Ein Kreuz an der Landstraße L443 bei Sehnde in der Region Hannover erinnert an ein Unfallopfer | dpa

Corona als Begründung Tiefststand bei Verkehrstoten erwartet

Stand: 14.12.2021 09:19 Uhr

Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland sinkt zwar mit gewissen Schwankungen seit rund 40 Jahren. 2021 erwartet das Statistische Bundesamt aber nun mit 2450 Opfern einen neuen Tiefstand.

2021 wird nach Schätzung des Statistisches Bundesamt das Jahr mit der niedrigsten Zahl der Verkehrstoten. Die Statistiker erwarten eine Zahl von 2450 Opfern. "Das wäre der niedrigste Stand seit Beginn der Statistik vor mehr als 65 Jahren", teilte die Behörde zu ihrer Schätzung auf Basis der vorliegenden Daten für den Zeitraum Januar bis September mit.

Der bisherige Tiefststand war 2020 mit 2719 Verkehrstoten erfasst worden, das waren 327 oder elf Prozent weniger als 2019. "Die Rückgänge sind maßgeblich auf das im Vergleich zu 2019 deutlich geringere Verkehrsaufkommen infolge der Corona-Pandemie zurückzuführen", erklärten die Statistiker die Entwicklung.

In den seit 1950 vorliegenden durchgehenden Daten des Statistischen Bundesamtes war die Zahl der Verkehrstoten nie niedriger. Noch 1991 tauchten in der Statistik 11.300 Opfer auf. Im Jahr 1970 waren es sogar 19.193 - allein in der alten Bundesrepublik. Seitdem wurde zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen eingeführt - etwa die Promillegrenze und die Helm- und Gurtpflicht.

2,2 Millionen Unfälle auf Deutschlands Straßen

Im Corona-Jahr 2021 ging auch die Zahl der Verletzten im Straßenverkehr zurück. Die Behörde rechnete mit einem Rückgang um rund acht Prozent auf etwa 301.000. Dennoch bedeute dies weiterhin täglich durchschnittlich knapp sieben Todesopfer und mehr als 800 Verletzte im Straßenverkehr, so das Statistische Bundesamt.

Die Zahl der polizeilich erfassten Unfälle wird bis zum Jahresende voraussichtlich leicht um etwa ein Prozent fallen. Insgesamt dürft es schätzungsweise mehr als 2,2 Millionen Unfälle auf Deutschlands Straßen geben. Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden dürfte demnach um rund acht Prozent auf etwa 244.000 zurückgehen. Die Zahl der Unfälle, die ausschließlich zu Sachschaden führen, dürfte auf knapp 2,0 Millionen ebenfalls leicht sinken.

Für mehr Verkehrssicherheit auf den Straßen und besseren Klimaschutz haben sich viele Experten für ein Tempolimit auf Autobahnen ausgesprochen. Auf Druck der FDP fand dies im Koalitionsvertrag mit SPD und Grünen aber keine Berücksichtigung.

Führerschein ab 16?

Die Verkehrsminister der Länder hatten sich zuletzt im Grundsatz dafür ausgesprochen, das Mindestalter für begleitetes Fahren von 17 auf 16 Jahre herabzusetzen und zudem bestehende Führerschein-Vorgaben für Fahranfänger zu verschärfen. "Angesichts des erhöhten Unfallrisikos bei jungen Menschen halten wir vor allem eine Verlängerung der Probezeit von zwei auf drei Jahre für den richtigen Weg, für mehr Sicherheit zu sorgen", sagte Schleswig-Holsteins Ressortchef Bernd Buchholz (FDP). Allerdings sahen die Ressortchefs noch viele offene Fragen, die nun bis zum Frühjahr kommenden Jahres geklärt werden sollen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Dezember 2021 um 13:05 Uhr in den Nachrichten.