Tote Nadelbäume in einem Wald bei Waldshut-Tiengen, Baden-Württemberg | Bildquelle: dpa

Waldbrandgefahr Forst und Förster im Stress

Stand: 21.04.2020 19:40 Uhr

Der Wald hat auch dieses Jahr wieder mit Trockenheit zu kämpfen: Statt launischem Aprilwetter fast nur Sonne und kaum Regen. Die Folge: Blätter und Holz können zum Brandbeschleuniger werden.

Von Juri Sonnenholzner, SWR

"April, April - der macht, was er will", lautet die alte Bauernweisheit. Sie soll daran erinnern, wie schnell sich im April Sonne, Schauer und Schnee abwechseln können und wie unbeständig das Wetter in diesem Monat ist.

Davon merkt Siegfried Weiter dieses Jahr allerdings nichts. Wenn der Förster über den Boden des Waldes in Herxheim in der Südpfalz läuft, knistert und knackt es, nichts gibt feucht und lautlos nach. "Es liegen noch das trockene Laub und dürre Äste vom Winter, die noch nicht von Bodenlebewesen verarbeitet wurden", erklärt er. "Dazu kommen die warmen, sonnigen Tage und der Wind. Diese Kombination ist dieses Jahr besonders heftig."

Zu viel Sonne und Wind

Hier inmitten der oberrheinischen Tiefebene gab es seit mehr als vier Wochen kaum Niederschläge. Auch in anderen Teilen Deutschlands verzeichnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) kaum April-Regen. Nach seinen Berechnungen fielen von Mitte März bis jetzt verbreitet weniger als zehn Liter auf den Quadratmeter - fast so wenig Regen wie 2007. Damals fielen vielerorts weniger als zwei Liter. Normalerweise sind es mehr als 50 Liter.

Hinzu kommt, dass der vergangene Sommer sehr trocken war. So fehlt es auch in tieferen Bodenschichten an Wasser. Und der Wind trocknet die Bodenoberfläche noch weiter aus. Es könnte der sonnigste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden, sind sich Meteorologen sicher.

Feuerwehrleute in einem verrauchten Wald bei Lübtheen. | Bildquelle: dpa
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Waldbrände halten immer wieder Dutzende Feuerwehrleute in Atem. Bereits jetzt im April ist der Waldboden viel zu trocken.

Waldbrandgefahr wächst

Die Folge zeigt Förster Weiter: An einem Waldweg liegen schwarze Äste in Asche. Ein Feuer hat hier die Rinde mehrerer Baumstämme verkohlt und schon Anfang April 50 Feuerwehrleute in Atem gehalten. Mittlerweile ist die Waldbrandgefahr weiter gestiegen. "Es wird oft verkannt, dass vor allem das Frühjahr besonders heikel ist." Zu viel Überbleibsel von Herbst und Winter liegen noch herum: Blätter und Totholz, die nun, vom Wind wie durch einen Haarfön getrocknet, wie Brandbeschleuniger wirken können.

In Nordrhein-Westfalen verursachten bereits gleich mehrere Waldbrände größere Schäden und stundenlange Einsätze der Feuerwehren. In Gummersbach östlich von Köln und im Kreis Olpe standen Wälder in Brand; in Schleswig-Holstein brannten im Wilden Moor bei Rendsburg Büsche und Sträucher auf etwa 400 Quadratmeter Fläche; in Thüringen gerieten wohl Lagerfeuer außer Kontrolle und sorgten für kleinere Waldbrände im Thüringer Wald und bei Saalfeld.

Dringender Appell an Waldbesucher

Der Waldbrandgefahrenindex ist dem DWD zufolge in vielen Teilen Deutschlands mittlerweile auf der höchsten Stufe fünf angelangt. Hohe bis sehr hohe Waldbrandgefahr besteht vom östlichen Niedersachsen bis nach Brandenburg hinein sowie im Süden und Südwesten Deutschlands.

Die Behörden appellieren an die Waldbesucher, das Rauchverbot im Wald einzuhalten und Lager- und Grillfeuer nur an gekennzeichneten Feuerstellen zu entfachen. Oft seien viele aber auch sorglos, indem sie ihr Auto gleich im Wald und nicht auf ausgewiesenen Parkplätzen abstellen. Heiße Katalysatoren entzünden dann, was unter dem Auto auf dem Boden liegt. "Mehr als 90 Prozent unserer Waldbrände sind vom Menschen gemacht", ärgert sich der Förster. Er sehnt sich nach Wasser von oben.

Zu wenig Regen in Sicht

Vom Wochenende an werden Niederschläge lokal etwas wahrscheinlicher. Doch Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des DWD, macht Förster Weiter wenig Hoffnung: "Die Regenmengen dürften vorerst nicht ausreichen, um die aktuelle Trockenheit flächendeckend und nachhaltig zu beenden." Ob der Mai nach dem voraussichtlich sehr trockenen April mehr Niederschlag bringt, lasse sich zurzeit noch nicht abschätzen.

"So ein Landregen wäre das Ideale. Weniger Sonne und weniger Wind. Diese drei Faktoren wünschten wir uns für den Rest des Frühjahrs", sagt Weiter. Nicht nur die Bäume leiden, auch der Förster leidet unter Trocken-Stress.

Über dieses Thema berichteten am 21. April 2020 Deutschlandfunk um 11:37 Uhr und Inforadio um 16:25 Uhr.

Korrespondent

Juri Sonnenholzner | Bildquelle: SWR/Alexander Kluge Logo SWR

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