Zerstörter Laden in Waldkraiburg | Bildquelle: dpa

Anschläge in Waldkraiburg Bundesanwaltschaft ermittelt

Stand: 19.05.2020 16:53 Uhr

Eine Serie von Anschlägen auf Geschäfte türkischstämmiger Inhaber in Bayern soll auf das Konto eines selbsternannten IS-Anhängers gehen. Nun schalten sich Deutschlands oberste Ermittler ein. Der Fall habe besondere Bedeutung.

Nach Anschlägen auf Geschäfte türkischstämmiger Inhaber im oberbayerischen Waldkraiburg hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen. Grund sei die besondere Bedeutung des Falls, sagte der Sprecher der Bundesanwaltschaft der Nachrichtenagentur dpa. Außerdem bestehe der Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Seit April waren in Waldkraiburg (Landkreis Mühldorf am Inn) die Scheiben dreier türkischer Läden eingeschlagen und ein Feuer in einem Gemüseladen gelegt worden. Sechs Menschen wurden verletzt. Vor anderthalb Wochen hatte die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Fast zwei Dutzend funktionsfähige Rohrbomben wurden bei ihm gefunden, kiloweise Chemikalien und eine Pistole.

Motiv: "Hass auf Türken"

Der in Deutschland geborene Mann hat die Anschläge gestanden. Der 25-Jährige hatte sich selbst als IS-Kämpfer bezeichnet und "Hass auf Türken" als Motiv angegeben. An einer direkten Verbindung zur Terrormiliz zweifeln die Ermittler allerdings. Sie gehen davon aus, dass der Mann allein gehandelt hat.

Der Verdächtige sitzt seither in Untersuchungshaft. Wegen des Brandanschlags mit sechs Verletzten wird ihm auch versuchter Mord vorgeworfen. Vor allem auch wegen dieser Tat misst die Bundesanwaltschaft dem Fall besondere Bedeutung bei.

Offenbar Anschläge auf Moscheen geplant

Weder die Bundesanwaltschaft noch die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus bei der Generalstaatsanwaltschaft München oder die oberbayerische Polizei machten zu Details Angaben. Laut einem "Spiegel"-Bericht plante der Verdächtige allerdings Attentate auf Moscheen und Imame.

Wie das Magazin online berichtete, soll es um Sprengstoff- und Bombenanschläge unter anderem auf Gotteshäuser des türkischen Moschee-Verbandes Ditib in der Umgebung von Waldkraiburg sowie auf die Ditib-Zentral-Moschee in Köln gehen. Die Imame habe er erschießen wollen. Außerdem soll er einen Bombenanschlag auf das türkische Generalkonsulat in München vorbereitet haben.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Mai 2020 um 16:45 Uhr.

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