Fahrzeuge stehen im Stau auf der Autobahn A7 Richtung Hannover. | Bildquelle: dpa

Externe Kosten "Verschleppte Verkehrswende viel teurer"

Stand: 26.08.2019 10:00 Uhr

Unfälle, Klimabelastung, Produktion - dies alles sind sogenannte externe Kosten des Verkehrs. Laut einer Studie schneidet das Auto im Vergleich schlecht ab. Experten warnen vor den Langfristfolgen.

Von Philipp Wundersee, WDR

Thomas Arenz pendelt jeden Tag von Bonn nach Köln. Zuerst springt er morgens in den Regionalexpress und muss dann noch ein Stück mit der Kölner U-Bahn zurücklegen. Das sind insgesamt 40 Kilometer und damit 1,36 Euro externe Kosten, die er durch die Bahnfahrt jeden Tag für eine Strecke erzeugt.

Laut Studie verursacht Straßenverkehr Folgekosten von 149 Milliarden Euro
tagesschau 12:00 Uhr, 26.08.2019, Viktoria Kleber, RBB

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Wenn er - wie manchmal - sein Auto nutzt und über die Autobahn nach Köln zur Arbeit fährt, entstehen 4,64 Euro externe Kosten. Ein gewaltiger Unterschied, der auf Dauer Probleme macht, erklären die Verkehrsforscher der "Allianz pro Schiene" in ihrer Studie. "Der Verkehr bürdet der Allgemeinheit in Deutschland immer höhere Lasten auf", sagt Dirk Flege, Geschäftsführer des Verkehrsbündnisses.

Worum geht es in der Studie?

Die Studie des Infras-Institut im Auftrag von Allianz pro Schiene ermittelt die externen Umwelt-, Unfall- und Gesundheitseffekte des Verkehrs in Deutschland für das Jahr 2017. Benannt werden sowohl die Gesamtkosten als auch die Durchschnittskosten je Verkehrsleistung. Zum ersten Mal seit über zehn Jahren liegen damit aktuelle Zahlen über die gesamten Folgekosten des Verkehrs in Deutschland vor. Im Ergebnis rechnen die Forscher mit jährlichen Kosten von 149 Milliarden Euro (ohne die Emissionen durch die Herstellung von Fahrzeugen).

"Verkehrsverlagerung für Klimaschutz und Luftqualität"

Die externen Kosten sind die Kosten, die indirekt entstehen durch Unfälle, Strom- oder Fahrzeugherstellung, Klimabelastung und Lärm. Es sind also die negativen Auswirkungen der Mobilität, für die die Menschen im Verkehr nicht direkt selbst zahlen. "Eine verschleppte Verkehrswende ist viel teurer als mutiges Umsteuern. Mit einer Verkehrsverlagerung können wir den Klimaschutz und die Luftqualität verbessern", sagt Flege.

Der Verkehrsforscher Christian Winkler vom Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat sich die Berechnungen angeschaut. "Die Verlagerung von Verkehr von der Straße auf die Schiene ist hinsichtlich externer Kosten sinnvoll", sagt der Diplom-Ingenieur. Die Berechnungen würden alle auf offiziellen Zahlen und Methoden basieren und erscheinen ihm plausibel. Er ergänzt: "Eine Verlagerung zum öffentlichen Verkehr erfordert aber auch ein entsprechendes attraktives Verkehrsangebot, so dass Nutzer dieses annehmen.

Die Last durch den Straßenverkehr

Schaut man sich die Zahlen genauer an, wird deutlich, warum die Forscher eine Verkehrsverlagerung für so dringend notwendig halten. Mehr als 94 Prozent der Folgekosten entstehen laut Studie durch den Straßenverkehr. Die Eisenbahn liegt bei rund vier Prozent. Jeweils knapp ein Prozent stammen vom inländischen Luftverkehr und der Binnenschifffahrt. Nicht berücksichtigt wurde wegen mangelnder Vergleichbarkeit der grenzüberschreitende Luftverkehr.

Die Beispielrechnung von Thomas Arenz aus Bonn zeigt, dass nicht alleine die Masse der Autos und Lkw für enorme Schäden sorgt: Auch pro Kilometer verursachen Autofahrer mit rund elf Cent mehr als dreimal so hohe externe Kosten wie Bahnfahrer. Das Verkehrsbündnis nutzt für ihre Rechnungen Empfehlungen des Umweltbundesamtes und der Europäischen Kommission.

Auch hier spricht der Verkehrsexperte vom DLR von plausiblen Zahlen und Berechnungen. Das Verkehrsbündnis schlüsselt die Bereiche wie folgt auf: Die höchsten gesellschaftlichen Kosten des Verkehrs würden Unfälle verursachen mit einem Anteil von 41 Prozent an der Gesamtlast. Auf Platz zwei liegen mit 21 Prozent die vor- und nachgelagerte Prozesse, was die Herstellung von Fahrzeugen oder auch die Stromproduktion meint. Es folgen Klimakosten mit 18 Prozent und die Kosten für Natur und Landschaft mit neun Prozent.

Zwei Züge stehen im Kölner Hauptbahnhof. | Bildquelle: dpa
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Der Verkehr auf der Schiene erzeugt viel geringere externe Kosten als der Indivualverkehr auf der Straße.

Was macht das Klimakabinett?

Daher fordert Flege die Politik auf, dringend zu handeln, denn die externen Kosten durch den Verkehr würden vor allem die künftigen Generationen tragen. Jedes Jahr rechnet er mit 149 Milliarden Euro, bei denen die Emissionen durch die Herstellung von Fahrzeugen noch nicht eingerechnet sind.

"Die Studie demonstriert gerade dem Klimakabinett den dringenden Handlungsbedarf im Verkehr", sagt Flege. Hier stimmt der Verkehrsexperte Christian Winkler zu: "Insbesondere die Stärkung der Schiene erfordert einen weiteren Ausbau der Infrastruktur." Man müsse politisch dringend Maßnahmen finden, um den motorisieren Individualverkehr in den Griff zu bekommen.

Thomas Arenz fährt an den meisten Tagen weiterhin gerne mit der Bahn zur Arbeit nach Köln. Es ist nicht nur klimafreundlicher, sagt er, sondern einfach praktischer. Bei dem hohen Verkehrsaufkommen während des Berufsverkehrs sei die Bahn häufig auch noch schneller.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. August 2019 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.

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