Ursula von der Leyen
Interview

Interview mit Ministerin von der Leyen "Es gibt in der Ukraine schon zu viele Waffen"

Stand: 06.02.2015 15:41 Uhr

Der Ukraine-Konflikt steht auch auf der Sicherheitskonferenz in München im Mittelpunkt: Waffenlieferungen lösten die Krise nicht, sagt Verteidigungsministerin von der Leyen im tagesschau.de-Interview. Sie setzt weiter auf wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland.

tagesschau.de: Die Lage im Osten der Ukraine spitzt sich immer weiter zu. Wie beurteilen Sie mögliche Waffenlieferungen an die Regierung in Kiew?

Von der Leyen: Ich glaube, das ist der falsche Weg. Wir haben in dieser Region schon zu viele Waffen. Die Bevölkerung leidet fürchterlich und wir alle wissen, dass die Separatisten potenziell einen unbegrenzten Nachschub haben. Deshalb muss man sich vor Waffenlieferungen sehr genau die Frage stellen, gibt es überhaupt die Chance, mit einer Waffenlieferung diesen Konflikt zu beenden, und ist danach die Situation für die Bevölkerung besser? Ich glaube es in diesem Falle nicht.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die diplomatisch-politische Lösung gefunden werden muss. Wir können auch konsequent Druck ausüben über ökonomische Sanktionen, die massiven Schaden inzwischen in Russland auch anrichten. Wir sollten nicht auf das Niveau heruntergehen, das Russland in der Ukraine nutzt - die militärischen Mittel. Wir sollten unsere eigenen Mittel einsetzen, die wirksam sind.

tagesschau.de: Gilt denn das Abkommen von Minsk als Weg zum Frieden überhaupt noch?

Von der Leyen: Natürlich gilt Minsk noch, denn es ist eine sehr sehr gute Basis, von der aus man dann weiter verhandeln kann. Denn in Minsk haben immerhin alle unterschrieben, auch Russland. Und insofern haben alle schon einmal ihre Konflikte zumindest in ein Dokument zusammenpacken können, sodass man eine potenzielle Lösung hat. Insofern ist Minsk als Ausgangspunkt der richtige.

Menschen fliehen aus Debaltseve bei Donetsk

Menschen fliehen aus Debaltseve bei Donezk, Foto vom 04.02.2015. Der Bevölkerung in der Ukraine müsse Frieden gebracht werden, sagt Ministerin von der Leyen.

tagesschau.de: Wie zuversichtlich sind Sie, dass an diesem Wochenende Fortschritte in der Ukraine-Krise erzielt werden können?

Von der Leyen: Es ist richtig, alles zu versuchen, um in dieser schrecklichen Eskalation eine Deeskalation zu erreichen. Aber wir alle wissen auch, dass die Erwartungen nicht zu hoch sein sollten. Und, dass es vieler Schritte bedarf, um zu einer Lösung zu kommen. Aber jeder Schritt, der in Richtung einer potenziellen Lösung gegangen wird, die der Bevölkerung vor allem auch Frieden bringt, ist ein guter und richtiger Schritt.

tagesschau.de: Was könnte man denn tun, um Russland zu konstruktiver Mitarbeit zu bewegen? Was kann man Moskau anbieten?

Von der Leyen: Ich glaube, entscheidend ist, dass die Ukraine und Russland an einem Tisch sitzen. Das sind die beiden, die miteinander die Dinge klären müssen. Die Ukraine hat das Recht selber auch die Verhandlungen zu führen, damit sie klärt, was für sie in dem Spannungsfeld zwischen staatlicher Souveränität und Integrität auf der einen Seite und Autonomiebestrebungen innerhalb der Ukraine auf der anderen Seite die richtige Lösung ist.

Das Interview führte Christian Thiels, tagesschau.de
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KOMMENTARE

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Der Mahner 06.02.2015 • 23:47 Uhr

@Laureat

"Ich brauche keine bunten Bildchen, ich nutze mein Hirn, lebe mit offenen Augen und vor denen sehe ich dann ihren Freund Putin, mit Zündhölzern in beiden Patschehändchen" Dann braucht man ja vor Gericht auch keine Beweise mehr, sondern man benutzt nur noch einfach sein Hirn. Zu erkennen, was die USA an Zielsetzung haben, muss man nun wirklich kein Genie sein! Nur wir Europäer sollten uns nicht vor ihren Karren spannen lassen. Putin ist der willkommene böse Bube in diesem Spiel. Weil er so schön ablenkt. Was heute Biden und Tusk in Brüssel aufgeführt haben, macht deutlich, wer der Koch und wer der Kellner ist. Die USA betrachten Europa nur als Erfüllungsgehilfe! Ich kann Merkel nur darin unterstützen, sich diesem Diktat nicht zu unterwerfen.