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Debatte um Vitamin D Doch keine Kehrtwende des BfR

Stand: 03.06.2021 14:59 Uhr

Verschiedene Medien, auch tagesschau.de, hatten gemeldet, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung seine Meinung in Bezug auf Vitamin D zur Covid-19-Vorbeugung und -Behandlung geändert hat. Jetzt stellt die Behörde klar: Das ist nicht der Fall.

Eine Mitteilung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) vom 14. Mai hat Verwirrung ausgelöst: "Es gibt Hinweise darauf, dass ein unzureichender Vitamin D-Serumspiegel mit einem erhöhten Risiko für akute Atemwegsinfekte einhergeht. Dazu gehört auch die Covid-19-Erkrankung." Dies wurde als ein Kurswechsel der Behörde in Bezug auf das Vitamin und dessen Bedeutung für die Behandlung und Prophylaxe einer Covid-19-Erkrankung gedeutet.

Jetzt erklärte die Behörde jedoch gegenüber tagesschau.de, dass diese Interpretation falsch ist: In der zitierten Mitteilung habe das BfR darauf hingewiesen, dass es mit einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung ein erhöhtes Risiko für Atemwegsinfekte wie Covid-19 gebe. Bisher wurde jedoch nicht gezeigt, dass die Einnahme von Vitamin D über den ernährungsphysiologischen Bedarf hinaus mit zusätzlichen Gesundheitseffekten einhergehe. Daher sehe das BfR auf Basis der gegenwärtigen Studienlage weiterhin keinen Anlass, der gesunden Allgemeinbevölkerung die generelle Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin D zu empfehlen.

Gefahr der Überdosis bei Selbstmedikation

Personen, die unabhängig von ihrer konkreten Versorgungslage ihren Vitamin-D-Status erhöhen möchten, empfiehlt das Institut, darauf zu achten, dass sie Nahrungsergänzungsmittel mit nicht mehr als 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tagesdosis (800 Einheiten) verwenden. Höhere Dosen sollten nur unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden, da die eigenständige Einnahme von Vitamin-D-Präparaten mit hohen Dosen gesundheitliche Risiken bergen kann.

Die Fachgruppe Intensivmedizin, Infektiologie und Notfallmedizin (COVRIIN) erklärt in ihrer Einschätzung, dass die Kausalität des Vitamin-D-Mangels bei schweren Covid-Erkrankungen nicht erwiesen ist. Die Experten, die das RKI beraten, geben daher keine Empfehlung zur routinemäßigen Verwendung von Vitamin D zur Prophylaxe oder adjunktiven Therapie von SARS-CoV2-Infektionen ab.

Vitamin D gezielt einsetzen

Dass Vitamin D das Immunsystem stärken kann, ist bekannt. Tatsächlich haben viele Menschen, gerade im Winter, zu geringe Vitamin-D-Werte. Vor einer selbstverordneten Vitamin-D-Kur ist es aber zu empfehlen, durch einen Arzt den Blutserumspiegel untersuchen zu lassen - nicht zuletzt, um zu klären, ob überhaupt ein Bedarf besteht. In begründeten Fällen kann auch eine streng überwachte Gabe von hohen Dosen Vitamin D indiziert sein.

Laut BfR ist zudem bekannt, dass ein hoher Anteil der alten Menschen in geriatrischen Krankenhäusern und Pflegeheimen einen unzureichenden Vitamin-D-Status aufweisen. Laut dem Institut kann daher für die Risikogruppe der Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner eine generelle Vitamin-D-Einnahme von bis zu 20 Mikrogramm pro Tag erwogen werden.

Über dieses Thema berichtete der NDR in der Sendung Markt am 09. November 2020 um 20:15 Uhr.