Die Rauchwolke über dem Gletscher-Vulkan Eyjafjalla auf Island

Aschewolken am Himmel Gefahr für Flugzeuge und Klima

Stand: 15.04.2010 18:58 Uhr

Wolken aus Vulkanasche sind laut der Pilotenvereinigung Cockpit für den Flugverkehr sehr gefährlich. Im schlimmsten Fall kann das Triebwerk ausfallen, denn sie brauchen zur Verbrennung von Kerosin Sauerstoff - und der ist in einer Wolke aus Vulkanasche knapp. Die Folge können Störungen des Antriebs sein.

In der Vergangenheit gab es bereits Vorfälle dieser Art. In den 1980er-Jahren gerieten über Indonesien und Alaska Maschinen des Typs Boeing 747 in Wolken aus Vulkanasche, alle vier Triebwerke fielen aus. Die Flugzeuge gingen in einen Segelflug über. Als die Maschinen aus der Wolke heraus waren, konnten die Piloten die Antriebe neu starten und sicher landen.

Triebwerke werden standardmäßig mit Sand getestet

Triebwerk einer Boeing 737 der Lufthansa
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Triebwerk einer Boeing 737 der Lufthansa

Mechanische Probleme sind nach Auskunft des Münchner Herstellers MTU Aero Engines eher nachrangig. So kämen zwar Partikel in den Antrieb. Ein Triebwerk könne das aber verkraften, so der Sprecher des Unternehmens, Odilo Mühling. Sie würden standardmäßig mit Sand getestet.

Auf die Aerodynamik, also das Flugverhalten von Maschinen kann die Asche aber durchaus Einfluss haben. Laut Handwerg entsteht durch die Teilchen eine Art Film auf dem Flugzeug, der erkaltet und erstarrt. "Dieser Film entsteht aber nur, wenn die Asche noch heiß ist", erklärt er.

Aschepartikel wirken wie ein Sandstrahler

Die aufgewirbelten Partikel haben außerdem einen ähnlichen Effekt wie ein Sandstrahler: Sie können die Fenster von Flugzeugen zerkratzen und dadurch die Sicht beeinträchtigen. Außerdem können die Sensoren der Messgeräte für Höhe und Geschwindigkeit ausfallen.

Eine Gefahr für die Gesundheit besteht nach Ansicht des Vulkanologen Bernd Zimanowski in Deutschland nicht. Das wäre nur dann der Fall, wenn es eine sehr hohe Konzentration gäbe. "Das ist aber überhaupt nicht zu erwarten", so Zimanowski. Zudem sei die Asche weder radioaktiv noch giftig. Auch für Tiere und Pflanzen bestehe keine Gefahr. Allerdings haben Geologen der Universität Santiago de Chile herausgefunden, dass Vulkanasche mineralische Partikel enthält, die wie Asbestfasern und Feinstaub tief in die Lunge eindringen können. Wer solche Fasern längere Zeit einatmet, riskiert eine Staublunge, die in weiterer Folge zu Lungenkrebs führen kann.

Das Weltklima kann sich verändern

Die Aschewolke auf einem Satellitenbild
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Auf einem Satellitenbild ist zu erkennen, wie sich die Aschewolke von Island auf Großbritannien zubewegt.

Auf das Wetter kann die Asche jedoch sehr wohl Auswirkungen haben. Bei einem sehr heftigen Vulkanausbruch besteht die Möglichkeit, dass sich das Weltklima sogar für Jahre verändert. Denn die aufsteigende Asche verhüllt die Erde, Windströmungen verändern sich.

Entscheidend ist aber die Menge des beim Ausbruch ausgetretenen Schwefels. In der Atmosphäre entstehen dadurch Tröpfchen aus Schwefelsäure, die das einfallende Sonnenlicht streuen und einen Großteil davon zurück ins All reflektieren. In Folge dessen fallen die Durchschnittstemperaturen auf der Erde. Da sich die Tröpfchen sehr hartnäckig in der Stratosphäre halten, klingen die Klimaveränderungen nur langsam ab.

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