Schachteln des Impfstoffs von der Johnson & Johnson-Tochter Janssen (Archivbild) | dpa

Gipfel zu Corona-Impfstoffen "Horten bringt uns alle in Gefahr"

Stand: 24.10.2021 20:59 Uhr

Beim "World Health Summit" in Berlin werden Experten in den kommenden Tagen unter anderem über die weltweite Verteilung von Impfstoffen sprechen. Zum Auftakt erinnerten UN und WHO erneut daran, dass Corona nur global besiegt werden könne.

Anlässlich des World Health Summit in Berlin hat UN-Generalsekretär António Guterres eine sinnvollere Verteilung von Corona-Impfstoffen gefordert: "Impfnationalismus und Horten von Impfstoff bringt uns alle in Gefahr", sagte er in einer vorab aufgezeichneten Rede.

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, sagte, Regierungen und Hersteller müssten "viel mehr Impfdosen vor allem an die am stärksten gefährdeten Länder liefern". Nur so könne die Corona-Pandemie unter Kontrolle gebracht werden.

Spahn: Deutschland zweitgrößter Geber

Tedros erinnerte an das WHO-Ziel, wonach bis Jahresende mindestens 40 Prozent der Menschen in jedem Land geimpft sein sollen. Dieses Ziel sei "erreichbar". Der WHO-Chef dankte Deutschland für seine Großzügigkeit bei Impfstoffspenden. Es sei aber noch mehr nötig. Länder, die bereits eine Impfquote von wenigstens 40 Prozent erreicht hätten - darunter alle G20-Staaten - sollten dem UN-Impfprogramm Covax oder der afrikanischen Initiative Avat bei Impfstofflieferungen den Vortritt lassen. "Kein Land kann die Pandemie isoliert vom Rest der Welt beenden", mahnte Ghebreyesus. Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist Deutschland zweitgrößter Geber innerhalb der Anti-Pandemie-Kooperation ACT-A, zu der auch Covax gehört.

In Deutschland sind nach RKI-Angaben etwa zwei Drittel der Bevölkerung vollständig geimpft. Vor allem auf dem afrikanischen Kontinent sind die Impfquoten aber teilweise noch sehr gering. Zwar ist es schwer, von dort aus allen Staaten verlässliche Zahlen zu bekommen. In vielen Ländern dürfte die Impfquote noch im einstelligen Bereich liegen, in einigen wurden bislang so gut wie gar keine Impfungen verabreicht. In vielen westlichen Staaten werden hingegen bereits "Booster-Impfungen" verabreicht - also Auffrischungsimpfungen, die einige Monate nach der für den vollständigen Schutz in der Regel nötigen zweiten Impfdosis verabreicht werden.

"Global - oder gar nicht"

Im Vorfeld des Treffens hatten auch die Hilfswerke der beiden großen christlichen Kirchen zu einer gerechteren Verteilung von Impfstoffen aufgerufen. Die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks "Brot für die Welt", Dagmar Pruin, sagte, wohlhabende Länder müssten ihre versprochenen Impfstoffspenden so schnell wie möglich liefern. "Das muss jetzt oberste Priorität haben - denn die Pandemie besiegen wir nur global oder gar nicht."

Insbesondere vulnerable Gruppen weltweit müssten versorgt werden, erklärte der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor, Pirmin Spiegel.

Thema des diesjährigen Weltgesundheitsgipfels ist neben der Impfgerechtigkeit unter anderem auch die künstliche Intelligenz in der Gesundheitsversorgung. Die Veranstaltung, bei der rund 6000 Expertinnen und Experten aus 100 Nationen über die globale Gesundheitsversorgung diskutieren, dauert bis 26. Oktober und kann online verfolgt werden. Erwartet werden auch Bundesgesundheitsminister Spahn, EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und WHO-Direktor Tedros.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Oktober 2021 um 20:00 Uhr.