Ex-VW-Chef Martin Winterkorn vor seiner Befragung zum Abgasskandal durch den Untersuchungsausschuss des Bundestages. | AFP

Winterkorn vor Ausschuss Viele Fragen, kaum Antworten

Stand: 19.01.2017 15:08 Uhr

Wer hat was wann gewusst im Dieselskandal? Vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags zeigte sich Ex-VW-Chef Winterkorn vor allem erschüttert, forderte eine "lückenlose Aufklärung". Viele Fragen des Gremiums ließ er allerdings unbeantwortet.

Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn hat erneut bestritten, frühzeitig über die Abgasmanipulationen informiert gewesen zu sein. Vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Dieselskandal sagte er, Berichte, wonach er früher über die Vorgänge informiert gewesen sei als bisher bekannt, seien falsch.

Auch er sei viel zu spät in Kenntnis gesetzt worden: "Es ist nicht zu verstehen, warum ich nicht frühzeitig und eindeutig über die Messprobleme aufgeklärt worden bin." Er habe nie den Eindruck gehabt, dass man sich scheute, ein offenes Wort an ihn zu richten, sagte Winterkorn, der begleitet von zwei Anwälten erschien.

Winterkorn verweigert Aussage

Zum Beginn seiner Befragung als Zeuge betonte Winterkorn: "Lückenlose Aufklärung war und ist jetzt das Gebot der Stunde." Der Skandal habe Volkswagen "in eine schwere Krise gestürzt". Die Affäre koste den Konzern Unmengen Geld und "das Vertrauen der Kunden und der Bevölkerung". Für Außenstehende sei kaum nachzuvollziehen, wie es soweit kommen konnte, so Winterkorn weiter: "Auch ich hätte das nie für möglich gehalten."

Auf mehrere Fragen verschiedener Ausschussmitglieder zu möglichen Hinweisen auf die Manipulationen vor September 2015 verweigerte der Ex-VW-Chef dagegen die Aussage und verwies auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Diese prüft, ob Winterkorn mit Kenntnissen über den Dieselskandal zu spät an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Regierung und Behörden wurden "rasch informiert"

Winterkorn selbst gibt an, die Bundesregierung und Behörden kurz nach Bekanntwerden des Skandals über das Ausmaß informiert zu haben. Vor dem Ausschuss sagte er, im Anschluss an die Meldung der US-Umweltbehörden über verletzte Grenzwerte am 18. September habe er sich nach einer VW-internen Telefonkonferenz und einer Runde mit Führungskräften direkt zum darauffolgenden Wochenbeginn an Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gewandt.

Auch der Chef des Kraftfahrt-Bundesamts, Ekhard Zinke, sei von ihm informiert worden. "Ich habe ihnen gesagt: Wir haben nicht nur ein USA-Problem, sondern wir haben auch ein Problem im Rest der Welt", sagte Winterkorn. Einen Tag später sei dann auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) informiert worden.

"Unangemessene Reaktion" Winterkorns

Die Abgeordneten hakten auch mehrmals zu einem Rückruf von 500.000 VW-Autos in den USA Anfang 2015 nach. Dabei ging es - Monate vor Bekanntwerden des Skandals - laut Winterkorn darum, die Abgaswerte zu verbessern. Weitere Nachforschungen habe er dazu aber nicht angestellt. Wenn das stimme, habe Winterkorn "völlig unangemessen" reagiert, urteilte der Ausschussvorsitzende Herbert Behrens von den Linken. "Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen." Er sehe zudem Winterkorns Glaubwürdigkeit erschüttert in der Frage, ab wann er über die Abgasmanipulationen informiert war.

Wirklich neue Erkenntnisse habe die rund zweistündige Anhörung des Ex-Managers allerdings nicht gebracht, so Behrens weiter. Auch der CSU-Abgeordnete Ulrich Lange kritisierte, die entscheidenden Fragen habe Winterkorn nicht beantwortet.

Um zu klären, inwieweit die Bundesregierung frühzeitig von Unstimmigkeiten bei den Abgaswerten von Autos verschiedener Hersteller wusste, wird der Untersuchungsausschuss weitere Zeugen hören, darunter Vertreter von Audi und Opel sowie die Bundeskanzlerin.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Januar 2017 um 14:00 Uhr.

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Moderation 19.01.2017 • 18:46 Uhr

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