Autos fahren auf dem Berliner Autobahnring langsam im stockenden Verkehr.  | dpa

Verkehr während Corona-Pandemie Pendler stehen wieder mehr im Stau

Stand: 07.12.2021 07:18 Uhr

2020 hatte Corona den Verkehr einbrechen lassen. Doch im laufenden Jahr ist die Verschnaufpause für Pendler bereits wieder vorbei, wie eine Analyse zeigt. Münchner sind am stärksten betroffen.

Deutsche Pendler verlieren wieder deutlich mehr Zeit im Stau. Eine Analyse des Verkehrsdatenanbieters Inrix ergab in den untersuchten deutschen Städten hochgerechnet 40 Stunden Zeitverlust für typische Auto-Pendler im Jahr 2021. Das sind 14 Stunden mehr als 2020, wie das Unternehmen mitteilte. Vergangenes Jahr hatte Corona die Pendlerströme ausgebremst, jetzt hat der Verkehr wieder zugenommen und der Zeitverlust ist wieder fast so hoch wie vor der Pandemie.

München am stärksten betroffen

2019 waren es im Schnitt 46 Stunden. Mit Abstand am schlimmsten trifft es die autofahrenden Pendler in München: Im Schnitt 79 Stunden verloren sie aufs Jahr hochgerechnet durch Staus auf dem Weg zur Arbeit - mehr als drei Tage. Allerdings sind das immer noch sieben Stunden weniger als vor Corona.

Auf Platz zwei folgt Berlin mit 65 Stunden. Hier fehlt nur eine Stunde zum Vorkrisenstau. Den dritten Platz belegt Hamburg mit 47 Stunden. Dahinter werden die Abstände deutlich geringer. Es folgen auf den Plätzen vier bis zehn Potsdam (46 Stunden), Pforzheim (44), Düsseldorf (43), Köln (42) sowie Nürnberg, Dresden und Münster mit je 41 Stunden Zeitverlust.

Stau-Rankings "ein Stück weit problematisch"

Der Verkehrsdatenanbieter Inrix verkauft Verkehrsanalysen und Dienstleistungen für vernetzte Autos an Verwaltungen und Unternehmen. Je größer die Stauprobleme erscheinen, desto besser sind seine Geschäftsaussichten. Auch der ADAC hatte zuletzt bereits in seiner Sommer-Stauanalyse für den Verkehr auf Autobahnen einen massiven Anstieg der Staus festgestellt.

Verkehrsexperten sehen solche Stau-Rankings mit gemischten Gefühlen: Justin Geistefeldt, Professor für Verkehrswesen an der Ruhr-Universität Bochum, findet die gängigen Rankings grundsätzlich "ein Stück weit problematisch", weil sie Besonderheiten der einzelnen Städte nicht ausreichend berücksichtigten. "Die Topographie, die Verkehrsnetzstruktur und vor allem die Pendlerverflechtungen der betrachteten Städte sind nur bedingt vergleichbar", sagt er. Dennoch lieferten die Studien gewisse Hinweise. "Es gibt kaum eine bessere Datengrundlage, um das Staugeschehen zu bewerten."

Auch kurze Arbeitswege mit dem Auto

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nutzen Berufspendler auch für kurze Arbeitswege am häufigsten das Auto. Im Jahr 2020 gaben 40 Prozent von ihnen an, für Strecken unter fünf Kilometern normalerweise mit dem Auto zu fahren. Für Strecken zwischen fünf und zehn Kilometer lag der Anteil mit 69 Prozent noch deutlich höher.

Das Fahrrad nutzen auf Arbeitswegen unter fünf Kilometern 26 Prozent der Berufspendler. Strecken zwischen fünf und zehn Kilometern legten elf Prozent mit dem Rad zurück. Mit Bus, Bahn oder Straßenbahn waren auf Strecken unter fünf Kilometern lediglich acht Prozent der Pendlerinnen und Pendler unterwegs. Auf Arbeitswegen zwischen fünf und zehn Kilometern waren es 18 Prozent. Fast die Hälfte aller Berufspendler hat nach eigenen Angaben weniger als zehn Kilometer zum Arbeitsplatz zurückzulegen. Für 27 Prozent ist der Arbeitsplatz sogar weniger als fünf Kilometer entfernt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Dezember 2021 um 09:40 Uhr in den Nachrichten.