Mit einem Aktenordner vor dem Gesicht spricht der Iraker Taha Al-J. (l) im Frankfurter Oberlandesgericht mit seinen Anwälten. | dpa

Mutmaßlicher IS-Anhänger Lebenslange Haft im Prozess um tote Jesidin

Stand: 30.11.2021 12:55 Uhr

Der mutmaßliche IS-Anhänger Taha Al-J. ist wegen Kriegsverbrechens und Völkermords zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er ist laut Richterspruch für den Tod eines jesidischen Mädchens im Jahr 2015 verantwortlich.

Im Prozess um den Tod eines fünf Jahre alten jesidischen Mädchens ist am Oberlandesgericht Frankfurt das Urteil gefallen: Die Richter verhängten gegen den Angeklagten Taha Al-J. eine lebenslange Haftstrafe.

Sie sahen es als erwiesen an, dass sich der mutmaßliche Anhänger der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) des Völkermordes und eines Kriegsverbrechens mit Todesfolge schuldig machte.

Hintergrund des Urteils ist der Tod eines kleinen Mädchens im Jahr 2015 im irakischen Falludscha. Der aus dem Irak stammende Verurteilte soll damals die Fünfjährige sowie deren Mutter als Sklavinnen gehalten und sie mehrfach misshandelt haben. Die Frau und das Kind gehörten der religiösen Minderheit der Jesiden an.

Fünfjährige als Strafe unter praller Sonne angekettet

2015 soll er das Mädchen als Strafe auf dem Hof des Anwesens angekettet haben. Das Kind war der prallen Sonne ausgesetzt und verdurstete der Anklage zufolge qualvoll. Die Mutter überlebte die Gefangenschaft. Ihr soll der Beschuldigte 50.000 Euro Schadenersatz zahlen.

Der Vorsitzende Richter Christoph Koller sprach vom weltweit ersten Urteil wegen der Verbrechen der IS-Terrormiliz an der Minderheit der Jesiden.

Zehn Jahre Gefängnis für damalige Ehefrau

Vor rund fünf Wochen war die IS-Rückkehrerin Jennifer W. vom Oberlandesgericht München zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Sie war 2014 in den Irak ausgewandert, um sich dem IS anzuschließen und hatte Taha Al-J. geheiratet. Laut dem Urteil in München trägt sie ein Mitverschulden am Tod der Fünfjährigen, da sie dem Kind nicht geholfen habe. Sie wurde wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland, wegen Beihilfe zum versuchten Mord sowie zum versuchten Kriegsverbrechen und wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen.

Im Prozess in Frankfurt hatte Jennifer W. gegen ihren früheren Mann ausgesagt und ihn als gewalttätig beschrieben. Der 29-Jährige selbst hatte während der Verhandlung keine Stellung zu den gegen ihn erhobenen Anschuldigungen genommen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. November 2021 um 12:00 Uhr.