Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer (Archivbild). | EPA

Weltraumkommando der Bundeswehr Mehr Durchblick im All

Stand: 13.07.2021 13:24 Uhr

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer hat das "Weltraumkommando" der Bundeswehr scharf geschaltet. Das klingt nach "Krieg der Sterne" und Science-Fiction. Was aber genau verbirgt sich dahinter?

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Der Weltraum hat mit dem, was hier unten auf der Erde passiert, eine ganze Menge zu tun: Satelliten steuern Autofahrer per Navigationssystem durch den Verkehr, stellen Telefonverbindungen her, und auch die Streitkräfte sind dringend auf die fernen Begleiter in der Erdumlaufbahn angewiesen. Satelliten wirken als Frühwarnsystem, um feindliche Raketenstarts oder Truppenbewegungen zu erspähen, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Also liegt es nahe, dass der Gegner im Fall eines Konflikts auf die Idee kommen könnte, diese Systeme im Weltraum anzugreifen. Um zivile oder militärische Infrastruktur lahmzulegen. So ist es mittlerweile möglich, mithilfe von Lasern Satelliten funktionsunfähig zu machen, aber auch Anti-Satelliten-Raketen, vom Boden oder vom Flugzeug aus abgeschossen, sind keine Zukunftsmusik mehr.

Schutz der Satelliten das große Ziel

"Entsprechende Fähigkeitsentwicklungen" habe man bei einzelnen Staaten in den zurückliegenden Jahren beobachten können, heißt es von Seiten der Bundeswehr. Die NATO nennt konkret Russland und China. Eine mögliche Auseinandersetzung im Weltraum wird man sich daher auch weniger so vorzustellen haben, dass - wie im Science-Fiction-Film - Raumschiffe aufeinander feuern. Vielmehr dürften Staaten bestrebt sein, ihre jeweiligen Satelliten im All so zu schützen, dass das Leben unten auf der Erde normal weiterlaufen kann.

Mit "Krieg der Sterne" hat das neue Weltraumkommandos im nordrhein-westfälischen Uedem zunächst einmal wenig zu tun. Die Bundeswehr will vor allem noch klarer erfassen können, was sich hoch oben im All abspielt, was das Wetter übrigens mit einschließt. Auch kann Weltraumschrott für Satelliten oder die Erde selbst zur Gefahr werden.

Teil der Bundeswehrreform

Das neue Kommando dient also in erster Linie der Aufklärung. Und ist nebenbei der erste Umsetzungsschritt der unlängst angekündigten Bundeswehrreform. Einen eigenen Angriff im Weltraum gegen einen anderen Satelliten durchzuführen, dazu wäre Deutschland bislang militärisch nicht in der Lage. Dass man auf eine Attacke im oder aus dem All in Absprache mit den Bündnispartnern reagiert, ist ohnehin klar.

Die NATO hatte auf ihrem letzten Gipfel im Juni erstmalig beschlossen, dass ein Angriff im Weltraum den Bündnisfall auslösen kann. Soll heißen: Ein Angriff im All auf einen kann als Angriff auf alle NATO-Staaten gewertet werden. Darüber befinden soll - von Fall zu Fall und hier auf Erden - das höchste NATO-Entscheidungsgremium, der Nordatlantikrat.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Juli 2021 um 06:09 Uhr.