Ein Junge zündet in einer Kirche eine Kerze an. | dpa

Kirchen zu Weihnachten "Freudenboten" und eine Bitte um Vergebung

Stand: 25.12.2020 12:28 Uhr

Stärker als jedes Virus sei die Weihnachtsbotschaft - mit diesen Worten hat der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm die Menschen zu Zuversicht aufgerufen. Katholische Geistliche sprachen die Missbrauchsvorwürfe an.

In seiner Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, versucht, den Menschen in Zeiten der Corona-Pandemie Mut zu machen. Das Weihnachtsfest könne auch in Krisenzeiten neue Zuversicht und Hoffnung machen, sagte Bedford-Strohm in München.

Die biblische Botschaft an Weihnachten sei stärker als "alles, was uns jetzt runterziehen will, und auch stärker als jedes Virus". Der EKD-Ratspräsident lobte zudem die "Freudenboten" und ihren Einsatz in dieser schwierigen Zeit - in Altenheimen und Krankenhäusern, in den Nachbarwohnungen oder hinter der Theke in der Bäckerei.

Bätzing: Missbrauch nicht Vergangenheit

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, verwies am ersten Feiertag auf die universelle Bedeutung des Weihnachtsfests. "Weihnachten ist mithin das Fest der Menschenwürde. Darum betrifft es auch jeden Menschen", sagte er im Limburger Dom. Er erinnerte unter anderem an den Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos, an die vielen Corona-Toten in Bergamo, an die Verbrechen gegen die Menschenwürde in Hanau, Nizza, Kabul und Trier.

Bätzing bezog auch Stellung zu den Vorwürfen sexualisierter Gewalt. Der Missbrauch in der Kirche sei so lange nicht Vergangenheit, wie Betroffene körperlich und seelisch davon schwer gezeichnet unter uns lebten und sich selbst als Überlebende bezeichneten, sagte Bätzing.

Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, steht vor Beginn des Karfreitagsgottesdienstes allein auf dem Vorplatz des Doms. | dpa

Bischof Bätzing betonte in seiner Weihnachtsansprache die Bedeutung des Weihnachtsfestes als Fest der Menschenwürde. Bild: dpa

Kardinal Woelki bittet um Verzeihung

Auch der in der Kritik stehende Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wandte sich in einer persönlichen Erklärung an die Gläubigen. Er wandte sich nach der Christmette an die Gläubigen, ohne allerdings eigene Versäumnisse konkret anzusprechen. Er soll Vorwürfe gegen einen Düsseldorfer Pfarrer nicht an den Vatikan gemeldet haben.

Wörtlich sagte der Kardinal:

Zu den Sorgen, die Sie alle durch Corona ohnehin schon haben, haben wir, habe ich leider noch eine Bürde hinzugefügt.

Dafür bitte er um Verzeihung. Vor zwei Jahren habe er sein Wort gegeben, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Vorgänge aufzuklären und auch Verantwortliche zu benennen. Dazu stehe er weiterhin, so Woelki.


Woelki wegen Fall aus den 70er-Jahren in Kritik

Bei den Vorwürfen gegen den Kölner Erzbischof geht es um einen inzwischen verstorbene Geistlichen, der in den 1970er-Jahren einem Kindergartenkind sexuelle Gewalt angetan haben soll. Er stand Woelki persönlich nahe.

Zudem hatte der Kardinal ein Gutachten zum Umgang des Erzbistums mit den Missbrauchsvorwürfen bei einer Münchner Kanzlei in Auftrag gegeben, dieses nach der Fertigstellung aber nicht veröffentlicht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Dezember 2020 um 11:20 Uhr.