Ein Junge kühlt sich in dem Springbrunnen im Lustgarten vor dem Berliner Dom ab. | Bildquelle: dpa

Neuer Juni-Hitzerekord Es waren fast 40 Grad

Stand: 30.06.2019 20:49 Uhr

Bereits relativ früh am Nachmittag war klar: So heiß wie dieser 30.06. war noch kein Juni-Tag in Deutschland. In mehreren Städten wurden mehr als 38 Grad gemessen. Am heißesten war es mit 39,6 Grad in Sachsen-Anhalt.

Dass dieser Juni in der Summe der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland sein würde, stand bereits am Freitag fest. Nun ist klar: Auch am letzten Tag des Monats sind die Temperaturen in weiten Teilen des Landes wieder auf Rekordwerte gestiegen.

Bereits um 15:30 Uhr wurden in Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz 39,3 Grad gemessen - so viel wie noch nie in einem Juni in Deutschland. Eine Stunde später wurde dieser Wert noch übertroffen. In Bernburg/Saale in Sachsen-Anhalt seien es 39,6 Grad Celsius gewesen, teilte der Deutsche Wetterdienst DWD mit.

Der bisherige Juni-Rekord aus dem Jahre 1947 war erst am vergangenen Mittwoch gefallen, an dem in zwei Orten 38,6 Grad gemessen worden waren: im brandenburgischen Coschen und im sächsischen Bad Muskau.

Jan Frodeno versucht sich beim Ironman in Frankfurt mit Wasserbechern zu kühlen. | Bildquelle: REUTERS
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Jan Frodeno - der sich hier versucht, mit Wasserbechern zu kühlen - gewann den Ironman in Frankfurt/Main. Zweitplatzierter wurde Sebastian Kienle. Er sagte nach dem Rennen: "In meinem Kopf hätte man heute Eier kochen können."

Sportler brechen bei Hitze zusammen

Besonders für Teilnehmer von Sportveranstaltungen wurde die Hitze zum ernsten Problem. Beim Hamburger Halbmarathon kollabierten mehrere Läufer bei Temperaturen von bis zu 35 Grad. 141 Teilnehmer mussten versorgt werden, davon wurden 57 in Krankenhäuser gebracht. Die Rettungsleitstelle der Feuerwehr hatte Alarmstufe "Notfall mit Massenanfall von Verletzten" ausgelöst.

Noch heißer war es beim Ironman in Frankfurt am Main, wo selbst die führende Teilnehmerin, die US-Amerikanerin Sarah True, 900 Meter vor dem Ziel zusammenbrach. Frankfurt zählt zu den Großstädten, in denen Höchsttemperaturen von mehr als 38 Grad gemessen wurden. Laut Webseite des DWD wurde dieser Wert auch in Mannheim und Berlin überschritten.

Noch nicht erreicht wurde allerdings der Allzeit-Rekord aus dem Jahr 2015. Damals waren im bayerischen Kitzingen 40,3 Grad gemessen worden.

Warteschlange vor dem Eingang des Wannsee-Bades in Berlin | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX
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Gerade in Berlin war Abkühlung angesagt: Vor dem Eingang des Wannsee-Bades standen die Menschen schlange.

Abkühlung in der kommenden Woche

In der kommenden Woche wird es Abkühlung geben. Bis zum Dienstag gehen die Temperaturen wieder auf unter 30 Grad zurück, teilte der DWD mit. Im Norden und im Süden gibt es nach langer Trockenheit außerdem wieder Regen, teilweise Gewitter.

Tage wie dieser Sonntag heizen auch immer wieder die Debatte über den Klimawandel an. Einzelne Wetterereignisse lassen zwar keinen Rückschluss auf Klimaveränderungen zu - ihre Häufung aber sehr wohl. Und hier sind die Fakten eindeutig.

"Ein klares Anzeichen für langfristigen Klimawandel"

Mitte des 20. Jahrhunderts habe es im Schnitt rund vier Tage im Jahr gegeben, in denen die Temperaturen in Deutschland über 30 Grad kletterten, sagt etwa Klimaforscher Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung mit Verweis auf Daten des DWD. "2018 hatte es über 20 solcher Tage."

Klimaexperte Christian Franzke von der Uni Hamburg bestätigt: "In Deutschland haben wir einen Temperaturanstieg von ungefähr 1,5 Grad der Jahresmitteltemperatur seit 1881." Global gesehen waren die vergangenen vier Jahre laut Weltwetterorganisation (WMO) die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Wärmerekorde seien "ein klares Anzeichen für den anhaltenden langfristigen Klimawandel".

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Juni 2019 um 16:24 Uhr.

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