Das Grips Theater von Außen

tagesthemen mittendrin Was ist vom Westberliner Gefühl geblieben?

Stand: 29.09.2020 18:28 Uhr

Kurz vor dem Einheitsjubiläum ist viel vom früheren Osten die Rede. Doch was ist eigentlich von dem alten Westberlin geblieben?

Von Griet von Petersdorff, rbb

Berlin sei der einzige Ort, wo in allen Himmelsrichtungen Osten ist, heißt es in einem Lied - wo also überall die Sonne aufgeht. Gemeint ist Westberlin. Das Lied stammt aus dem Musical "Linie eins", benannt nach der U-Bahnlinie 1, die quer durch Westberlin fuhr.

Volker Ludwig, der einstige Chef des legendären Grips-Theaters, mittlerweile 83 Jahre alt, bekommt ein Leuchten in den Augen: "Westberlin war mein Lebenstraum, ohne Westberlin gäbe es auch das Grips-Theater nicht."

Das Musical des Kinder- und Jugendtheaters verkörperte das einstige Westberlin mit all seinen Facetten: von den erzkonservativen Wilmersdorfer Witwen bis zur Drogenszene, Rockmusikern und linken Idealen. In Westberlin, so Ludwig, prallte alles aufeinander: die strikten Antikommunisten, die Wehrdienstverweigerer, die Hausbesetzerszene. Das alles innerhalb der Mauer, die einengte, aber auf ungewöhnliche Weise auch Geborgenheit vermittelte und eine Menge Energien freisetzte.

Und heute? Ludwig freut sich immer noch, in Berlin zu sein, Westberlin sei in ganz Berlin aufgegangen. Die Stadt sei vielfältiger geworden, viele linke Utopien in reale Politik geflossen. Er vermisst nichts.

#mittendrin: Was ist vom Westberliner Gefühl geblieben?
tagesthemen 22:15 Uhr, 29.09.2020, Griet von Petersdorff, RBB

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Freundschaft zu den Allierten

Anders Joachim Szymanski. Er ist ein echter Aktivist in Sachen Freundschaft zu den Alliierten und besonders zu den USA. Versonnen steht er vor dem Denkmal der Luftbrücke. Sie habe immerhin mit der Versorgung der Westberliner Bevölkerung das Überleben gesichert.

Szymanski ist 1948 geboren, also während der Blockade. Das Brummen der Flugzeugmotoren habe ihn schon im Bauch der Mutter geprägt, erzählt er lachend.

Aber eigentlich ärgert er sich heute. Die jährlichen Ehrungen seien zu reinen Pflichtveranstaltungen verkommen. Und überhaupt: Dass der Tempelhofer Flughafen verschwunden ist, schmerzt ihn. Auch dass Tegels Tage gezählt sind. Ein Albtraum, sagt er. Der Verlust der Flughäfen trage zum längst eingesetzten Sterben der Westberliner Identität bei. Auch er als Westberliner sieht sich als aussterbende Art.

"Ja, wir sind die Dinosaurier", meint auch Klaus-Detlef Kitzerow. Das Westberlinische verschwinde. Kitzerow verbrachte seine Kindheit direkt an der Mauer in Zehlendorf, die Dächer, die er von seinem Zimmer aus sehen konnte, waren schon DDR.

Als seine Eltern das Grundstück 1961 kauften, ahnten sie nicht, dass schon Monate später, eine Mauer ihre Grundstücksgrenze markieren würde und nicht etwa ein Rosenbusch oder Tannenbäume. Man habe sich erstaunlich schnell dran gewöhnt, erzählt er, sogar an die Beobachtungen durch die Volkspolizei.

Das Denkmal der Luftbrücke
galerie

Denkmal der Luftbrücke: Die Ehrungen als Pflichtveranstaltungen?

"Helden, die die Freiheit verteidigten"

Auch Fluchtversuche hat er in unmittelbarer Nähe mitbekommen, aber das Wundern wich dem Alltäglichen. Das Sicherheitsgefühl war groß, auf der einen Seite die Volkspolizei, auf der anderen Seite die US-Armee, die das Gelände abfuhr.

"Wir waren die Helden, die die Freiheit verteidigten", meint er etwas selbstironisch. Diese Rolle hätten sie mit dem Mauerfall verloren und auch die Berlinzulage, acht Prozent des Bruttogehalts steuerfrei, vermissten einige schmerzlich.

Der Mauerfall ein Glücksfall

Natürlich sei der Mauerfall ein Glücksfall, meint er, und für seine Kinder sei Ost- oder Westberlin überhaupt kein Thema: Die könnten mit der Unterscheidung gar nichts mehr anfangen. Doch in tiefster Seele schlummert noch eine Menge Westberlin: "Ich werde immer ein Hertha (West)-Fan bleiben und niemals zu "Union Berlin (Ost)" wechseln. Da sei typisch für viele seiner Bekannten.

Die Schülerinnen Emilia Schmidt und Jasmin Buchholz sitzen gemütlich auf einer Parkbank in Kreuzberg. Sie würden niemals sagen, sie kämen aus Westberlin, man kommt aus Berlin oder nicht. Und trotzdem ist die Teilung noch Thema in ihren Familien, mit Geschichten vom glitzernden Westen.

"Ich mag zum Beispiel total viele alte Stories von meinem Vater aus Westberlin vom Kudamm, sagt Emilia Schmidt. "Sich vorzustellen, dass es eben geteilt war, Ost und West nicht einfach vereint war, dass man nicht einfach mal rüberfahren konnte, ist schockierend", findet Jasmin Buchholz.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 29. September 2020 um 22:15 Uhr.

Darstellung: