Ausgetrockneter mit Reisig bedeckter Boden in einem Waldgebiet rund um den Müggelsee | dpa

Trockenheit Wäldern droht das nächste Dürrejahr

Stand: 03.04.2021 05:01 Uhr

Bäume zapfen die Wasser-Reservoirs tief unter der Erde an. Doch die Wasser-Vorräte könnten auch in diesem Sommer knapp werden. Experten entwickeln Strategien dagegen.

Von Birgit Schmeitzner und Claudia Plaß, ARD-Hauptstadtstudio

Die Temperaturen steigen, die Krokusse schieben sich durch die feuchte Erde nach oben, Sträucher und Bäume treiben aus. Die Pflanzen haben derzeit genug Wasser - das belegt der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. Schaut man allerdings tiefer in den Erdboden hinein, sieht es schlechter aus: je weiter unten, desto trockener. Die Karten des Dürremonitors zeigen rote Stellen besonders in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, im Rhein-Main-Gebiet und in Unterfranken.

Birgit Schmeitzner ARD-Hauptstadtstudio
Claudia Plaß ARD-Hauptstadtstudio

Der Klimaforscher Andreas Marx, der den Dürremonitor betreut, sorgt sich. Marx sagte dem ARD-Hauptstadtstudio, in tieferen Erdschichten sei zu wenig Wasser im Boden, seit 2018 sei das jetzt schon "die vierte Vegetationsperiode in Folge".

Nicht mehr erholt

Gerade für die Wälder heißt das: Ihnen droht nun das vierte Dürrejahr. Bäume zapfen tiefer gelegene Wasser-Reservoirs an, die sich seit dem sehr trockenen Jahr 2018 nicht mehr erholt haben.

Marx hält es für wahrscheinlich, dass auch in diesem Sommer zu wenig Wasser vorhanden sein wird, und nennt zwei Gründe: Ein großer Teil des Niederschlags werde verdunsten. Und: Bei Gewittern komme zwar schnell viel Wasser zusammen - das könne aber schlecht in den Boden eindringen und laufe deshalb "oberflächlich zu den Flüssen" ab.

Milliardenhilfen für Waldbesitzer

Auch Bundeswaldministerin Julia Klöckner (CDU) ist besorgt. Der Boden sei "tiefgründig ausgetrocknet und zum Wiedervernässen braucht es je nach Standort Wochen oder sogar Monate".

Klöckners Ministerium hat zahlreiche Hilfen für Waldbesitzer auf den Weg gebracht, insgesamt stehen 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Das Ziel: Wälder wiederaufforsten und umbauen, und zwar so, dass sie besser mit "Trockenstress" umgehen können. Dann sind sie auch widerstandsfähiger gegen Schädlinge wie den Borkenkäfer.

Ein "bunter" Wald hat es leichter

Welche Bäume für den nachhaltigen Umbau der Wälder geeignet sind, erforscht das Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde.

Vor 50 Jahren wurden hier gängige Arten wie Buchen, Kiefern und Douglasien gepflanzt, später kamen Eichen dazu, neuerdings Winterlinde und Ahorn. Spezielle Versuchsfelder bringen Daten, wie viel Wasser die Bäume verbrauchen, wie sie wachsen und wie sich das Grundwasser unter ihnen entwickelt. Tanja Sanders leitet das Projekt und ist überzeugt: "Je bunter der Wald", desto besser für das Ökosystem. Es gehe also darum, Monokulturen zu ersetzen durch ein breites Artenspektrum mit mindestens vier Baumsorten, die zueinander passen.

Klimawandel: Dürren bleiben ein Problem

Im Wald sind die Schäden durch den Klimawandel sehr deutlich sichtbar, die Dürre betrifft aber auch andere Bereiche. Zum Beispiel die Energieerzeugung, die Binnenschifffahrt, den Tourismus und die Landwirtschaft - auch wenn für sie das Wasser im tiefen Erdboden nicht so entscheidend ist wie für den Wald. Mit Blick auf den Klimawandel sagt Forscher Marx, das Dürreproblem werde "sicher nicht kleiner".

Deswegen sei eine langfristige Strategie nötig: "Wer darf wann zu welchem Zweck welches und wie viel Wasser nutzen?" Gut, dass die Bundesregierung dieses Projekt angeschoben habe.

Wasserstrategie 2050

Im Juni will das Bundesumweltministerium die Strategie vorlegen, wie Deutschland im Jahr 2050 die Wasserversorgung für Mensch und Umwelt sichern kann.

Ministerin Svenja Schulze (SPD) sagte dem ARD-Hauptstadtstudio: "Dass Deutschland ein wasserreiches Land ist, ist leider keine Selbstverständlichkeit mehr." Das Ziel der Ministerin lautet: Vorbeugen, um nicht im Zukunft "irgendwem den Hahn abdrehen zu müssen". Die Strategie soll unter anderem Konzepte für das Speichern von Wasser und Anreize zum Wassersparen enthalten. Ohne die Kommunen wird das nicht gehen. Und laut Schulze muss sich neben der Forstwirtschaft auch die Landwirtschaft Gedanken machen, wie sie zu einer nachhaltigen Wassernutzung beitragen kann.

Risikostreuung und gezielte Beregnung

Auch Öko-Landwirt Johann Gerdes ist sich sicher: Ein "Weiter-So" führt in eine Sackgasse. Gerdes hat einen Ackerbaubetrieb im östlichen Brandenburg, er baut klassisches Getreide wie Roggen an, aber auch Sojabohnen, Kresse und Lupine. Vielfalt auf dem Acker also. Gerdes setzt damit auf eine "Risikostreuung" - ein Baustein der geplanten Wasserstrategie.

Mit der Abwechslung auf dem Acker will sich Gerdes gegen die Häufung von Wetterphänomenen wappnen. Und weil seine Erträge zuletzt wegen der Trockenheit gesunken sind, macht er sich auch Gedanken über das Wassermanagement. Er ist für einen gezielten Wassereinsatz: nicht den Mais für die Biogasproduktion beregnen, sondern die Pflanzen, die hochwertige Lebensmittel für den heimischen Markt produzieren.

Digitalisierung kann helfen

Wertvolle Hinweise für ein nachhaltiges Wassermanagement können Fachleute geben, die sich schon in trockeneren Regionen der Erde mit dem Thema befasst haben.

Die Agrarwissenschaftlerin Regina Birner von der Universität Hohenheim hat Projekte in Afrika und Indien betreut und berät die Bundesregierung als Mitglied des Bioökonomierates. Birner sieht etwa die "Präzisionslandwirtschaft" als guten Weg. Die Technik wie Sensoren und GPS sei vorhanden, die Internetabdeckung im ländlichen Raum aber nicht überall.

Die Ausbildung der künftigen Landwirte sei noch eine Herausforderung. Und auch die Kosten für eine wassersparende Bewässerungstechnik dürfe man nicht unterschätzen. Das wasserreiche Deutschland sei früher "von der Natur verwöhnt" worden, sagt Birner. Jetzt habe es die Chance, die künftige Nutzung der Ressource Wasser vorausschauend zu planen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 03. April 2021 um 10:35 Uhr.

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KOMMENTARE

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Der Lenz 03.04.2021 • 16:10 Uhr

@ schabernack um 13:39

>. Vegetation in den Städten hilft Hitze mindern, macht das regionale Klima viel besser. In den großen Städten in Asien begrünt man Dächer & Fassaden, weil die Bebauung so eng & dicht ist, dass es schon lange keinen "Stadtwald" mehr gibt. Hierbei das Dilemma … dicht in der Stadt … oder viel Flächenverbrauch außerhalb.< Als Stadtbewohner würde ich im Zweifel für eine aufgelockert Vergrößerung der Städte plädieren; den Flächenverbrauch am Rand kann man ja durch den Abriss der nicht mehr benötigten Bauten auf dem Land kompensieren -> die Städte wachsen ja vor allem durch Landflucht. Eine Nachverdichtung hingegen ist klimatisch nachteilig, als Temperatursenken können nur relativ große Flächen dienen; kleine wie begrünte Dächer können die Termik nicht umkehren, keine Kaltluft aus der Höhe heranführen. Das macht die Kleinen Begründungen nicht sinnlos, aber wirklich "Stark" sind sie nur im Verbund.