Helge Braun | dpa

Nach Prüfung der Dissertation Braun bleibt Doktor

Stand: 02.06.2021 13:50 Uhr

Nach der Überprüfung der Dissertation von Kanzleramtschef Braun hat die Uni Gießen keine Täuschungsabsicht festgestellt - wohl aber "wissenschaftliches Fehlverhalten". Braun muss nun nachbessern.

Die Gießener Justus-Liebig-Universität hat bei der Überprüfung der Doktorarbeit von Kanzleramtsminister Helge Braun keine Täuschungsabsicht festgestellt. Ein Entzug des Doktortitels komme nicht in Betracht, teilte die Hochschule mit. Laut der Kommission gibt es jedoch an einigen Stellen formale Fehler. Diese seien zu korrigieren, hieß es. Dafür hat Braun nun sechs Monate Zeit.

Die Universität war in den vergangenen Wochen Vorwürfen nachgegangen, wonach "substanzielle Ergebnisse der Dissertation" bereits zuvor in einer anderen Publikation veröffentlicht worden seien. Die Hochschule überprüfte die Arbeit daraufhin nach einem standardisierten Verfahren.

"Wissenschaftliches Fehlverhalten"

Die Vorwürfe bezogen sich auf das Verhältnis zwischen Brauns Doktorarbeit und einer zuvor erschienenen Publikation mit Braun als Co-Autor sowie auf mögliche Überschneidungen mit anderen Schriften.

Die Kommission sei insgesamt zu dem Ergebnis gelangt, dass in der Dissertation die Ergebnisse und Erkenntnisse aus der Vorpublikation von Braun "selbstständig weiterentwickelt und verfestigt worden sind", erklärte die Universität. An einigen Stellen fehlten jedoch detaillierte Einzelnachweise zu der früheren Publikation, so dass "ein wissenschaftliches Fehlverhalten gemäß Satzung" vorliege.

Doktor der Medizin

Braun, der auch Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Gießen ist, promovierte 2007 im Alter von 35 Jahren zum Doktor der Medizin. Seine Doktorarbeit befasste sich mit dem Einfluss intraoperativer Tachykardien (Herzrasen während einer Operation) auf die postoperative Prognose. Noch bis 2009 arbeitete Braun am Gießener Uniklinikum und wurde danach Mitglied des Bundestags.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Mai 2021 um 09:41 Uhr.