Ein vom Borkenkäfer zerstörter Fichtenwald in Niedersachsen. | dpa

Waldschäden Klöckner plant massive Aufforstung

Stand: 29.08.2019 15:20 Uhr

Dürre und Borkenkäfer haben massive Schäden in deutschen Wäldern verursacht, große Flächen wurden zerstört. Landwirtschaftsministerin Klöckner kündigte nun Wiederaufforstung und einen Waldumbau an.

Angesichts massiver Waldschäden in Deutschland hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner eine Wiederaufforstung angekündigt. Mehrere Millionen Bäume sollen neu gepflanzt werden. "Wir haben eine Zäsur draußen im Wald", sagte die CDU-Politikerin nach einem Treffen mit Waldbesitzern, Vertretern der Forstwirtschaft, Naturschützern und zuständigen Behörden zum Thema "Wald im Klimawandel".

Im vergangenen Jahr seien durch Stürme, Dürre, Brände und Borkenkäferbefall mehr als 110.000 Hektar Wald verloren gegangen - das entspricht etwa der Fläche von Berlin und Potsdam zusammen. Laubbäume hätten jetzt schon gelbe Blätter. Gestandene Buchen vertrockneten von oben wie von unten, weil die Wurzelteller nicht tief genug gewachsen seien.

Infografik "Der deutsche Wald" |

Weiterer Waldumbau nötig

Eine Milliarde Pflanzen stünden in Baumschulen bereit und könnten zügig eingesetzt werden, sagte Klöckner. Beim Forstpersonal gebe es allerdings einen enormen Engpass. Einstellungsstopps in einigen Bundesländern seien da ein Problem.

Auch sei ein weiterer Waldumbau nötig. Künftig könne nicht mehr Fichte auf Fichte folgen, Ziel seien standort- und klimaangepasste Mischwälder. Bei der Wahl geeigneter Baumarten müsse je nach Standort entschieden werden. Die häufigsten Bäume sind derzeit Nadelbäume, die lange Hitzeperioden nicht gut vertragen.

"Hätten wir den Wald nicht, dann hätten wir 14 Prozent mehr CO2-Emissionen", sagte Klöckner. Im Sinne des Gemeinwohls müsse der Wald noch stärker an den Klimawandel angepasst werden. Dazu müsse neben der Aufforstung auch beschädigtes Holz herausgebracht werden. Bei den Nothilfen setzte sie auf übergreifendes Vorgehen. Es gehe nicht darum, Verluste einzelner Waldbesitzer zu kompensieren.

Zur Höhe staatlicher Zuschüsse äußerte sich Klöckner vorerst nicht. Sie machte jedoch deutlich, dass aus Sicht des Bundes eine Größenordnung von rund einer halben Milliarde Euro über vier Jahre realistisch sein könnte. Konkretere Festlegungen sollen für einen "Waldgipfel" von Bund und Ländern am 25. September vorbereitet werden.

Milliardenhilfen gefordert

Forstwirtschaft und Waldbesitzer hatten zuvor Soforthilfen in Milliardenhöhe für den gesamten Wald in Deutschland gefordert. Notwendig seien 2,3 Milliarden Euro für die schnelle Beseitigung der Schäden und die Wiederbewaldung, erklärten der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) am Mittwoch. Die Auswirkungen des Klimawandels hätten zu einer "Krise in den Wäldern" geführt.

Seit vergangenem Jahr gehen in Deutschland großflächig Bäume ein. Hitze, Trockenheit, Stürme und auch Waldbrände richten massiven Schaden an. Insbesondere Schädlingsbefall etwa durch Borkenkäfer vernichtet große Flächen.

Infografik Baumarten |

Alle Baumarten betroffen

Laut DFWR-Präsident Georg Schirmbeck sind von den Schäden alle Baumarten betroffen. Wichtig sei, vor allem von Borkenkäfern befallene Fichten möglichst schnell aus den Wäldern herauszubekommen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Gepflanzt werden müsse dann "eine riesige Menge an Bäumen", die auch erst herangezogen werden müssten. Dafür kämen auch klimaangepasstere Arten wie Douglasien in Frage.

Die Regierung müsse "jetzt von der Bremse gehen", forderte Schirmbeck in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er warnte vor einer Verschärfung der Lage. Wenn Hitze und Trockenheit weiter anhielten, würden ganze Waldgebiete verlorengehen. Der Borkenkäferbefall in vielen ausgedörrten Wäldern habe sich seit Jahresbeginn verdoppelt.

Grüne fordern "Waldzukunftsfonds"

Die Grünen fordern einen "Waldzukunftsfonds" des Bundes über eine Milliarde Euro. Die Vergabe der Gelder solle an ökologische Kriterien gekoppelt werden, sagte Fraktionschef Anton Hofreiter der Zeitung "Passauer Neuen Presse". Das Zeitalter der Nadelholz-Forstplantagen müsse ein Ende haben, stattdessen brauche es mehr Öko-Wälder.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. August 2019 um 13:00 Uhr.