Ein Boot der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) fährt bei Hochwasser durch Aachen. | dpa

Tief "Bernd" über Deutschland "Außerordentlich schwierige Lage"

Stand: 14.07.2021 20:42 Uhr

Tief "Bernd" hat den Westen erreicht. Besonders in Nordrhein-Westfalen ist die Situation angespannt. Im Sauerland kam ein Feuerwehrmann ums Leben. NRW-Innenminister Reul sprach von einer "außerordentlich schwierigen Lage".

Starkregen hat in einigen Regionen Deutschlands zu Ausnahmezuständen und zahlreichen Feuerwehreinsätzen geführt. Besonders Nordrhein-Westfalen ist derzeit stark von den Unwettern betroffen. In der Landeshauptstadt Düsseldorf, in Hagen im Ruhrgebiet und im Sauerland ist die Situation angespannt.

In Altena im Sauerland kam ein Feuerwehrmann bei Rettungsarbeiten ums Leben. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei im Märkischen Kreis. Er sei bei dem tragischen Unfall ertrunken. In Altena verursachten die starken Regenfälle viele Schäden. Die Stadt war "so gut wie nicht erreichbar", teilte die Polizei mit.

NRW-Innenminister Herbert Reul sprach von einer "außerordentlich schwierigen Lage" in einigen Regionen des Landes. "Die weitere Entwicklung ist derzeit nicht mit Sicherheit absehbar", so der CDU-Politiker gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Das Tief "Bernd" soll nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auch in den kommenden Tagen teils heftige Niederschläge in einige Regionen Deutschlands bringen.

Evakuierungen wegen Überschwemmungen

In der Landeshauptstadt Düsseldorf rückte die Feuerwehr zu rund 330 Einsätzen aus. Die Stadt forderte wegen einer drohenden Überschwemmung die Anwohner im Stadtteil Grafenberg zum Verlassen ihrer Wohnungen auf. Es wurde eine Betreuungsstelle für die Anwohner eingerichtet. Etwa 100 Bewohner eines Wohnheims mussten wegen Überschwemmungen in Erkrath bei Düsseldorf ihre Unterkunft verlassen. Die Unterkunft für Geflüchtete befinde sich in einem alten Schulgebäude, dort seien der Keller und die Sporthalle voll Wasser gelaufen, sagte eine Sprecherin der Stadt. Gefahr für die Bewohner bestehe aber nicht.

Im Starkregen stürzte außerdem das Flachdach eines Einzelhandelsgeschäfts in einem Einkaufszentrum in Würselen bei Aachen ein. Eine verletzte Person habe sich selbst retten können, teilte die Stadt mit. Der Bereich sei mit Rettungshunden abgesucht worden, es wurden jedoch keine weiteren Menschen in dem Gebäude entdeckt.

"Die Leute sind verzweifelt"

Ein Altenheim mit 76 Bewohnern in Hagen wurde wegen einströmender Wassermassen evakuiert. Das Seniorenheim sei unbewohnbar geworden, sagte ein Stadtsprecher. Eltern wurden gebeten, ihre Kinder nicht in die Kita zu schicken und auch die Ferienbetreuung an den Grundschulen nicht zu nutzen. Eine verschüttete Person sei leicht verletzt gerettet worden.

Mehrere Fahrer seien aus ihren von Wassermassen eingeschlossenen Autos befreit worden. Es gab mindestens 200 Einsatzorte. Einige Ortsteile waren zum Teil nicht mehr zu erreichen. "Die Leute sind verzweifelt", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Hagen.

Auch in anderen Teilen des Bundeslandes wurden Bäche zu reißenden Strömen. Es kam zu Erdrutschen, Straßen wurden überspült, Keller liefen voll, der Bahn- und Straßenverkehr war gestört. Eine Mitarbeiterin eines Seniorenheims in Mettmann nahe Düsseldorf wurde von einem umstürzenden Baum schwer verletzt und wäre beinahe ertrunken. Ein Helfer konnte den Kopf der Frau über Wasser halten, bis Feuerwehrleute die eingeklemmte Frau befreit hatten.

Nach Angaben Reuls haben NRW-weit rund 3900 Kräfte fast 2100 Einsätze bewältigt. "Viele von ihnen sind ehrenamtlich tätig und arbeiten gerade unermüdlich, um die Wassermassen zu bewältigen." An zahlreichen Flüssen in Nordrhein-Westfalen wurden Hochwasser-Warnwerte überschritten.

Steigende Pegelstände in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg

Auch in Rheinland-Pfalz führte Tief "Bernd" zu steigenden Pegelständen. Die Schifffahrt auf dem Rhein ist dort daher teilweise eingeschränkt. Am Pegel Maxau wurde die Schifffahrts-Hochwassermarke II überschritten, wie der Hochwassermeldedienst in Mainz mitteilte. Im Bereich der Pegel Speyer und Worms bis Kaub ist die Hochwassermarke I weiterhin überschritten. Binnenschiffe müssen deshalb hier ihr Tempo drosseln und in der Mitte der Fahrrinne bleiben.

Die Schifffahrt bei Karlsruhe in Baden-Württemberg wurde gesperrt, nachdem anhaltender Regen zu Hochwasser an Rhein und Bodensee geführt hatte.

Ein Anlegesteg in  St. Goar am Rheinufer ist vom Hochwasser umspült.  | dpa

Ein Anlegesteg in St. Goar am Rheinufer ist vom Hochwasser umspült. Bild: dpa

Suche nach zwei Männern geht weiter

Die Suche nach einem 53-Jährigen im sächsischen Erzgebirgskreis geht derweil weiter. Der Mann wurde am Dienstagabend von einem Fluss mitgerissen, als er versucht hatte, sein Grundstück gegen den über die Ufer getretenen Fluss zu sichern. Die Feuerwehr habe die Suchaktion in der Nacht wegen des hohen Wasserstandes vorerst abgebrochen, teilte die Polizei mit.

In Baden-Württemberg soll bereits in der Nacht zu Montag ein 81 Jahre alter Mann bei Arbeiten an seinem Haus in den Fluss Jagst gestürzt sein, der nach starken Regenfällen Hochwasser führt. Auch er wird weiter vermisst. "Wir rechnen nicht damit, dass die Person noch lebend gerettet werden kann", hieß es weiter. Gleichwohl gehe die Suche dort weiter.

Auch in Thüringen gab es Dauerregen und länger anhaltenden Starkregen. Im Land wurden mehrere Straßen überschwemmt und Keller geflutet.

Weitere Regenfälle im Süden und Südwesten erwartet

In Bayern entspannte sich die Lage derweil etwas. Im Landkreis Hof wurde der am Dienstagabend ausgerufene Katastrophenfall wieder aufgehoben.

Laut DWD-Prognosen lassen die Regenfälle am Donnerstag im Westen nach und ziehen vermehrt in den Südwesten und Süden. Allerdings seien die Wassermengen in der Fläche voraussichtlich nicht mehr so ausgeprägt. Unwetterartige Starkregenfälle könnten aber lokal nicht ausgeschlossen werden, hieß es. Freundlicher sieht es am Donnerstag dagegen im Norden und Osten aus, wo sich laut DWD häufiger die Sonne zeigt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2021 um 16:00 Uhr und 20:00 Uhr.