Mitarbeiter des Deutschen Krebsforschungszentrums  | dpa

Weltkrebstag Neue Therapien, die Hoffnung machen

Stand: 04.02.2020 07:05 Uhr

Die Verläufe und Heilungschancen bei Krebs unterscheiden sich je nach Tumorart stark. In Zukunft könnten viele Todesfälle verhindert werden: durch Prävention, Früherkennung und neue Therapieformen.

Von Veronika Simon, SWR

Jedes Jahr erkranken in Deutschland fast 500.000 Menschen an Krebs. Und in Zukunft wird diese Zahl steigen, schätzt Michael Baumann, Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums. Bereits bis zum Jahr 2030 könnte diese Zahl auf 600.000 Neuerkrankungen pro Jahr steigen.

Je älter man wird, desto höher ist das Risiko, an vielen Krebsarten zu erkranken. Ein steigendes Durchschnittsalter der Bevölkerung erhöht somit auch die Zahl der Krebserkrankungen.

Krebsneuerkrankungen in Deutschland, 2018

Krebsneuerkrankungen in Deutschland, 2018

Doch nicht nur ein hohes Lebensalter vergrößert das Krebsrisiko: 70 Prozent der Todesfälle könnten laut Baumann durch bessere Vorsorge und Früherkennung verhindert werden. Dabei spielt der eigene Lebensstil eine große Rolle. Aus diesem Grund hat die Weltgesundheitsorganisation WHO einen Verhaltenskodex veröffentlicht.

Das empfiehlt die WHO, um das persönliche Krebsrisiko zu reduzieren:

- nicht rauchen und auch Passivrauchen vermeiden
- den Alkoholkonsum einschränken
- sich regelmäßig bewegen und auf ein normales Körpergewicht achten
- die Haut vor Sonneneinstrahlung schützen
- einen gesunden Ernährungsstil pflegen und dabei nur wenig rotes Fleisch und
eher salzarme Lebensmittel zu sich nehmen
- auf Schadstoffe in der Umgebung achten

Früh erkannte Tumore können besser behandelt werden

Umso wichtiger sind daher Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchung. Diese werden je nach Alter und Geschlecht angeboten: Beispielsweise führen Gynäkologen bei Frauen ab 20 einmal im Jahr eine Vorsorgeuntersuchung zu Gebärmutterhalskrebs durch, ab dem 35. Lebensjahr wird ein zusätzlicher Test alle drei Jahre angeboten. Bei Männern wird ab einem Alter von 45 Jahren einmal im Jahr die Prostata abgetastet.

Krebsneuerkrankungen Männer in Deutschland, 2018

Krebsneuerkrankungen Männer in Deutschland, 2018

Bei solchen Untersuchungen können verschiedene Gewebeveränderungen entdeckt werden: Gutartige Vorstufen, die sich zu einem bösartigen Tumor entwickeln könnten oder kleine, örtlich begrenzte Tumore. Diese können so behandelt werden, bevor die Patienten überhaupt Symptome zeigen oder der Tumor Metastasen bildet und sich im Körper ausbreitet. Je früher ein Tumor erkannt wird, desto höher ist oft die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung.

Neue Pfeiler der Krebs-Behandlung

Noch vor wenigen Jahren bestanden die Möglichkeiten bei einer Krebsbehandlung aus einem chirurgischen Eingriff, einer Strahlen- und Chemotherapie. Alle drei Therapieformen werden auch heute noch eingesetzt.

Darüber hinaus entwickelte sich die Behandlung von Krebserkrankungen aber stark weiter. Immun- und Gentherapien werden intensiv erforscht und können in einigen Fällen bereits angewendet werden.

Krebsneuerkrankungen Frauen in Deutschland, 2018

Krebsneuerkrankungen Frauen in Deutschland, 2018

Gezielte Therapie gegen spezielle Tumorarten

Besondere Bedeutung haben heute zielgerichtete Krebstherapien. Diese wirken spezifischer auf die Tumorzellen als beispielsweise Chemotherapien. Trotzdem kann es auch hierbei zu Nebenwirkungen kommen.

Zielgerichtete Krebsmedikamente versuchen zu verhindern, dass Tumorzellen sich teilen. Oder sie können die Versorgung des Tumors durch Blutgefäße kappen. Dafür greifen sie Strukturen an, die auf der Oberfläche der Tumore liegen oder Signalstoffe, die von Tumorzellen ausgesendet werden.

Ob eine gezielte Krebstherapie in Frage kommt, hängt vom Einzelfall ab: Nicht für jede Krebsart stehen diese Mittel zur Verfügung. Und auch Tumore der gleichen Art können sich unterscheiden, zum Beispiel können die Oberflächen verschiedene Strukturen tragen. So ist es möglich, dass ein Mittel bei dem einen Patienten wirkt, bei einem anderen aber nicht. Die Krebstherapie der Zukunft wird daher immer mehr auf den individuellen Patienten und dessen Tumor zugeschnitten sein.

Künstliche Intelligenz kann bei Datenbergen helfen

Eine Hoffnung im Kampf gegen den Krebs könnte laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) der Einsatz von künstlichen Intelligenzen (KI) sein. Gerade bei Krebspatienten sei die Datenmenge oft gewaltig: Röntgenbilder, Gewebeproben, Tumormarker im Blut und genetische Informationen müssten richtig gedeutet werden.

Tote durch Krebs weltweit, 2018

Tote durch Krebs weltweit im Jahr 2018

Krebsneuerkrankungen weltweit, 2018

Krebsneuerkrankungen weltweit, 2018

Heinz-Peter Schlemmer, Leiter der Radiologie am DKFZ in Heidelberg, erklärt, dass KIs in Zukunft ein hilfreiches Werkzeug sein werden, um mit den gegebenen Informationen schneller und präziser umzugehen. So bliebe mehr Zeit für die eigentliche Arbeit des Arztes, nämlich die Interpretation der Ergebnisse und die Arbeit mit dem Patienten.

Noch spielen KIs im klinischen Alltag kaum eine Rolle. Es gibt aber vielversprechende Pilotstudien, zum Beispiel bei der Analyse von Prostata- und Hirntumoren. Aktuell fehlen noch große, internationale Studien, bei denen die KIs mit großen Datensätzen gefüttert und ausgiebig getestet werden.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 04. Februar 2020 um 06:17 Uhr.

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KOMMENTARE

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rareri 04.02.2020 • 16:37 Uhr

15:54 von Hastedochgesehen

Wie lange ist man bereit für eine Therapie, will länger Leben und ab wann lieber qualitativ besser statt kurze Zeit dazu zu gewinnen? . Wie viele Nebenwirkungen haben neue Therapien? Wenn der Krebs noch nicht gestreut hat, ist eine Chemo als Präventivbehandlung (adjuvante Chemotherapie) durchaus sinnvoll. Diese ist leichter und gut verträglich. Wenn der Krebs schon gestreut hat, bleibt als einzige Maßnahme nur eine Chemo übrig und wenn es nur ein medizinischer Versuch ist. Die Fragen kann sich aber jeder selbst beantworten, wenn er selbst an Krebs erkrankt.