Hand an Wahlurne in Puettlingen  | Bildquelle: REUTERS

Erhebung der Sonntagsfrage Kann man Wahlergebnisse vorhersagen?

Stand: 23.08.2019 00:39 Uhr

Egal ob Landtags- oder Bundestagswahlen, vorab gibt es viele Umfragen. Alle schauen gespannt auf die sogenannte Sonntagsfrage und ihre Ergebnisse. Doch wie viel sagen die über den Ausgang der Wahl aus?

Von Juliane Fliegenschmidt, WDR

"Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl oder Landtagswahl wäre?" So lautet die Sonntagsfrage bei Infratest dimap, dem Institut, das für die ARD die Umfragen durchführt. Einmal im Monat wird diese Frage für den ARD-DeutschlandTrend gestellt. Besondere Aufmerksamkeit bekommt die Beantwortung der Frage vor Wahlen, weil viele hoffen, daraus ablesen zu können, wie die Wahl ausgeht.

#kurzerklärt: Kann man ein Wahlergebnis vorhersagen?
23.08.2019, Juliane Fliegenschmidt, WDR

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Aber Wahlforscher sind keine Wahrsager. Die Meinungsforscher machen mit der Sonntagsfrage nur eine Momentaufnahme der politischen Stimmung zum Zeitpunkt der Umfrage selbst. In die Zukunft - auf den Wahltag - können sie damit nicht schauen. Danach kann sich die Wählermeinung noch stark verändern. Denn inzwischen entscheiden sich viele immer später - rund ein Drittel sogar erst in der Woche vor der Wahl oder am Wahltag selbst.

Wie wird die Sonntagsfrage gemacht?

Das ändert aber nichts daran, dass das Stimmungsbild der Sonntagsfrage natürlich präzise sein soll: Mitarbeiter von Infratest dimap sprechen mit mindestens 1000 Wahlberechtigten. Weil immer mehr Menschen kein Festnetz-Telefon haben, werden bei bundesweiten Umfragen 60 Prozent Festnetz- und 40 Prozent Handynummern angerufen. Die Nummern werden von einem Computer per Zufall festgelegt.

Bei den Festnetznummern wird darauf geachtet, dass die Befrager Wahlberechtigte entsprechend der regionalen Verteilung in Deutschland erreichen. Damit wird verhindert, dass einzelne Regionen - etwa Niedersachen - ein Übergewicht in der Umfrage haben. Das ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass die Umfrage repräsentativ ist. Theoretisch kann aber jede Nummer angerufen werden und die Befragten werden zufällig ausgewählt.

Vorsicht bei Online-Umfragen

Online-Umfragen erfüllen diese Kriterien nicht - und gelten deshalb als nicht aussagekräftig. Denn hier können nur Menschen mitmachen, die einen Internetzugang haben und diese spezielle Seite auch lesen. Außerdem klicken vor allem Menschen, die ein besonderes Interesse an dem Thema der Umfrage haben, diese dann auch an. Und hinzu kommt noch, dass die User meistens so oft abstimmen können, wie sie wollen.

Arbeitnehmerin an einem Laptop | Bildquelle: dpa
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Befragung im Internet: Diese erfüllen nicht die Kriterien für eine repräsentative Umfrage.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Bei repräsentativen Umfragen müssen die gewonnenen Antworten noch "gewichtet" werden. Das heißt: Wenn unter den Befragten zum Beispiel der Frauenanteil geringer war als er eigentlich in der Bevölkerung ist, zählen die Antworten von Frauen entsprechend mehr. Genauso wird es mit anderen Faktoren wie dem Alter oder der Haushaltsgröße gemacht. Am Ende steht dann ein repräsentatives Ergebnis.

Selbstbeschränkung der ARD

Die ARD veröffentlicht die Ergebnisse der letzten Sonntagsfrage immer zehn Tage vor der Wahl. Diese Selbstbeschränkung ist freiwillig. Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens: Auch kurz vor der Wahl schwanken die Umfrage-Ergebnisse noch stark, weil sich viele Wähler eben erst am Wahltag selbst entscheiden.

Zweitens wählen immer mehr per Brief. Bei der Bundestagswahl 2017 waren es fast 30 Prozent, bei der Landtagswahl in Bayern 2018 sogar fast 40 Prozent. Viele dieser Briefwähler sind in den Tagen vor der Wahl gar nicht zu erreichen, damit werden die Umfragen ungenauer.

Aber vor allem der dritte Grund wiegt schwer: Wähler orientieren sich auch an Umfragen. Die ARD schließt mit der Zehn-Tage-Frist aus, dass eine Last-Minute-Sonntagsfrage das Wahlergebnis beeinflussen könnte.

Wie geht es nach der Vorwahlumfrage weiter?

Am Wahlabend selbst warten dann alle auf die 18-Uhr-Prognose. Dabei handelt es sich eben nicht mehr um eine Vorwahlumfrage. Für die Prognose werden stichprobenartig Wähler nach der Wahl am Ausgang des Wahllokals befragt. Sie können noch einmal abstimmen und einen Zettel in eine Box von Infratest dimap werfen. Diese Zettel werden stündlich ausgezählt und von den Wahlforschern ausgewertet. Die daraus entstehende Prognose gibt es nur einmal - um 18 Uhr.

Danach werden Hochrechnungen veröffentlicht. In sie fließen dann schon reale Ergebnisse aus den Wahllokalen ein. Je später es wird, desto näher kommen die Hochrechnungen dem Endergebnis.

Kritik an Meinungsforschern

Auch wenn klar ist, dass Umfragen keine Prognosen oder Vorhersagen sind, werden Meinungsforscher oft kritisiert. 2018 wurden aber in einer internationalen Studie über 30.000 Umfragen der vergangenen 75 Jahre verglichen. Das Ergebnis: Die Abweichungen zwischen Umfragen und Endergebnissen sind eher kleiner geworden.

Und auch beim ARD-DeutschlandTrend, den es seit 1997 gibt, sind die Abweichungen der Sonntagsfrage zum Ergebnis über die Jahre kleiner geworden. Und trotzdem: Um klar zu machen, dass es nur eine Momentaufnahme ist, kommt auf die letzte Sonntagsfrage vor der Wahl ein Stempel - "keine Prognose".

Über dieses Thema berichtete das Nachtmagazin am 22. August 2019 um 00:15 Uhr.

Korrespondentin

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Juliane Fliegenschmidt, WDR

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