Das Foto zeigt eine Sirene. | Bildquelle: dpa

Bilanz des Innenministeriums Bundesweiter Warntag "fehlgeschlagen"

Stand: 10.09.2020 17:28 Uhr

Mit einem deutschlandweiten Probealarm sollte am Vormittag für Gefahrenlagen wie Unwetter oder Anschläge geübt werden. Doch am sogenannten Warntag ging vieles schief. Das Bundesinnenministerium zeigt sich selbstkritisch.

Das Bundesinnenministerium hat den landesweiten Probealarm vom Vormittag als "fehlgeschlagen" bezeichnet. Grund dafür sei ein technisches Problem. "Die Vorgänge werden jetzt umfassend aufgearbeitet", kündigte das Ministerium an. Die gewonnenen Erkenntnisse würden dann bei der weiteren Entwicklung des Warnsystems berücksichtigt.

Eigentlich sollten zum ersten bundesweiten Warntag im ganzen Land um elf Uhr Sirenen und andere Warnsysteme ausgelöst werden, die Entwarnung sollte erst 20 Minuten nach der Probewarnung erfolgen. Unter anderem war beabsichtigt, die Warnung über Radio und Fernsehen sowie über Warnapps zu übermitteln. Dabei kam es jedoch zu verschiedenen Verzögerungen und Problemen.

Panne bei erstem bundesweiten Warntag mit Probealarm
tagesschau 20:00 Uhr, 10.09.2020, Tom Herrmann, MDR

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"Nicht an die Absprachen gehalten"

So kam die angekündigte Gefahrenmeldung der Warn-Apps NINA und KATWARN erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Smartphones an. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn erklärte diese Panne im Nachhinein mit der zeitgleichen Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen.

Laut Präsident Christoph Unger ergaben erste Analysen, dass um 11 Uhr nicht nur wie geplant eine zentrale Warnung ausgelöst wurde, sondern viele andere angeschlossene Leitstellen ebenfalls eigenständig Warnungen herausgaben. "Sie haben sich nicht an die Absprachen gehalten", sagte Unger dem SWR. Das habe zu einer Systemüberlastung geführt.

Auf dem Bildschirm eines Smartphones ist eine Mitteilung zum Probealarm zu sehen. | Bildquelle: dpa
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Die Gefahrenmeldung kam über Warnapps eine halbe Stunde zu spät an.

Viele Sirenen sind schon abgebaut

Mitunter ging der Warntag komplett an der Bevölkerung vorbei. Für München erklärte ein Feuerwehrsprecher, es gebe in der Landeshauptstadt seit vielen Jahren keine Sirenen mehr. Sie seien nach dem Ende des Kalten Kriegs nach und nach abgebaut worden. In sozialen Netzwerken äußerten sich viele Nutzer verwundert darüber, dass Sirenen nicht heulten. Der Gehörlosen-Bund twitterte scherzhaft: "Also, wir haben nix gehört."

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, bezeichnete den Warntag als "Fiasko". Statt die Bevölkerung mit den Warnsystemen vertraut zu machen, habe der Tag gezeigt, dass diese nicht vernünftig funktionierten. "Im Bereich Katastrophen- und Bevölkerungsschutz gibt es praktisch in ganz Deutschland dringenden Handlungsbedarf", so Theurer. Die Bundesregierung müsse jetzt das Versagen der verschiedenen Systeme aufarbeiten und konkrete Lösungen präsentieren.

Warntag künftig ein Mal im Jahr

Die Tatsache, dass an vielen Orten die Sirenen nicht wahrgenommen worden seien, zeige, dass man verschiedene "Warnwege und Warn-Endgeräte" brauche, sagte BBK-Präsident Unger. Sirenen nur lauter zu stellen, würde heute nicht mehr funktionieren. "Wir brauchen den Mix." Der nächste große Probealarm sei für September des nächsten Jahres geplant "und bis dahin müssen wir die Defizite bereinigt haben", so Unger.

Für den Probealarm ist auf Bundesebene das BBK zuständig, in den Bundesländern die Innenministerien. Außerdem sind in den Kommunen in der Regel die für Katastrophenschutz zuständigen Behörden beteiligt. Der bundesweite Warntag soll auf Gefahrenlagen wie Überschwemmungen, Chemieunfälle oder auch Terroranschläge vorbereiten. Nach einem Beschluss der Innenministerkonferenz findet er künftig jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September statt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. September 2020 um 14:00 Uhr.

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