Werner Müller im April 2018 bei der Verleihung des Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen mit Herhard Schröder und Armin Laschet | Bildquelle: dpa

Tod nach Krankheit Ex-Minister Werner Müller gestorben

Stand: 16.07.2019 10:45 Uhr

Unter Kanzler Schröder wurde der parteilose Manager Werner Müller 1998 überraschend Wirtschaftsminister. Nach dem Regierungs-Intermezzo ging er zurück in die Wirtschaft. Nun ist er mit 73 Jahren gestorben.

Der frühere Bundeswirtschaftsminister Werner Müller ist im Alter von 73 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Das bestätigte der Chemiekonzern Evonik.

Müller war 1998 von dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder überraschend ins Bundeskabinett berufen worden. "Ich saß um elf Uhr zu Hause in Mülheim im Bademantel, als Schröder anrief", sagte der bis dahin als RWE-Manager beschäftigte Müller laut "Süddeutsche Zeitung" über seinen Wechsel in die Politik. Der neue Kanzler habe ihn nach Bonn beordert.

Werner Müller im April 2018 bei der Verleihung des Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen mit Herhard Schröder und Armin Laschet | Bildquelle: dpa
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Werner Müller im April 2018 bei der Verleihung des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen mit Gerhard Schröder und Armin Laschet.

Am Atomausstieg beteiligt

In der rot-grünen-Regierung kümmerte er sich um das Wirtschafts- und Technologieressort. Müller wurde als zurückhaltend und nüchtern beschrieben und sorgte in seiner Zeit als Bundesminister anfangs kaum für Schlagzeilen.

Später war er an der Ausarbeitung von Plänen zum Atomausstieg beteiligt, dessen Eckpunkte er mit der Industrie verhandelte. Im Juni 2000 einigten sich die Bundesregierung und die Stromwirtschaft auf den damaligen Kompromiss, der eine durchschnittliche Gesamtlaufzeit von 32 Jahren je Anlage für die laufenden 19 Reaktoren vorsah. Müller warnte immer wieder vor zu ehrgeizigen nationalen Klimaschutzzielen und verwies auf die globale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Energieunternehmen.

Rückzug wegen Krankheit

2003 übernahm Müller den Vorsitz des RAG AG. Sein Wechsel aus dem Kabinett in die Wirtschaft wurde von der Öffentlichkeit kritisch beurteilt. Später übernahm er den Vorsitz der RAG-Stiftung, die die Ewigkeitslasten des Bergbaus abdeckt und erster Chef des Chemiekonzerns Evonik. Von 2005 bis 2010 war er zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bahn.

2018 gab der 71-Jährige überraschend bekannt, seine Ämter aus gesundheitlichen Gründen zum 24. Mai 2018 niederzulegen. "Meine schwere Erkrankung erlaubt es mir leider nicht mehr, meinen Verpflichtungen in der Stiftung und in den Aufsichtsräten weiter nachzukommen", erklärte er.

Müller hinterlässt seine Ehefrau und zwei Kinder.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juli 2019 um 11:00 Uhr.

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