Voller Ostseestrand von Zinnowitz auf der Insel Usedom | Bildquelle: dpa

Wetterbilanz 2018 Ein heißes Jahr mit Schattenseiten

Stand: 28.12.2018 11:46 Uhr

Für viele war es der "Jahrhundertsommer" - Deutschland hat 2018 geschwitzt. Auch für Obst war es ein richtig gutes Jahr - doch die Wärme hatte auch Schattenseiten.

Von Sebastian Kisters, HR

Im Wein liegt bekanntlich die Wahrheit. Und in vielen Weinbergen deutete sich bereits früh an: Das wird ein Jahr ganz nach dem Geschmack vieler Genießer. Es ist August, da schneidet Theresa Breuer schon pralle Trauben von den Reben im Rheingau. "In diesem Jahr haben wir einen Lesestartrekord. Das gab‘s noch nicht“, sagt die Winzerin. Und der Sommer, den viele da bereits als "Jahrhundertsommer" feiern und fühlen, ist noch lange nicht heruntergebrannt.

Wetterbilanz 2018: Rekordjahr in der Wettergeschichte
tagesschau 16:00 Uhr, 28.12.2018, Sebastian Kisters, HR

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Bereits einen Monat zuvor hatte Eberhard Walther auf rot leuchtende Kirschbäume bei Witzenhausen geschaut. Der Obstbauberater schwärmt: "Die Sauerkirschen schmecken in diesem Jahr fantastisch. Sie haben ein wunderbares Aroma". Wegen lang anhaltender Trockenheit und Wärme, hätten die Kirschen viel Zucker einlagern können.

Jetzt zeigt sich auch in Zahlen: Für Obst war 2018 ein richtig gutes Jahr. Bei Kirschen gab es ein Ernte-Plus von 167 Prozent. Bei Pflaumen und Zwetschgen ein Plus von 153 Prozent im Vergleich zu 2017. 30 Prozent mehr Wein als im Vorjahr können Winzer wohl erzeugen.

Für den Tourismus ein Traum

Traumhaft war der Sommer auch für viele Orte, die vom Tourismus leben. Den meisten Sonnenschein gab es im Nordosten des Landes. Sonnigste Wetterstation 2018 (Stand 26. Dezember) war laut Deutschem Wetterdienst Berlin-Dahlem mit 2308 Sonnenstunden, gefolgt von der Greifswalder Oie, einer kleinen Insel in der Ostsee, mit 2260 Stunden. 2017 durfte sich noch Leutkirch-Herlazhofen im Allgäu als Deutschlands erster Platz an der Sonne feiern. Damals mit 1980 Stunden Sonnenschein.

Vertrocknete Maispflanzen auf einem Feld in Dortmund im Juli 2018
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Vertrocknete Maispflanzen auf einem Feld in Dortmund im Juli 2018

Erhebliche Ernteeinbußen

Doch natürlich war 2018 nicht alles Früchte, Freude, Sonnenschein. Bauern, die nicht Obst, sondern Getreide anbauen, litten unter der Wärme und Trockenheit. Vor allem im Norden des Landes gab es erhebliche Ernte-Einbußen. In Schleswig-Holstein etwa von 29 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern von 26 Prozent. Deutschlandweit liegt das Minus bei der Getreideernte bei rund 20 Prozent.

Gelitten hat 2018 auch der Wald. Zu besichtigen ist das zum Beispiel im Norden Hessens. Erst kam Wintersturm Friederike und fällte viele Bäume, dann kam die große Trockenheit und Wärme. Anschließend: die Borkenkäfer. Wegen des ausbleibenden Niederschlags konnten viele Nadelbäume nicht genug Harz herstellen, um die Käfer abzuwehren.

Es ist September, da schält Steffen Wildmann vom Forstamt Melsungen Rinde von einer Fichte. "Wir sehen hier braune Käfer, die kurz vor dem Ausflug sind. Im gleichen Bereich aber auch noch Larven-Stadien. Das ist in diesem Jahr eine Besonderheit: verschiedene Generationen in einem Brutbild. In dieser Massivität ist das neu."

Manche Forstleute sprechen von einer Umweltkatastrophe, die erst im kommenden Jahr ihre ganze Wucht entfalten könnte.

Deutschland mit Berlin, Frankfurt, Bad Lauchstätt
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In Frankfurt war es am wärmsten, in Berlin am sonnigsten und in Bad Lauchstädt am niederschlagsärmsten.

Bad Lauchststädt - der trockenste Ort

Der trockenste Ort des Jahres lag allerdings rund 170 Kilometer  vom beschriebenen Wald in Melsungen entfernt. Diesen Titel darf 2018 wohl Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt tragen. Bislang fielen hier 267 Liter Regen auf den Quadratmeter. Zum Vergleich: Mit 477 Litern war Bad Dürkheim 2017 trockenster Ort Deutschlands.

Am wärmsten war es im Frankfurter Westend

Es ist Dezember geworden, da beginnt im Frankfurter Westend ein Lichtspektakel. Es funkelt, leuchtet, glitzert - eine Inszenierung am wärmsten Ort des Landes. Er liegt sinnigerweise am Frankfurter Palmengarten. 12,9 Grad betrug hier die Durchschnittstemperatur in diesem Jahr. Das ist ein neuer Rekord und doch keine Ausnahme.

DWD spricht vom "wärmsten Jahr"

Der deutsche Deutsche Wetterdienst (DWD) gibt jetzt bekannt: Deutschlandweit lag die Durchschnittstemperatur 2018 bei 10,4 Grad. Im sogenannten vieljährigen Mittel, ermittelt zwischen 1961 und 1990, beträgt die Durchschnittstemperatur in Deutschland 8,2 Grad. 2018 ist das wärmste Jahr in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnung im Jahr 1881. Für sich genommen ist das bemerkenswert.

Aber noch viel bedeutender ist: Acht der neun wärmsten Jahre in Deutschland liegen innerhalb des 21. Jahrhunderts. Das kann kein Zufall sein. Hier spielt der Klimawandel eindeutig eine entscheidende Rolle", sagt Tim Staeger, Meteorologe beim Hessischen Rundfunk. "Das ist ein trauriger Rekord", erklärt auch Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes.

Es wird wärmer

Es wird wärmer in Deutschland. Die Winzer spüren das längst. Generationen von Schülern lernten, dass die natürliche Weinbaugrenze in Europa am 50. Breitengrad - auf Höhe des Rheingaus - liegt. Das ist Vergangenheit. Auch am 55. Breitengrad auf Sylt wächst seit Jahren Wein. Der Jahrgang 2018 soll auch hier besonders gut werden.

 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Dezember 2018 um 12:00 Uhr.

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