Hubschrauber der Bundespolizei mit Löschwasser-Außenlastbehälter über einem Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz. | dpa

Feuer in Sachsen und Brandenburg Keine Entwarnung in Waldbrandgebieten

Stand: 29.07.2022 11:57 Uhr

Seit Tagen brennt es in Sachsen und Brandenburg. Im Nationalpark Sächsische Schweiz wurden weitere Brandnester entdeckt. In Südbrandenburg gilt die Lage vorerst als stabil, Entwarnung geben die Einsatzkräfte jedoch nicht.

Die Einsatzkräfte im Nationalpark Sächsische Schweiz kämpfen gegen eine weitere Ausbreitung des Waldbrandes. Es seien nun auch jenseits des Flusses Kirnitzsch Brandnester entdeckt und gelöscht worden, sagte der Sprecher des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die Brandbekämpfer hätten eigentlich gehofft, dass die Kirnitzsch für den Brand wie eine natürliche Barriere wirke.

Mehr als 300 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen, unterstützt von Wasserwerfern der Landespolizei. Sieben Löschhubschrauber seien im Einsatz, zudem machen zwei Hubschrauber auch mit Wärmebildkameras Aufklärungsflüge. Wie der MDR berichtete, werden im Laufe des Tages auch zwei Löschhubschrauber aus Schweden erwartet. Auch Italien hatte zwei Löschhubschrauber geschickt, diese aber wegen Bränden im eigenen Land wieder abziehen müssen.

Eine Sprecherin des Landratsamts Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sprach von einer weiterhin "sehr, sehr angespannten Lage". Der Landkreis sprach eine Warnung für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wegen einer "erhöhten Belastung der Atemwege durch witterungs- und brandbedingte Rauchbelastung" aus.

Den Angaben zufolge stehen etwa 250 Hektar Waldfläche in Flammen. Das Feuer war am Wochenende im Nationalpark Böhmische Schweiz in Tschechien ausgebrochen und hatte dann auf den Nationalpark Sächsische Schweiz übergegriffen. In Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz gilt der Katastrophenalarm.

Gemeinsame Waldbrandbekämpfung

Sachsen und Tschechien intensivieren inzwischen die gemeinsame Bekämpfung der Waldbrände. Für einen länderübergreifenden Einsatz von Löschhubschraubern hätten sich beide Länder gegenseitig Überflugrechte von bis zu 20 Kilometern über ihren Territorien eingeräumt, teilte Sachsens Innenminister Armin Schuster mit. Damit könnten deutsche Piloten Wasser auch aus der Elbe in Tschechien aufnehmen.

Über ein von der NATO freigegebenes geschlossenes Funkfrequenzband könnten Piloten aus beiden Ländern gemeinsam kommunizieren, womit sich die Einsätze besser aufeinander abstimmen ließen. Schuster hatte sich nach Ministeriumsangaben zuvor im tschechischen Grenzort Hrensko mit dem tschechischen Vize-Innenminister Jiří Nováček auf die gemeinsamen Maßnahmen verständigt.

Schuster und Nováček vereinbarten auch, dass Verbindungsbeamte aus beiden Ländern in den Krisenstäben der jeweiligen Nachbarregion mitarbeiten sollen.

Elbwasser für Löscharbeiten

Tschechien lässt für die Löscharbeiten bereits mehr Wasser aus seinem System von Stauanlagen in die Elbe ab. Der Abfluss aus der sogenannten Moldau-Kaskade werde um 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde erhöht, twitterte der tschechische Landwirtschaftsminister Zdenek Nekula. Pro Tag seien das mehr als 1,7 Millionen Kubikmeter Wasser zusätzlich.

Die Moldau-Kaskade umfasst unter anderem die großen Stauseen Orlik und Lipno im Südwesten der Tschechischen Republik. Bei Melnik mündet die Moldau in die Elbe.

Einsatzkräfte in Brandenburg aufgestockt

Beim Bekämpfen des großen Waldbrandes im Süden Brandenburgs war die Zahl der Einsatzkräfte zwischenzeitlich nochmals auf bis zu 400 aufgestockt worden. Mittlerweile sind Angaben des Elbe-Elster-Kreises zufolge noch etwa 250 Einsatzkräfte vor Ort.

"Die aktuelle Herausforderung beim Großbrand Kölsa-Rehfeld besteht nach wie vor darin, Glutnester rechtzeitig aufzuspüren und dann zu verhindern, dass offenes Feuer entsteht", sagte ein Sprecher des Landkreises. Insgesamt sei die Lage stabil. "Aber es gibt noch keinen Grund zur Entwarnung."

Bundeswehr im Einsatz

Die Bundeswehr ist mit zwei Pionierpanzern und einem Löschpanzer im Einsatz. Mithilfe der Panzer sollen Wege für die Löschkräfte durch das unwegsame Gelände angelegt und Schneisen geschlagen werden, damit sich Flammen nicht mehr so schnell ausbreiten können.

Außerdem ist die Bundeswehr mit sieben Hubschraubern zur Erkundung und zum Löschen im Einsatz, wie es weiter hieß. Die Wassertanks der Helikopter fassen bis zu 5000 Liter. Das Wasser wird aus dem nahen Kiebitzsee bezogen, der für Badegäste derzeit gesperrt ist. Auch Wasserwerfer der Polizei und Tanklöschfahrzeuge der Bundeswehr unterstützen die Arbeiten vor Ort.

Ein Löschpanzer aus Sachsen hilft in munitionsbelastetem Gebiet bei der Brandbekämpfung in Brandenburg.

Brandbekämpfung auf 600 Hektar

Der Waldbrand war zu Wochenbeginn ausgebrochen und hatte sich sehr schnell auf rund 800 Hektar ausgebreitet. Aktuell erstrecke sich die Brandbekämpfung auf ein Gebiet von 550 bis 600 Hektar, sagte der Kreissprecher.

Der Verwaltungsstab halte vorerst an der ausgerufenen sogenannten Großschadenslage fest, weil überörtliche Einsatzkräfte und Kapazitäten weiter dringend benötigt werden und die Lage mit eigenen Kräften allein nicht zu bewältigen sei, hieß es.