Jemenitin hält während einer ärztlichen Untersuchungen den Fuß ihres unterernährten Enkels | Bildquelle: YAHYA ARHAB/EPA-EFE/REX/Shutters

Welthunger-Index Klimawandel verschärft Hunger

Stand: 15.10.2019 13:05 Uhr

Bis 2030 soll kein Mensch mehr hungern - das ist eines der Ziele der Vereinten Nationen. Doch derzeit gibt es laut Welthunger-Index Rückschläge. Ein Grund: der Klimawandel.

Bei der Bekämpfung des Hungers in der Welt hat es in den vergangenen Jahren wieder Rückschritte gegeben: Das geht aus dem Welthunger-Index 2019 hervor, der in Berlin vorgestellt wurde. Demnach stieg die Zahl der weltweit Hungernden in den vergangenen drei Jahren wieder an: von 785 Millionen Menschen im Jahr 2015 auf aktuell 822 Millionen.

Ein Grund für die Zunahme: der Klimawandel. Dieser habe die Ernährungslage vor allem in den Ländern verschlechtert, die ohnehin von Hunger, Armut und Konflikten betroffen seien, so der Bericht. In der Zentralafrikanischen Republik als einzigem Land ist die Lage demnach "gravierend"; im Tschad, Madagaskar, Jemen und Sambia "sehr ernst".

Ernteverluste durch Wetterextreme

Der Hunger im Zusammenhang mit dem Klimawandel sei eine "schmerzhafte Realität für Millionen von Menschen", sagte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Marlehn Thieme. Zudem sei die Verantwortung für den Klimawandel und seine Folgen sehr ungerecht verteilt: "Die Menschen, die ihn am wenigsten verursacht haben, leiden am stärksten unter den Auswirkungen."

Seit Anfang der 1990er-Jahre habe sich die Zahl der Wetterextreme verdoppelt, was zu Ernteverlusten bei den wichtigsten Anbaupflanzen und steigenden Lebensmittelpreisen geführt habe. Vor allem Kinder und Frauen litten an Mangel- und Unterernährung, so Thieme weiter.

Nur langsame Fortschritte

Insgesamt sind den Angaben zufolge die Index-Werte zur Hungersituation weltweit seit 2000 um 31 Prozent gesunken. Diese Fortschritte seien aber zu langsam, sagte Thieme. Wenn die Reduzierung der Unterernährung im gleichen Tempo wie bisher voranschreite, würden 45 Länder den Hunger nicht bis zum Jahr 2030 besiegen können.

"Die globale Ernährungssicherheit und der Klimawandel sind die beiden Überlebensfragen der Menschheit", zitierte die Organisation eine Stellungnahme von Entwicklungsminister Gerd Müller. Aus den Dürreregionen Afrikas seien demnach bereits 20 Millionen Menschen geflohen. Er verwies auch auf Folgen von Kriegen wie in Syrien und dem Jemen.

"Der Index zeigt, dass Hunger wieder auf dem Vormarsch ist. Wir müssen abbiegen von der Straße der Ignoranz und Bequemlichkeit", forderte der entwicklungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Christoph Hoffmann. "Um eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, muss Landwirtschaft in Staaten der Entwicklungszusammenarbeit intensiviert werden. Neue Biotechnologie dabei auszuschließen, wäre im Sinne des Wortes tödlich."

Grüne sehen Auswärtiges Amt in der Pflicht

Die Grünen forderten Außenminister Heiko Maas von der SPD auf, den Kampf gegen anhaltende Hungersnöte in vielen afrikanischen Ländern zu verstärken: "Das Auswärtige Amt steht in der Pflicht, seine Ankündigung umzusetzen, dass Deutschland sich mehr um diese 'vergessenen Krisen' kümmern wird", sagte die menschenrechtspolitische Sprecherin der Grünen, Margarete Bause, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Der diesjährige Index wurde für 117 Länder berechnet. Die vier Indikatoren zur Berechnung des Welthunger-Indexes sind Unterernährung, Auszehrung und Wachstumsverzögerungen bei Kindern sowie Kindersterblichkeit. Die fünfstufige WHI-Schweregradskala (null bis 100 Punkte) reicht von niedriger Hungersituation bis gravierend. 

Welthungerindex: Zahl der Hungernden wieder stark gestiegen
Matthias Bertsch, ARD Berlin
15.10.2019 17:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. Oktober 2019 um 13:41 Uhr.

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