Der Präsident des Verfassungsschutzes Thomas Haldenwang auf einer Pressekonferenz im Januar 2019. | Bildquelle: SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX

Chef des Verfassungsschutzes "Keine Entwarnung beim IS"

Stand: 14.04.2019 04:20 Uhr

Der Verfassungsschutzpräsident Haldenwang warnt weiterhin vor einer Gefahr durch den IS - trotz dessen militärischer Niederlage in Syrien. Man müsse auch in Deutschland nach wie vor mit Anschlägen rechnen.

Mit der Stadt Baghus hat der "Islamische Staat" (IS) in Syrien seine letzte Hochburg verloren. Doch trotz der militärischen Niederlage dürfe man die Gefahr durch die Terrormiliz nicht unterschätzen, warnte der Präsident des Verfassungsschutzes, Thomas Haldenwang, im Interview mit der "Welt am Sonntag". "Beim IS kann ich keine Entwarnung geben", betonte er:

"Wir müssen weiter jederzeit auch mit einem Anschlag in Deutschland rechnen."

Über ein "Cyber-Kalifat" Anhänger mobilisieren

Vor allem über das Internet stelle der IS noch eine Bedrohung dar, als eine Art "Cyber-Kalifat", wie Haldenwang es ausdrückte. Über das Netz könne die Gruppierung mögliche Anhänger immer noch steuern und zu Anschlägen anstacheln.

In Deutschland hat der Verfassungsschutz derzeit rund 2240 Personen erfasst, der ein "islamistisch-terroristisches Potenzial" zugerechnet werde. Hierzu zählen auch die sogenannten Gefährder. "Ihnen trauen wir jederzeit einen Anschlag oder die Unterstützung eines solchen zu", sagte Haldenwang. Allein im vergangenen Jahr sei die Zahl der Personen um 300 angestiegen, seitdem bleibe sie aber auf nahezu gleichem Niveau. Hinzu kämen allerdings noch mögliche Rückkehrer, die sich im Ausland dem IS angeschlossen hätten.

Auch Kinder als mögliches Risiko

Eine nahtlose Überwachung der als Risiko eingestuften Fälle ist aus Sicht des Verfassungsschutzpräsidenten nicht möglich: "Pro Person bräuchte man bis zu 40 Beamte. Wir konzentrieren uns deshalb auf die, die wir als besonders gefährlich betrachten."

Als mögliches Risiko wertet Haldenwang auch Kinder von IS-Anhängern, die aus dem Ausland nach Deutschland zurückkehren. Sie hätten in Syrien oder im Irak Gewalt miterlebt und könnten ihre Eltern als Vorbild ansehen. Anschlagsversuche aus vergangenen Jahren zeigten, dass Heranwachsende früh zu Attentätern werden könnten. Darum plädierte Haldenwang für eine Gesetzesänderung, um Kinder im Einzelfall überwachen zu können.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. April 2019 um 05:00 Uhr in den Nachrichten.

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