Nordrhein-Westfalen, Duisburg: Die Sonne strahlt vom blauen Himmel auf einem Feld hinter Ähren der Wintergerste | dpa
Interview

Extremwetter "Seit 1980 Hitzerekorde verdoppelt"

Stand: 23.07.2019 14:16 Uhr

Wie im vergangenen Jahr rollt wieder eine Hitzewelle auf Deutschland zu. ARD-Wetterexperte Rossi über Statistiken, Trockenheit und den richtigen Umgang mit Temperaturen über 40 Grad.

tagesschau 24: Werden wir in den kommenden Tagen neue Temperaturrekorde in Deutschland brechen?

Wolfgang Rossi: Der Donnerstag ist tatsächlich ein ganz heißer Kandidat. Da erwarten wir Temperaturen um die 40 Grad. Und diese Werte stellen auch Rekorde da. Die gab es auch schon in Freiburg und Karlsruhe Mitte August 2003 mit 40,2 Grad.

tagesschau 24: Ist das nun eine ganz normale Hitzewelle oder eben doch ein weiteres Symptom des Klimawandels?

Wolfgang Rossi: Das lässt sich nicht ohne weiteres sagen. Man kann von einem Wetterereignis wie einer Hitzewelle nicht automatisch auf den Klimawandel schließen. Das wäre zu kurz gegriffen. Allerdings führen Klimaforscher Statistiken und da zeigt sich ein anderes Bild. Die Hitzerekorde und Extremwetter-Ereignisse haben in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen. In Deutschland gab es seit 1980 mindestens doppelt so viele Hitzerekorde. Da zeichnet sich etwas ab. Die Zusammenhänge kann man an den Statistiken ablesen. Doch an einzelnen Ereignissen lässt sich das nicht belegen. Eine Kausalitätskette eins zu eins gibt es nicht.

tagesschau 24: Es ist ja auch der zweite extrem trockene Sommer in Folge. Wozu führt das? 

Wolfgang Rossi: Wir haben im vergangenen Jahr einen sehr trockenen Sommer erlebt. Auch dieser Sommer ist schon wieder recht trocken. Die Monate dazwischen haben ganz normal Regen gebracht. Doch das hat einfach nicht gereicht, um das Defizit des vergangenen Jahres auszugleichen. Deswegen sind wir zum Teil schon mit einem Defizit in dieses Jahr gegangen. Deswegen sind die Böden schon seit einiger Zeit in den oberen 20 bis 30 Zentimetern schon wieder trocken. Landwirte müssen bereits wieder Bewässern oder mit Ernteausfällen rechnen.

tagesschau 24: Und wie wirken sich Temperaturen um die 40 Grad auf den Menschen aus?

Wolfgang Rossi: Unser Körper ist auf 37 Grad geeicht. Alles was darüber liegt, mag er nicht. Das kann Fieber sein oder eine Reaktion auf eine Krankheit. Wenn die Hitze von außen kommt, dann versucht der Körper natürlich, diesen Temperaturbereich einzuhalten. Wir müssen schwitzen. Dazu muss er sich anstrengen. Die Poren erweitern sich, die Haare stellen sich auf und die Blutgefäße erweitern sich, um die Hitze nach außen zu transportieren. Das Herz muss richtig pumpen, um die Hitze abzugeben. Das ist eine ganz große Anstrengung, der wir nur mit Abkühlung entgegenhalten können, um im Bereich der 37 Grad zu bleiben.

tagesschau 24: Gegen die Hitze helfen natürlich Klimaanlagen. Aber was kann man noch tun, um mit der Hitze klarzukommen?

Wolfgang Rossi: Natürlich man kann ganz hoch im Norden fahren. An den Küsten weht der Wind vom Meer her. Da ist es ein bisschen frischer. Genauso wie in den hohen Bergen im Süden. Im Westen wird es deutlich heißer als im Osten. Aber auch dort wird man schwitzen müssen.  

Was man dagegen tun kann, ist raus aus der Sonne, viel trinken und lockere Kleidung anziehen. Wir sollten uns schonen, also keinen Sport in der prallen Sonne treiben. Und woran wir noch denken sollten, ist alten Menschen zu helfen. Also bei ihnen in der Nachbarschaft vorbeigehen und fragen, ob man einen Einkauf übernehmen kann, sodass sie nicht in der Hitze raus müssen und noch zusätzlich belastet werden.