Die Höhle "Hohle Fels" | Bildquelle: dpa

Älteste Kunst der Menschheit Höhlen auf der Alb werden Welterbe

Stand: 09.07.2017 13:37 Uhr

Sie sind Fundorte der frühesten bekannten Kunstwerke überhaupt - Höhlen auf der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg. Nun erkannte die UNESCO sechs der Höhlen als Weltkulturerbe an. Sie lieferten wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung der Kunst.

Von Gábor Paál, SWR Wissen

Von hier stammen die ältesten bekannten Kunstwerke und die ältesten Musikinstrumente, manche meinen auch: die frühesten Hinweise auf religiöses Denken. Für Archäologen sind die Höhlen im Ach- und im Lonetal - zwei Nebenflüssen der Donau bei Ulm - seit Jahrzehnten ein Eldorado. Jetzt werden sie UNESCO-Welterbe. Das beschloss das Welterbe-Komitee auf einer Konferenz  in Krakau.

Die Funde in diesen Höhlen stammen aus der Eiszeit und sind zwischen 37.000 und 42.000 Jahre alt. Sie stammen somit aus einer Zeit, als der moderne Mensch, der Homo Sapiens, gerade erst in Europa angekommen war. Die ersten Ausgrabungen in den Höhlen fanden vor mehr als 150 Jahren statt, ursprünglich ging es um Fossilien. 1931 entdeckte Gustav Riek in der Vogelherd-Höhle die ersten prähistorischen Funde, unter anderem das berühmte Wildpferd.

40.000 Jahre alte Figur eines Wildpferds aus der Vogelherdhöhle | Bildquelle: Universität Tübingen
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40.000 Jahre alte Figur eines Wildpferds aus der Vogelherdhöhle

Fantasiebegabte Vorfahren

Seitdem wurden Dutzende weitere Skulpturen in den Höhlen entdeckt, neben Tierfiguren auch zwei Frauen-Figuren: Die "Venus vom Hohle Fels" gilt heute als das älteste Kunstwerk überhaupt. Besondere Beachtung findet auch der "Löwenmensch" aus der Höhle Hohlenstein-Stadel. Es handelt sich hier um ein Mischwesen: Ein Löwenkopf auf einem Menschenkörper. Ein Beleg dafür, dass die Menschen vor 40.000 Jahren schon Fantasie hatten - Vorstellungen von übernatürlichen Wesen, die es in der realen Welt nicht gibt.

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Schwäbische Alb: Vergleich Eiszeit und Jetzt-Zeit

Schwäbische Alb zur Eiszeit
Schwäbische Alb zur heutigen Zeit

Vergleich der Schwäbische Alb in eiszeitlichen Bedingungen und zur Jetzt-Zeit

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Enstand die erste Kunst auf der Schwäbischen Alb?

Angesichts der Fülle der Funde stellt sich die Frage: Ist es ein Zufall, dass so sich viel "Ältestes" ausgerechnet auf der Schwäbischen Alb findet? Auffallend ist: Die Kunst war von Anfang an handwerklich ausgereift. Es gibt daher zwei Möglichkeiten:

1. Die besonderen (Über-)Lebensbedingungen ließen die Menschen kreativ werden. Der Homo Sapiens war zu jener Zeit gerade erst in Mitteleuropa angekommen. Das Leben der Menschen war hart, sie hatten die Gletscher vor Augen. Das Überleben forderte eine Form der Kreativität und Fantasie, die auch zur Kunst führte.

UNESCO erklärt "Höhlen der ältesten Eiszeitkunst" zum Weltkulturerbe
tagesthemen 22:45 Uhr, 09.07.2017, Julia Henninger, SWR

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Nicholas Conard | Bildquelle: swr
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Conard untersucht, ob die Funde auf der Schwäbischen Alb tatsächlich die ältesten figürlichen Kunstwerke sind.

2. Der Schein trügt. Skulpturen und Musikinstrumente gab es schon vorher und auch anderswo. Man hat sie nur (noch) nicht gefunden. Unstrittig ist: Die Höhlen der Schwäbischen Alb bieten  gute Erhaltensbedingungen und auch das Material, vor allem das Elfenbein, ist sehr haltbar. Anderswo stellten die Menschen vielleicht Kunst aus Holz her. Das wäre längst verrottet. In der eiszeitlichen Steppe gab es jedoch kaum Holz. Die Menschen wichen deshalb auf Elfenbein und Geweih ausgewichen und das blieb erhalten.

Höhlen teilweise zugänglich

Der Leiter der Ausgrabungen, Professor Nicholas Conard, will sich nicht festlegen: "Einerseits kann ich der Hypothese nicht glauben, dass es Kunst, Musik und Religiosität damals nur hier gegeben hat. Andererseits suche ich selbst nach Beweisen, diese Hypothese zu widerlegen - ohne Erfolg. Deshalb fange ich langsam selbst an, daran zu glauben."

Die Höhlen sind heute nur zum Teil zugänglich: Die Vogelherdhöhle ist in den "Archäopark" bei Niederstotzingen integriert, einem Freilichtmuseum im Lonetal. Der Hohle Fels. die heute beeindruckenste der Höhlen, kann nur nach Voranmeldung besichtigt werden. Die umfangreichste Sammlung an Fundstücken findet sich im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Juli 2017 um 13:15 Uhr.

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