Blick auf die im Bau befindliche Waldschlößchenbrücke in Dresden

Entscheidung der UNESCO Dresdner Elbtal ist kein Welterbe mehr

Stand: 25.06.2009 19:01 Uhr

Dresden darf sich nicht länger mit dem begehrten Welterbe-Titel schmücken. Die UNESCO entzog dem Dresdner Elbtal wegen des Baus der Waldschlösschenbrücke den erst 2004 verliehenen Titel, wie der Sprecher der deutschen UNESCO-Kommission, Dieter Offerhäußer, mitteilte. Der Entscheidung war auf der Jahrestagung der UN-Organisation in Sevilla eine lange Diskussion vorausgegangen, die Entscheidung war mehrfach verzögert worden.

Das Welterbekomitee entschied, dass die vierspurige Autobrücke in Sichtweite der historischen Innenstadt die Kulturlandschaft mit ihren Flussauen an einem sensiblen Punkt irreversibel zerschneide.

"Schwarzer Tag für Sachsen"

Deutsche Politiker reagierten nicht überrascht auf die Entscheidung, kritisierten aber erneut die Haltung Dresdens. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee betonte: "Es war mehr als genug Zeit für Sachsen und die Stadt Dresden, mit der UNESCO zu einem Kompromiss zu gelangen. Schon eine grundsätzlich andere Brückenlösung hätte genügt." Die Grünen warfen den Verantwortlichen für den Brückenbau "Sturheit" und "Uneinsichtigkeit" vor.

Auch Kulturstaatsminister Neumann nannte es "bedauerlich", dass kein Kompromiss gefunden werden konnte. Gleichzeitig wies er jede Schuld von sich. Der Bund habe leider keinen direkten Einfluss auf das Brückenprojekt nehmen können, weil allein die Länder und Kommunen zuständig seien.

Die Präsidentin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz und sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange, meinte, die Stadt Dresden sei "sehenden Auges ins Verderben" gelaufen. Dies sei "ein schwarzer Tag für das Kulturland Sachsen und Deutschland als Kulturnation."

Dresden verliert Fördergelder des Bundes

Die Aberkennung wird für Sachsens Hauptstadt auch finanzielle Folgen haben: Sie erhält kein Geld mehr aus einem 150-Millionen-Euro-Förderprogramm für deutsche Welterbestätten. Eine von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee einberufene Expertenkommission sieht wegen des Titelentzugs keine Grundlage mehr für die Finanzhilfe. Weitere wirtschaftliche Folgen drohen durch sinkende Touristenzahlen.

Dem Welterbekomitee gehören Vertreter aus 21 Ländern an, Deutschland ist derzeit nicht darunter. Die Entscheidung in Sevilla fiel mit 14 zu fünf Stimmen. Zwei Stimmen waren ungültig. Es ist erst das zweite Mal, dass eine Welterbestätte von der Liste gestrichen wird.

Unesco-Gebiet in Dresden

Unesco-Gebiet in Dresden

Schafft es das Wattenmeer auf die Liste?

Dagegen kann das deutsche Wattenmeer darauf hoffen, von der UNESCO als erste deutsche Naturlandschaft auf die Welterbeliste gesetzt zu werden. Die Aufnahme hatten der Bund, die Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie die Niederlande beantragt. Das UN-Gremium wird darüber wahrscheinlich am Freitag oder Samstag entscheiden.

Das Wattenmeer

Das Wattenmeer

Die jährliche Sitzung des Welterbe-Komitees in Andalusien dauert noch bis zum 30. Juni. Kultur- und Naturdenkmäler mit weltweit herausragendem Wert werden seit 1972 mit einem internationalen Abkommen geschützt. So sollen sie für folgende Generationen erhalten bleiben. Die UNESCO unterscheidet dabei in Kultur- und Naturerbestätten. Zu ersterem gehören etwa der Aachener und der Kölner Dom, zu letzterem die Galapagos-Inseln.

Fossiles Weltnaturerbe

Jetzt gibt es insgesamt noch 678 Kultur- und 174 Naturdenkmäler, weitere 25 Denkmäler werden zu beiden Kategorien gezählt - etwa der australische Nationalpark mit dem für die Ureinwohner bedeutenden Ayers Rock. In Deutschland gab es vor der Dresden-Entscheidung 33 Welterbestätten, nur eine davon ist Weltnaturerbe. 1995 erhielt die Fossilienlagerstätte Grube Messel bei Darmstadt diesen Titel.