar zu beobachten, vorsichtig zu sein und auf Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes zu achten. Bei roten Warnungen sollten die Menschen darauf verzichten, in den Keller zu gehen, sondern sich lieber ein Stockwerk höher begeben.

Man habe es aber mit einer "vollkommen anderen Wetterlage zu tun als in der vergangenen Woche", sagte Laps. Damals habe es über Stunden und auf einer großen Fläche stark geregnet - bis zu 250 Liter pro Quadratmeter seien da runtergekommen.

Trotzdem könnte in von der Katastrophe beschädigten Gebieten weiterer Regen dazu führen, dass Keller und Unterführungen volllaufen und Hänge abrutschen.

Starke Schäden durch geringe Regenmengen

Nach einem Bericht des WDR können derzeit schon geringe Regenmengen starke Schäden anrichten. Laut Geo-Wissenschaftlern der TU Darmstadt reichen mittlerweile 20 bis 25 Liter pro Quadratmeter aus, um viele Böden in Steillage instabil zu machen. Je nach Bodenbeschaffenheit drohe dann die Gefahr von Erdrutschen. Durch die Regenmassen der letzten Wochen seien vielerorts die Böden in Bewegung. Erdschichten, die auf felsigem Untergrund lagern, können durch den anhaltenden Regen ins Rutschen geraten. Bäume könnten leicht umknicken.

Polizei warnt Helfer in den Katastrophengebieten

Das Polizeipräsidium Koblenz und der Krisenstab appellieren an Helferinnen und Helfer, sich nicht mehr auf den Weg in das Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz zu machen. "Die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung ist weiterhin überwältigend und ungebrochen. Durch die Vielzahl an Helferinnen und Helfer, die sich heute in das Katastrophengebiet aufgemacht haben um zu helfen, kommt es aktuell leider zu einer völligen Überlastung sämtlicher Zufahrtsstraßen zum Ahrtal, sowie der Straßen im Katastrophengebiet selbst", hieß es in einer Pressemitteilung.

Bislang forderte die Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz 179 Todesopfer. Ganze Ortschaften wurden zerstört. Einige Gebiete sind immer noch ohne Strom und Trinkwasser.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Juli 2021 um 11:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Nettie 24.07.2021 • 23:23 Uhr

@weingasi1, 21:39 (re 19:01 von Wohlergehen) - Korrektur

„Man kann sogar auch selbst spenden ! Diese privaten Spenden erreichen die Betroffenen vermutlich schneller, als die, über die der Amtsschimmel erst entscheiden muss, was, wieviel, für wen, wohin, in welcher Höhe, wer ist zuständig, wer rechnet ab ? Selbst bei dem besten Willen, geht das nicht von heut' auf morgen“ Stimmt, wenn der außen vor bleibt - also bei Initiativen von bzw. „unter“ Bürgern - läuft es nicht nur schneller, sondern schon wegen der „direkten“ Wege auch effizienter. Ich frage mich, warum man nicht einfach mal einen neuen Ansatz probiert und das Pferd von hinten aufzäumt: Warum nicht allen für alles, das ganz eindeutig dem Gemeinwohl dient den ganzen Kladderadatsch ersparen und einen „Kredit“, rückzahlbar am St.-Nimmerleinstag ausgeben - einzige Auflage: Gewissenhafte „Buchführung“ über sämtliche „Ausgaben“, für jedermann einseh- und nachvollziehbar? Nicht nur, wenn es um Katastrophennothilfe geht, sondern prinzipiell? Ist das Geld für die Menschen da, oder umgekehrt?