Söder und Laschet beim CSU-Parteitag Mitte September. | AFP

Wahlniederlage der CDU "Söder hat jeden zweiten Tag unterminiert"

Stand: 08.10.2021 12:20 Uhr

Nach der historischen Wahlschlappe der Union stand zuletzt vor allem CDU-Chef Laschet in der Kritik - Forderungen nach einem Rücktritt wurden lauter. Nun erinnern einige an das Verhalten von CSU-Chef Söder.

Knapp zwei Wochen ist es her, dass die Union bei der Bundestagswahl eine historische Niederlage einfuhr - seitdem drehen sich die Schlagzeilen fast ausschließlich um CDU-Chef Armin Laschet. Jetzt rücken einige seiner Unterstützer den Vorsitzenden der Schwesterpartei CSU, Markus Söder, wieder in den Vordergrund.

Der zu Laschets Zukunftsteam zählende Sicherheitsexperte Peter Neumann macht Söder für das schlechte Abschneiden bei der Bundestagswahl mitverantwortlich. "Einer der wunden Punkte in der Union war immer, dass die Partei Armin Laschet nicht geschlossen unterstützt und Markus Söder ihn jeden zweiten Tag unterminiert hat", sagte Neumann der "Augsburger Allgemeinen".

Armin Laschet präsentiert das "Zukunftsteam" der Union. | dpa

Armin Laschet bei der Vorstellung seines "Zukunftsteams", mit dabei Sicherheitsexperte Peter Neumann (dritter von links). Bild: dpa

Bosbach: "Nicht geschlossen aufgetreten"

Auch der frühere CDU-Politiker Wolfgang Bosbach machte fehlenden Teamgeist von CDU und CSU als einen der Gründe für die Wahlniederlage verantwortlich. "Wir sind als Team nicht so geschlossen und überzeugend aufgetreten, dass wir als Team diese bittere Niederlage hätten verhindern können", sagte Bosbach im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Im Bezug auf Laschets Ankündigung, die Partei neu aufzustellen, sagte Bosbach, für die Nachfolge sei jemand nötig, der oder die über "hinreichende politische Erfahrung" verfüge. Im Fall einer Ampel-Koalition komme insbesondere der Position des Oppositionsführers - also des Unions-Fraktionschefs - eine besondere Rolle zu. Die Frage werde sein, ob Parteivorsitz und Fraktionsvorsitz in eine Hand gelegt werden oder ob die Ämter getrennt besetzt werden.

Reaktionen auf Laschets Rede unterschiedlich

Die gestrige Rede des CDU-Vorsitzenden wird in der Partei unterschiedlich gewertet: Während einige ungläubig den Kopf schütteln, weil Laschet das Wort Rücktritt offenbar ausdrücklich vermied, werten andere dessen Worte als Angebot für einen solchen und zollen ihm Respekt.

So sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier in der ZDF-Sendung "Markus Lanz", Laschet habe zwar nicht endgültig konkretisiert, was die Neuaufstellung für seine Person bedeute. "Aber trotzdem haben es alle so verstanden, dass er sich den notwendigen Änderungen nicht in den Weg stellen möchte, wenn es in der Partei dafür eine Mehrheit gibt." Das verdiene "Respekt und Anerkennung".

Laschet will am Montag den CDU-Spitzengremien einen Parteitag zur personellen Neuaufstellung vorschlagen - dies hatte er am Donnerstagabend angekündigt. Er wolle diesen Prozess moderieren. Es gehe um "einen Konsens aller, die im Moment in Betracht kommen", sagte er - ohne die Namen möglicher Kandidaten als Parteichef wie Gesundheitsminister Jens Spahn, Außenexperte Norbert Röttgen, Wirtschaftsexperte Friedrich Merz oder Fraktionschef Ralph Brinkhaus zu nennen.

Wüst: Beim Umgang "Luft nach oben"

Der designierte nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst kritisierte den Umgang der Union mit Laschet nach der Wahlniederlage. Gute Politik lebe nicht nur von richtigen Entscheidungen, sondern auch von einem richtigen Umgang miteinander, sagte der 46-Jährige. "Jeder, der da in den letzten Woche agiert hat, sollte sich prüfen, ob er diesem Maßstab gerecht wird. Ich habe da an der einen oder anderen Stelle durchaus Zweifel."

Laschet hatte Wüst, der zurzeit noch Verkehrsminister in Nordrhein-Westfalen ist, erst vor wenigen Tagen als seinen Nachfolger an der Spitze der Landesregierung und der Landes-CDU vorgeschlagen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 08. Oktober 2021 um 06:00 Uhr.