Hans-Jochen Vogel | dpa

Ex-SPD-Chef gestorben Trauer um Hans-Jochen Vogel

Stand: 26.07.2020 19:05 Uhr

Er galt nicht nur in der SPD als eine moralische Instanz - der ehemalige SPD-Chef Hans-Jochen Vogel. Jetzt ist er im Alter von 94 Jahren gestorben. Parteiübergreifend ist die Anteilnahme groß.

Der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel ist tot. Das teilte die SPD-Bundestagsfraktion auf Twitter mit und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Vogel starb im Alter von 94 Jahren in München nach langer Krankheit. Parteiübergreifend ist die Anteilnahme groß.

Seine Karriere war gezeichnet von vielen Glanzpunkten, aber auch Niederlagen: Er war Bundesbau- und Bundesjustizminister, für knapp vier Monate Regierender Bürgermeister in Berlin, SPD-Partei- und Fraktionschef - und Kanzlerkandidat.

Vogel wurde 1926 in Göttingen geboren. Mit nur 34 Jahren wurde Vogel zum Oberbürgermeister von München gewählt. Sein größter Triumph: Er holt die Olympischen Spiele 1972 nach Deutschland.

Brandt holte Vogel ins Kabinett

Kurze Zeit später ging Vogel in die Bundespolitik. Willy Brandt holte den Mann mit der bürokratischen Genialität in sein Kabinett als Bauminister. 1983 trat Vogel als Kanzlerkandidat gegen Helmut Kohl an und erlebte eine bittere Niederlage.

Vogel übernahm 1983 den Vorsitz der SPD-Bundestagsfraktion von Herbert Wehner, 1987 dann zusätzlich den Parteivorsitz von Brandt. 1991 gab er beide Posten ab und zog sich aus der aktiven Politik zurück.

Abgesehen vom großen Thema "soziale Gerechtigkeit" trieb Vogel bis ins hohe Alter noch ein anderes Problem um: der drohende Zerfall Europas. Schon als der Austritt Großbritanniens aus der EU sich erstmals abzeichnete, sagte Vogel, dass 70 Jahre Frieden in Europa nur durch die Überwindung des Nationalismus möglich geworden seien.

Seine Parkinson-Erkrankung hatte Vogel erst wenige Jahre vor seinem Tod öffentlich gemacht, bis zuletzt lebte er mit seiner Frau Liselotte in einer Seniorenresidenz in München.

"Er wird fehlen"

Der SPD-Parteivorstand würdigte Vogel als "großen Sozialdemokraten". In einer Erklärung heißt es:

Er war der erste Vorsitzende der wiedervereinigten SPD. Er war ein großer Sozialdemokrat, ein Vorbild, ein Freund. Hans-Jochen Vogel kämpfte sein Leben lang für sozialdemokratische Werte, eine gerechte Welt und für ein einiges Europa. Er wird fehlen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb, Vogels "Disziplin und Geradlinigkeit, sein Pflichtbewusstsein und sein christliches Menschenbild" hätten ihm über alle Parteigrenzen hinweg größten Respekt eingebracht. Steinmeier erinnerte daran, dass sich Vogel aufgrund seiner Erfahrungen als Kriegsteilnehmer für das friedliche Miteinander der europäischen Völker eingesetzt habe. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Vogel als "eine der prägendsten politischen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit". "Sein Wirken war und ist Inspiration und Vorbild für viele Menschen in Deutschland."

Söder erinnert an den Oberbürgermeister Vogel

Vogel hatte parteiübergreifend viel Respekt gewonnen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte, mit Vogel "verliert Deutschland eine herausragende Persönlichkeit." Als Münchner Oberbürgermeister habe dieser die Entwicklung der Stadt entscheidend mitgeprägt. Vogel war 1960 mit 34 Jahren jüngster Oberbürgermeister einer europäischen Millionenstadt.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) bezeichnete den Verstorbenen als "leidenschaftlichen Sozialdemokraten, der Politik stets aus tiefer Überzeugung und aus innerer Verpflichtung gestaltet hat."

Geprägt durch die Kriegs- und NS-Zeit

Die Grünen-Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter würdigten Vogel als "integren und aufrechten Politiker". Auch sie verwiesen darauf, dass Vogel im Nationalsozialismus aufwuchs und als Frontsoldat im Krieg kämpfte: "Sein Denken und Handeln waren geprägt vom Kriegserlebnis und der Aufarbeitung des Terrorregimes der Nazis."

FDP-Chef Christian Lindner sagte, Vogels Integrität sei über jeden Zweifel erhaben gewesen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. Juli 2020 um 15:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Leipzigerin59 26.07.2020 • 23:27 Uhr

 22:48 @ Boris.1945 @fathaland

Sie ehren @fathaland slim als einen von Ihnen anerkannten Foristen auf eine ungewöhnliche wie tragische Weise. (Er irrt sich nicht) Es tut mir aufrichtig leid für Ihre Frau und Sie. Mir fehlen gerade die passenden Worte, da ich denke, verstanden haben. Alles Gute Leipzigerin59