Überschwemmungen in Ahrweiler | dpa

Starkregen in Deutschland Häuser in der Eifel eingestürzt - zahlreiche Vermisste

Stand: 15.07.2021 09:16 Uhr

Besonders betroffen von den schweren Unwettern ist der Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Vier Menschen kamen dort ums Leben. Im Ort Schuld sind sechs Häuser eingestürzt, fast 70 Menschen werden vermisst.

Die Lage nach den Unwettern im Westen Deutschlands ist dramatisch: Im Landkreis Ahrweiler in der Eifel sind nach Polizeiangaben vier Menschen ums Leben gekommen. Die genauen Umstände sind noch unklar, die Menschen wurden an verschiedenen Orten gefunden.

Im Eifel-Ort Schuld bei Adenau stürzten in der Nacht sechs Häuser ein. Nach Angaben der Polizei Koblenz werden dort knapp 70 Menschen vermisst. Eine Vielzahl an Häusern sei instabil, es bestehe Einsturzgefahr. Der Katastrophenfall sei ausgerufen worden.

Orte von der Außenwelt abgeschnitten

Mehrere Orte im Kreis Ahrweiler sind wegen des Hochwassers von der Außenwelt abgeschnitten. Die Rettungskräfte erreichen nicht alle Orte, auch Hubschrauber sind im Einsatz. "Sehr viele Menschen" befänden sich auf Hausdächern und müssten gerettet werden. Auf dem Campingplatz "Stahlhütte" in Dorsel und weiteren Anlagen entlang der Ahr mussten Menschen von den Dächern ihrer Campingwagen gerettet werden.

Auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist die Situation wegen des Hochwassers nach Angaben eines Kreis-Sprechers extrem gefährlich. In Messerich in der Eifel wurden nach Angaben des Kreises zwei Helfer des Technischen Hilfswerks von den Fluten eingeschlossen, wie der SWR berichtete.

Im Landkreis Trier-Saarburg ist die Gemeine Kordel von der Außenwelt abgeschnitten. Der Ort mit rund 2000 Einwohnern sei momentan nicht erreichbar, sagte ein Kreissprecher. Meldungen über Tote oder Vermisste gebe es bisher nicht.

Karte Rheinland-Pfalz und Ahrweiler

Den Kreis Ahrweiler traf es besonders schlimm.

"Es ist eine Katastrophe"

Landrat Jürgen Pföhler rief die Menschen auf, möglichst zu Hause bleiben und "sich gegebenenfalls in höher gelegene Stockwerke" zu begeben. "Die Lage ist sehr ernst", sagte er. Es bestehe Lebensgefahr.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung setzte wegen der dramatischen Lage eine Sondersitzung an. "Es ist eine Katastrophe", erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. "Es gibt Tote, Vermisste und viele, die noch immer in Gefahr sind." Alle Kräfte seien rund um die Uhr im Einsatz und riskierten dabei ihr eigenes Leben. Ihr Mitgefühl gelte den Opfern der Hochwasserkatastrophe, sagte Dreyer. "Ich bange mit den Menschen vor Ort." Die Regierungschefin kündigte an, sich zusammen mit Innenminister Roger Lewentz einen eigenen Eindruck von der Lage vor Ort zu verschaffen. Sie appellierte an die Bewohner der Katastrophenregion, in ihren Häusern zu bleiben. "Wir mobilisieren alles, um Sie zu retten!"

Extremes Hochwasser in Hagen

Auch in Nordrhein-Westfalen gab es Starkregen und Überschwemmungen. Die Feuerwehr war vielerorts im Dauereinsatz. In Städten wie Düsseldorf, Dortmund und Bochum sorgten vollgelaufene Keller, überflutete Straßen und umgestürzte Bäume für hunderte Einsätze. In Leverkusen musste ein Krankenhaus mit rund 470 Menschen wegen einer gestörten Stromversorgung nach einem Kurzschluss komplett evakuiert werden. In Solingen stürzte ein 82-jähriger Mann in seinem überfluteten Keller und starb wenig später im Krankenhaus. Auch in Kamen starb ein 77-Jähriger in seinem gefluteten Keller.

Besonders angespannt ist die Lage in Hagen. Der Krisenstab erwarte "ein 25-jährliches Hochwasser", teilte die Stadtverwaltung mit. Dort wurde der Notstand ausgerufen. Wer in unmittelbarer Nähe von Flüssen wohne, werde dazu aufgefordert, sich in höher liegende Bereiche zu begeben. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet kündigte einen Besuch in Hagen an, um sich dort ein Bild von der Lage zu machen.

Zwei Feuerwehrmänner sterben bei Einsätzen

Im Märkischen Kreis im Sauerland starben zwei Feuerwehrmänner während ihrer Einsätze. Wie die Polizei mitteilte, kam einer von ihnen in Altena ums Leben. Er war bei der Rettung eines Mannes ins Wasser gefallen und abgetrieben. Der 46-Jährige konnte nur noch tot geborgen werden. Später kollabierte ein 52-jähriger Feuerwehrmann während eines Einsatzes nahe dem Kraftwerk Elverlingsen. Die Polizei ging von einem gesundheitlichen Notfall aus.

In Hückeswagen im Oberbergischen Kreis müssen etwa 1500 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Die Einsatzkräfte setzen Boote ein, weil viele Straßen nicht mehr befahrbar sind. Die Lage scheint allerdings nicht mehr ganz so angespannt wie noch in der Nacht. "Der Damm, der zu brechen drohte, ist soweit sicher", sagte ein Polizeisprecher. In dem Bereich rund um die Talsperre gebe es aber großflächige Überschwemmungen. In der Nacht waren im Oberbergischen Kreis nach Angaben des Polizeisprechers etwa 1000 Kräfte im Einsatz.

Überlaufen der Wuppertalsperre konnte verhindert werden

An der Wuppertalsperre werde unterdessen das Wasser weiter abgelassen. Dort war ein unkontrollierter Überlauf befürchtet worden. Der Feuerwehr gelang es jedoch, das Wasser kontrolliert ablaufen zu lassen. Aus Sicherheitsgründen waren die Anwohner der Wupper in Radevormwald bereits seit dem späten Mittwochabend aufgefordert worden, ihre Wohnungen zu verlassen.

Gesperrte Zugstrecken und Autobahnen

Die Deutsche Bahn meldete Verspätungen und Zugausfälle. Mehrere Strecken sind nicht befahrbar, etwa der Abschnitt Köln-Wuppertal-Hagen, die Strecke Köln-Koblenz über Bonn sowie der internationale Fernverkehr von und nach Brüssel. Zudem sind zahlreiche Autobahnabschnitte betroffen, unter anderem die A1 zwischen Leverkusen und Burscheid, die A44 im Kreuz Düsseldorf, die A61 auf mehreren Abschnitten sowie die A553 bei Brühl.

Vermisster in Baden-Württemberg tot geborgen

In Baden-Württemberg suchten Rettungskräfte seit Montag einen Mann, der als vermisst galt. Feuerwehrtaucher fanden den Leichnam des 81-Jährigen in der Jagst im Kreis Heilbronn. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann auf matschigem Untergrund ausgerutscht und in den Fluss gestürzt war.

Die Suche nach einem 53-Jährigen im sächsischen Erzgebirgskreis geht derweil weiter. Der Mann wurde am Dienstagabend von einem Fluss mitgerissen, als er versucht hatte, sein Grundstück gegen den über die Ufer getretenen Fluss zu sichern.

Weitere Regenfälle im Süden und Südwesten erwartet

Laut Prognosen des Deutschen Wetterdienstes lassen die Regenfälle heute im Westen nach und ziehen vermehrt in den Südwesten und Süden. Allerdings seien die Wassermengen in der Fläche voraussichtlich nicht mehr so ausgeprägt. Unwetterartige Starkregenfälle könnten aber lokal nicht ausgeschlossen werden, hieß es.

Über dieses Thema berichteten am 15. Juli 2021 die tagesschau um 09:00 Uhr und tagesschau24 um 09:05 Uhr.

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Moderation 15.07.2021 • 14:33 Uhr

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