Knochen eines Danuvius guggenmosi werden untersucht. | Bildquelle: AP

Neue Studie Aufrechter Gang entstand offenbar in Europa

Stand: 07.11.2019 13:10 Uhr

Bislang waren Forscher davon ausgegangen, dass sich der aufrechte Gang des Menschen in Afrika entwickelte. Knochen einer im Allgäu entdeckten Primatenart stellen diese Sichtweise jetzt infrage.

Der aufrechte Gang des Menschen soll sich nach jüngeren Funden einer internationalen Forschergruppe in Europa entwickelt haben - und nicht wie bislang angenommen in Afrika. Der neu entdeckte mögliche Vorfahr von Mensch und Menschenaffe habe sich wohl bereits vor fast zwölf Millionen Jahren auf zwei Beinen fortbewegen können, vermutet das Team um Madelaine Böhme von der Universität Tübingen und des Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment. Das wäre mehrere Millionen Jahre früher als Wissenschaftler bislang zumeist angenommen hatten. Die Gruppe veröffentlichte ihre Ergebnisse im Fachmagazin "Nature".

Forscher finden Überreste von Primaten mit aufrechtem Gang
tagesschau 17:00 Uhr, 07.11.2019, Florian Breier/Veronika Simon, SWR

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"Sternstunde der Paläoanthropologie"

"Das ist eine Sternstunde der Paläoanthropologie und ein Paradigmenwechsel", so Böhme. Die Funde stellten die bisherige Sichtweise auf die Evolution der großen Menschenaffen und des Menschen grundlegend infrage. Dass sich der Prozess des aufrechten Gangs in Europa vollzog, erschüttere die Grundfeste der Paläoanthropologie. Sie halte es für "nahezu ausgeschlossen", dass in Afrika noch ältere aufrecht gehende Menschenaffenformen existierten, so Böhme.

Madelaine Böhme, Professorin an der Universität Tübingen, steht neben Knochen der bisher unbekannten Primatenart Danuvius guggenmosi. | Bildquelle: dpa
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Die Erkenntnisse erschütterten die Grundfeste der Paläoantropologie, so die Wissenschaftlerin Böhme.

Die Forscher hatten die versteinerten Fossilien zwischen 2015 und 2018 in einem Bachlauf der Tongrube Hammerschmiede bei Pforzen im Ostallgäu entdeckt. Die Überreste ließen den Schluss zu, dass sich der sogenannte Danuvius guggenmosi wahrscheinlich sowohl auf zwei Beinen als auch kletternd fortbewegen konnte. "Bislang war der aufrechte Gang ein ausschließliches Merkmal von Menschen. Aber Danuvius war ein Menschenaffe", sagte Böhme. Die bislang ältesten Belege für den aufrechten Gang sind rund sechs Millionen Jahre alt und stammen von der Insel Kreta und aus Kenia.

"Wie ein Puzzle"

Nach Einschätzung von Böhme dürften weitere Funde die Erkenntnisse aus dem Danuvius-Fund stützen. Von einem Weibchen wurden bereits Zähne, ein Finger und ein kompletter Oberschenkel ausgegraben. Auch von einem jungen Exemplar liegen gut erhaltene Reste vor.

Außerdem erwartet die Tübinger Paläontologin weitere erfolgreiche Ausgrabungen in dem Bachbett der Tongrube. "Das muss man sich vorstellen wie ein Puzzle, in das immer mehr Teile eingefügt werden."

Über dieses Thema berichtete das ARD-Mittagsmagazin am 07. November 2019 um 13:43 Uhr.

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