Ein Blitz erhellt den Nachthimmel.  | picture alliance/dpa

Prognosen für das Wochenende "Normale Gewitter" - in Flutgebieten gefährlich

Stand: 23.07.2021 14:17 Uhr

Am Wochenende drohen in den Hochwassergebieten in NRW und Rheinland-Pfalz erneut Gewitter. Weil viele Dämme zerstört und die Böden dort durchnässt sind, könnten schon vergleichsweise geringe Regenmengen gefährlich werden.

Den Menschen in den von der Flutkatastrophe betroffenen Regionen droht am Wochenende erneut Starkregen. In Nordrhein-Westfalen soll es wieder kräftige Regenschauer und Gewitter geben. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte, muss am Samstagnachmittag und -abend vereinzelt mit Unwettergefahr durch Starkregen gerechnet werden.

Wo genau die Unwetter auftreten könnten, ist aber noch unklar. "Eine genaue Lokalisierung der Schwerpunkte wird - wenn überhaupt - nur sehr kurzfristig möglich sein", teilte der DWD mit.

Regen bis zu 40 Liter pro Quadratmeter

Auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland erwarten Meteorologen am Wochenende erneut starke Schauer und Gewitter. Nach der Prognose des DWD muss am Samstag lokal eng begrenzt mit heftigem Starkregen mit Regenmengen bis zu 40 Litern pro Quadratmeter gerechnet werden.

Bis Samstagvormittag kann es laut Prognose im Südwesten von Rheinland-Pfalz und im Saarland erste, lokale Starkregenfälle mit einer Niederschlagsmenge von bis zu 15 Litern pro Quadratmeter geben. Auch in Bayern könnten schwere Unwetter erneut zu starken Regenfällen führen - und damit die Pegel der Flüsse wieder steigen lassen.

Keine Deiche, keine Rückhaltebecken mehr

Auch der ARD-Wetterexperte Tim Frühling rechnet mit Regenmengen zwischen 20 und 40 Liter pro Quadratmeter. Das seien eigentlich ganz normale Regenmengen eines Sommergewitters, so Frühling auf tagesschau24. Das Problem sei, wenn das Gewitter auf die hart getroffenen Überflutungsgebiete treffe, dann treffe es auf eine Landschaft, in der die Sicherungssysteme zerstört sei. Es gebe dort keine Deiche, keine Dämme mehr und auch keine Regenrückhaltebecken.

In diesem Gebiet wären vor zwei Wochen solche Gewitter überhaupt kein Problem gewesen, erklärte Frühling. Aber in diesem Fall sei es möglich, dass die Wassermassen wieder in die Orte, in die Täler und in die Häuser geschwemmt werden.

Lokale Unwetter, die weiter ziehen

Für Samstag rechnet Frühling damit, dass Gebiete im Allgäu, in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen betroffen sein werden. Welche Orte verschont bleiben, welche getroffen werden, sei noch nicht vorhersehbar. Es werde sich aber um lokale Unwetter handeln, die weiter ziehen. Die würden nicht so langanhaltend und nicht so flächendeckend wie vor einer Woche.

Bodensättigung ist das große Problem

Damit ist das Problem aber nicht gebannt, meint Frühling. Denn die Böden seien ein großes Problem. Richtung Eifel und Rheinland seien die Böden schon zu 80 Prozent bis 90 Prozent gesättigt, sie könnten nicht mehr viel aufnehmen. Größere Regenmengen würden dann sofort in die Flüsse und Bäche weitergeleitet.

Problematisch sei die Lage auch im Süden und Osten. Richtung Erzbegirge und Alpenrand gäbe es immer noch eine Bodensättigung von 100 Prozent. Diese Böden könnten nichts mehr aufnehmen, sagte Frühling weiter. Das sei der Bereich, der am Sonntag und Montag gefährdet sei. Da zögen die Unwetter Richtung Osten weiter, da bestehe die Gefahr, dass alles, was vom Himmel komme, in den Bächen und Flüssen lande.

Bessere Vorbereitung von allen

Wolfram Geier vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe forderte, alle gemeinsam müssten sich besser auf Hochwasser vorbereiten - auch die Behörden. Die Bürger müssten sich damit auseinandersetzen, aber auch die Wirtschaft und Infrastrukturbetreiber hätten die Aufgabe, sich mit den Extremwetterlagen auseinandersetzen und Schutzkonzepte zu entwickeln.

Keine Erfahrungen bei Starkregen-Ereignissen

Der Katastrophenschutz sei auf normale Hochwasserlagen gut vorbereitet, erklärte Geier auf tagesschau24. Normale Hochwasser hätten eine lange Vorlaufzeit, diesbezüglich liefen die Vorbereitungen. Aber bei Starkregen-Ereignissen wie in der vergangenen Woche habe man bisher noch keine Erfahrungen gesammelt. Dies seien neue Dimensionen, die man noch nicht optimal vorbereiten könne. Gerade an der Ahr habe es großflächige, weit ausgeprägte und extrem lange Niederschlagsphasen mit ungeheuren Mengen gegeben. Das habe man bisher so nicht gekannt, so Geier.

Nicht Hab und Gut retten - sondern sich selbst

Man müsse die Menschen schneller informieren und sensibilisieren, empfiehlt der Experte. Die Menschen müssten den Anordnungen der Behörden dann sofort Folge leisten. Sie müssten sich aber auch selbst genügend schützen. Es müssten die richtigen Maßnahmen ergriffen werden: also nicht das Auto retten, nicht Hab und Gut aus dem Keller holen. Der Rat laute, man solle sich so schnell wie möglich in höher gelegene Gebiete retten.

Stärkere Kooperationen und Renaturierung

Angesichts der Gefahren und Bedrohungen, denen wir ausgesetzt seien, brauche man viel stärkere Kooperationen. Laut Geier benötige man eine tägliche Zusammenarbeit von Bund, Ländern, Kommunen und Einsatzorganisationen, um dann den Krisenstäben und den politischen Entscheidern die richtigen Empfehlungen geben zu können.

Zudem müsse neben der Schaffung von Regenrückhaltebecken auch die Renaturierung von Bächen und Flussläufen voranschreiten. Renaturierung bedeute, dass die Fließgeschwindigkeit von Bächen reduziert werde.

Und man müsse, so Geier, Starkregenrisiko-Kartierungen durchführen. Es müsse verzeichnet werden, wo es zu welchen Bedrohungen durch Starkregen kommen könne. Zur Not müsse man auch Gewerbegebiete und Wohngebiete umsiedeln.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Juli 2021 um 11:00 Uhr.