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Klimaforscher Levermann "Unsere Art zu leben steht auf dem Spiel"

Stand: 02.11.2021 00:52 Uhr

Der Klimawandel ist eine globale Herausforderung, die bisherigen Maßnahmen vieler Länder sind aber kaum ausreichend. In den tagesthemen forderte Klimaforscher Levermann schärfere Verpflichtungen und empfahl, die Wirtschaft einzubinden.

Die Weltgemeinschaft muss nach der Überzeugung von Klimaforscher Anders Levermann schneller Klimaneutralität erreichen als es viele nationale Pläne derzeit vorsehen. "Wir brauchen wesentlich schärfere Selbstverpflichtungen der Länder", sagte der Physiker und Klimawissenschaftler vom Potsdamer Institut für Klimaforschung in den tagesthemen. "Tatsächlich steht unsere Art zu leben auf dem Spiel."

Levermann forderte für reiche Länder wie etwa Deutschland oder die USA eine Null-Emission-Politik in 20 Jahren, für ärmere Länder in den Folgejahren. Um dieses Ziel zu erreichen gebe es die Möglichkeit, dass sich große Mächte wie die USA, Europa und China vereinten und einen gemeinsamen CO2-Preis ins Leben riefen, sagte Levermann. "Denn ein Minimalpreis, der immer stärker ansteigt, und dann eine Null-Emission-Politik ermöglicht bis 2040 - das wäre ein starkes und kraftvolles Signal", so der Klimaforscher.

Ein gemeinsamer CO2-Preis würde es der Wirtschaft erlauben, das Problem zu lösen, sagte Levermann im tagesthemen-Interview. "Das Entscheidende ist, dass wir darüber diskutieren, wann geht welches Land auf null Emissionen. Denn da da liegt die wirtschaftliche Kraft drin. Wenn man der Wirtschaft sagt: Das ist die Zukunft, das ist die Vergangenheit - dann wollen sie möglichst schnell in der Zukunft ankommen."

"Keine Zwischentechnologien mehr"

Mit den CO2-Emissionen sei es wie mit Mikroplastik, so Levermann. "Was Sie in die Atmosphäre bringen, bleibt dort praktisch für immer und erhöht die Temperatur des Planeten." Solange Kohle, Öl und Gas weiter verbrannt würden, steige die Temperatur immer weiter. Nun sei es an den Industrieländern zu zeigen, dass man es ernst meine: "keine Zwischentechnologien mehr, sondern nur noch Technologien, die uns wirklich auf Null bringen können", forderte Levermann.

Der Klimawandel sei kein Problem der Armen, stellte Levermann klar, sondern eines der ganzen Welt. Die Wetterextreme nähmen zu, das hätten auch die Überschwemmungen in diesem gezeigt. "Der Klimawandel kommt immer näher", sagte der Wissenschaftler.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 01. November 2021 um 22:30 Uhr.