Die Einsturzstelle des Kölner Stadtarchivs im Januar 2018. | dpa

Einsturz des Kölner Stadtarchivs BGH hebt Freisprüche auf

Stand: 13.10.2021 17:41 Uhr

Mehr als zwölf Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs mit zwei Toten hat der Bundesgerichtshof die Freisprüche von zwei Bauleitern aufgehoben. Jetzt muss eine andere Kammer des Landgerichts Köln neu entscheiden.

Von Gigi Deppe, ARD-Rechtsredaktion

Zwei Männer sind 2009 beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs gestorben. Der Bruder des einen verfolgt die Sache weiter und ist heute sogar zur Verkündung nach Karlsruhe gekommen. Marvin Pagel geht es nicht um Rache, aber er will einfach wissen, was genau passiert ist: "Das ist immer noch Thema zu Hause, und da ist es wichtig, dass man da auch mal einen Punkt setzen kann."

Gigi Deppe

Jetzt ist klar: So schnell wird es nicht gehen. Die Sache muss noch mal ganz von vorn aufgerollt werden. Der Bundesgerichtshof, das oberste deutsche Strafgericht, hat entschieden: Das Landgericht Köln hätte nicht unbedingt freisprechen dürfen. Im Verfahren gegen zwei Bauleiter sei zu bedenken gewesen, dass es sich um eine Baustelle mit großen Risiken gehandelt habe. Da hätten beide Männer besonders umsichtig und sicherheitsbewusst handeln müssen.

Baugrube war mangelhaft gesichert

Die Angeklagten waren 2005 mit der Sicherung der Baugrube befasst gewesen. Sie hatten den Bau einer Schlitzwand zu überwachen, also einer Schutzwand am Rand der Baugrube. Diese Schutzwand war nicht völlig dicht, und deswegen flossen 2009 durch ein Loch viele Kubikmeter Wasser und Erde in die Baugrube. Das wiederum führte dazu, dass sich im Nachbarbereich, unter dem Kölner Stadtarchiv ein Hohlraum bildete.

Nicht nur das Stadtarchiv stürzte ein, sondern auch zwei Nachbargebäude und es starben eben die zwei jungen Männer. Die Staatsanwaltschaft in Köln hatte in einem Verfahren vier Personen angeklagt. Aber nur ein Bauüberwacher der Kölner Verkehrsbetriebe wurde vom Landgericht wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, er bekam eine Bewährungsstrafe.

BGH sieht relevante Pflichtverletzungen

Seine Kollegin und zwei Mitarbeiter von Baufirmen hätten sich jedoch nicht strafbar gemacht. Zwar seien ihnen in der umfangreichen Beweisaufnahme auch Pflichtverletzungen nachgewiesen worden, aber die würden nicht erkennbar im Zusammenhang mit dem Einsturz stehen, so das Landgericht Köln.

Das sieht jetzt der Bundesgerichtshof anders. Möglicherweise hätte der Einsturz doch verhindert werden können, sagt der zweite Strafsenat - wenn beide Männer alles sorgfältiger überprüft und ihr Wissen besser ausgetauscht hätten. Für eine größere Sorgfalt hätte vor allem gesprochen, dass es in der Baustelle eine gehäufte Zahl an Zwischenfällen gegeben hatte.

Verjährung droht

Ob die Angeklagten tatsächlich irgendwann verurteilt werden, ist allerdings noch nicht sicher. Marvin Pagel weist darauf hin, dass sich die neue Kammer des Kölner Landgerichts beeilen muss: "Die Verjährung, die steht quasi vor der Tür. Es ist jetzt ein Wettlauf gegen die Zeit. Das Landgericht in Köln, das muss jetzt loslegen. Das muss direkt anfangen."

Bis zur endgültigen Klärung des großen Einsturzes von 2009 wird es also noch etwas dauern - zumal der Bundesgerichtshof auch noch die Revisionen von anderen Angeklagten überprüfen muss.

Über dieses Thema berichteten am 13. Oktober 2021 tagesschau24 und Deutschlandfunk um 16:00 Uhr.