Grüne Buchen stehen in einem Wald vor abgestorbenen Lärchen. | Bildquelle: picture alliance/dpa

Waldsterben nimmt zu Deutsche Bäume in Not

Stand: 17.10.2020 13:29 Uhr

Deutschlands Wäldern geht es seit Jahren schlecht, weil es zu wenig regnet. Zuletzt hat sich die Lage in vielen Regionen weiter verschlechtert. Die Natur leidet - für Waldbesitzer auch ein finanzielles Desaster.

Der Zustand der deutschen Wälder hat sich in diesem Jahr weiter verschlechtert. Die Arbeitsgemeinschaft der Waldbesitzerverbände (AGDW) spricht von einer "katastrophalen" Lage. "Das dritte Dürrejahr in Folge hat zu einem weiteren Absterben ganzer Waldflächen geführt", sagte AGDW-Sprecherin Larissa Schulz-Trieglaff.

Vor allem die Bundesländer Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg seien betroffen. Denn mit Ausnahme des bayrischen Südens war auch dieser Sommer in den meisten Regionen Deutschlands trockener als üblich, wie die Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigen.

Trockene Bäume sind anfälliger für Krankheiten

Die Trockenheit schwächt die Bäume und erhöht die Anfälligkeit für Baumkrankheiten. Sterben Bäume ab oder sind sie schwer geschädigt, zählen sie als sogenanntes Schadholz.

Ganz aktuelle bundesweite Daten gibt es nicht, doch ist die Lage in den großen Flächenländern repräsentativ: So rechnet der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr mit 16,2 Millionen Festmeter Schadholz - 400.000 Festmeter mehr als 2019. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter.

Absterbende Sitkafichten stehen im Revier Steinfelder Holz des Forstamtes Billenhagen bei Rostock, die Trockenheit der letzten Jahre haben sie nicht überstehen können. | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Sitkafichten, wie hier im Revier Steinfelder Holz bei Rostock, sterben zunehmend ab. Sie können die anhaltende Trockenheit der vergangenen Jahre oft nicht überstehen.

Ein Teufelskreis am Beispiel des Käfers

Die Fläche abgestorbener oder schwer geschädigter Waldstücke nimmt fast überall zu. Am schwersten getroffen sind deutschlandweit Nadelbäume - Fichten und Kiefern. Dürre begünstigt in doppelter Hinsicht die Ausbreitung von Borkenkäfern, die vor allem diese beiden Baumarten befallen. Einerseits vermehren sich die Insekten bei warmem und trockenem Wetter schneller. Regnet es genug, können die Bäume die Käfer abwehren: Sie bilden Harz und verkleben die Schädlinge in deren Fraßgängen.

Doch ist es zu trocken, fehlt Feuchtigkeit für die Harzbildung. Die Folge ist die explosionsartige Vermehrung der Käfer, die befallenen Bäume sterben innerhalb kurzer Zeit ab. Tote Bäume, die mangels Zeit und Personal nicht aus dem Wald geräumt werden können, bieten den Insekten dann wieder gute Brutbedingungen - ein Teufelskreis für Förster und Waldarbeiter.

Nach Kiefern auch zunehmend Laubbäume betroffen

In Ostdeutschland ist die durchschnittliche Regenmenge ohnehin geringer als im Westen. Hauptbaumart in Brandenburg ist dementsprechend die genügsame Kiefer. Doch Dauerdürre vertragen auch Kiefern nicht. 2019 gab es in Brandenburg "flächige Absterbeerscheinungen", wie es im Bericht des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde heißt. Forstleute beobachten mit Besorgnis, dass zunehmend auch Laubbäume leiden, etwa Rotbuchen oder Trauben- und Stieleiche.

Staatliche Forstbetriebe und private Waldbesitzer rätseln mittlerweile bundesweit, welche Bäume sie überhaupt noch nachpflanzen können. "Niemand kann vorhersagen, wie sich das Klima in den nächsten Jahren entwickelt und ob eine erneute Trockenheit im kommenden Jahr die Setzlinge, die in diesem Jahr gepflanzt wurden, wieder zerstört", sagt Schulz-Trieglaff.

Waldschäden auch ein wirtschaftlicher Faktor

Doch nicht nur die Natur leidet, die Waldschäden sind für private und staatliche Waldbesitzer auch ein finanzielles Desaster. Da die Fichte nach wie vor der wichtigste Wirtschaftsbaum ist, hat die Borkenkäferplage der vergangenen Jahre in ganz Mitteleuropa zum Absturz der Holzpreise geführt. Am Freitag meldeten die Bayerischen Staatsforsten, der größte deutsche Forstbetrieb, einen Nettoverlust von 80 Millionen Euro. Für 2021 erwartet der Vorstand noch schlechtere Zahlen.

Die Arbeitsgemeinschaft der Waldbesitzerverbände fordert daher finanzielle Hilfen, um die Klimaschutzleistung des Waldes zu honorieren. Denn: "Wald und Holz nehmen rund 127 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr auf", erklärt Schulz-Trieglaff.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Oktober 2020 um 12:00 Uhr.

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