Äpfel liegen im Gras | Bildquelle: dpa

Ur-Großeltern prägen Status Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Stand: 05.03.2018 11:54 Uhr

In Deutschland hängt der soziale Status einer Person maßgeblich vom sozialen Status der Vorfahren ab. So prägen selbst Ur-Großeltern noch heute den gesellschaftlichen Stand ihrer Nachfahren.

Der soziale Aufstieg in Deutschland ist einer Studie zufolge schwerer als bislang angenommen und hängt maßgeblich vom Status der Vorfahren ab. Demnach lassen etwa Bildungsgrad oder Berufsstand der Ur-Großeltern noch heute auf den ihrer Nachfahren in der vierten Generation schließen. Das geht aus einer Studie des Kieler IfW-Instituts und der Universität Madrid hervor.

Niedriger Status wirkt wie Last

"Dies bedeutet, dass sich die soziale Ungleichheit in Deutschland nur sehr langsam abbaut", sagte IfW-Experte Sebastian Braun. "Je geringer der soziale Status der Ur-Großeltern, desto geringer der Status der Ur-Enkel heute." Ein niedriger Status der Vorfahren wirke wie eine Last, die den Aufstieg auch vier Generationen später noch bremse. Umgekehrt gelte: Je höher der soziale Status der Ur-Großeltern, desto höher der Status ihrer Nachfahren heute.

Die Forscher kommen zum Ergebnis, dass durchschnittlich 60 Prozent der für den sozialen Status einer Person maßgeblichen Faktoren von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden. Dazu könnten Lebensumstände wie das gesellschaftliche Netzwerk zählen, aber auch vererbte Begabungen.

Demographie: Enkelin und Großeltern
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Haben die Vorfahren einen hohen sozialen Status, färbt das entsprechend auf die Nachfahren ab.

Studie widerspricht früheren Annahmen

Die Wissenschaftler untersuchten Daten, die über vier Generationen hinweg den sozialen Status von Familien in Deutschland im 20. Jahrhundert beschreiben. Die Studie widerspricht laut IfW früheren Untersuchungen, nach denen in den meisten Industrieländern der soziale Status einer Person nur zu etwa 30 bis 40 Prozent von den Eltern geprägt ist und soziale Ungleichheiten daher relativ schnell verschwinden.

Die Forscher betonten, bei Studien zur sozialen Mobilität gebe es eine hohe Datenunsicherheit. "Indem wir mehr als zwei Generationen beobachteten, konnten wir diesen 'Messfehler' bereinigen", sagte Braun. Frühere Studien haben wiederholt gezeigt, dass der soziale Aufstieg in Deutschland vergleichsweise schwieriger ist als in vielen anderen Industrieländern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 05. März 2018 um 13:02 Uhr in den Nachrichten.

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